„Wanted: Handwerk!“ – Eine Erfolgsgeschichte

6. Oktober 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Rund 250 Schülerinnen und Schüler aus dem Raum Memmingen – Mindelheim konnten sich bei „Wanted: Handwerk!“ auf dem Firmengelände des Bauunternehmens Zettler, Memmingerberg, über 18 Handwerksberufe informieren, die 26 Betriebe aus unserer Region vorstellten. Das Erfolgsrezept: Die Praxis-Orientiertheit bei der Vorstellung von handwerklichen Berufen. Doch das ist es nicht allein.

Bereits zum dritten Mal fand das Ausbildungsprojekt „Wanted: Handwerk!“ unter der Schirmherrschaft von Memmingens Oberbürgermeister Manfred Schilder und Landrat Hans-Joachim Weirather statt, für die der Geschäftsführer der Kreishanderwerkerschaft Gottfried Voigt vor drei Jahren die Basisarbeit geleistet hat.

Heute wird das Projekt nicht nur von der Agentur für Arbeit, von der Region und den Handwerksbetrieben unterstützt, sondern ist bereits zum Selbstläufer geworden: Innerhalb von 14 Tagen waren alle Stände besetzt, die teilnehmenden Betriebe merken sich besonders talentierte Teilnehmer und die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler dürfen sich direkt für Berufspraktika vormerken lassen.

Was macht „Wanted: Handwerk!“ so erfolgreich?

„Ziel des Projektes ist es, den Schülern neben umfassenden Ausbildungsinformationen ein Gefühl für den Beruf im Handwerk zu vermitteln“, erklärte Gottfried Voigt beim Pressegespräch nach einem Rundgang durch die zahlreichen Stände der einzelnen Handwerksbetriebe.

Zudem sind es meist junge Lehrlinge, die mit Begeisterung ihre Arbeit den Jugendlichen der 8. Und 9. Klassen aus diesmal neun Mittelschulen präsentieren und dadurch einen direkten Draht zu den nur wenig jüngeren Schülern aufbauen – auch das käme sehr gut an, so Gottfried Voigt weiter, es sei ein Austausch auf Augenhöhe.

So dürfen sich die Schülerinnen und Schüler jeweils drei favorisierte Handwerksberufe auswählen und einmal selbst Hand anlegen, mit dem Werkzeug umgehen, kleine Werkstücke bauen und im direkten Dialog mit meist nur wenig älteren Lehrlingen einen ganz persönlichen Einblick erhalten in die verschiedenen Handwerksberufe.

Und auch wenn bestimmte Berufsbilder mehr männliche Interessenten fanden wie etwa Mechatroniker, Elektrotechniker oder Berufe im Bauwesen, während Raumausstallung, der Friseurberuf oder Floristik eher weibliche Interessentinnen anzog, war es gerade im Bereich KFZ-Mechatronik eine junge MechatronikerIN, die ihr Handwerk selbstbewusst vorstellte:
Michaela heißt sie und die interessierten Jungs um sie herum ließen sich ebenso gerne von einer Frau die nötigen Handgriffe erklären. Beeindruckt waren die Jungs sicher auch von Oberbürgermeister Manfred Schilder, der sich als handwerklich sehr geschickt zeigte.

Tradition als Basis, moderne Technik als Mittel

Klar wird den Schülerinnen und Schülern bei ihrem praktischen Einblick auch, dass das Handwerk zwar auf Tradition basiert, jedoch durchaus im 21. Jahrhundert angekommen ist und sich ebenso moderner Technik bedient, sei es in der Planung, wie auch in der Ausführung, vor allem bei den technischen Berufen.

Zudem basiere der Mittelstand, der in unserer Region die Wirtschaft maßgeblich trage, auf dem Wissen aus dem Handwerk, betonte Gottfried Voigt bei seiner Begrüßung der rund 250 Schülerinnen und Schüler zusammen mit den Ehrengästen aus Politik und Wirtschaft.

Ein zu ausgeprägter Akademisierungstrend sei nicht wünschenswert für eine gesunde Wirtschaft, die vor allem auf Fachkräfte angewiesen ist, ist auch Maria Amtmann, Leiterin der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen überzeugt.

Praktische Erfahrung als Entschiedungshilfe

Beim Rundgang werden am Stand der jungen Zimmermänner gerade verschiedene Dachstühle erklärt, während bei den Elektrotechnikern von den Schülern eine Lampe nachgebaut werden soll.

Die 13-jährige Evelin stört es gar nicht, dass die Arbeitszeiten beim Bäckerberuf etwas außergewöhnlich sind, sie findet den Beruf toll und hat sich schon dafür entschieden.

Beim Metzger probiert sich der 12-jährige Burak gerade im Würstchenmachen. Als ich ihn frage, wie es ihm gefällt, sagt er, „gut, macht schon Spaß, aber Mechatroniker gefällt mir besser.“

Im Bereich Bauen wurden mehrere Berufszweige vorgestellt. Yannik, 13 Jahre alt, ist begeistert vom Straßenbau, obwohl er sich auch bei den Malern und den Schreinern eingeschrieben hat, aber Straßenbau begeistere ihn am meisten.

Unterdessen bildete sich beim großen Bagger eine Schlange, wo ich den 14-jährigen Georg-Adrian anspreche. Alles andere scheint ihn gar nicht zu interessieren, denn er ist sich sicher: er möchte einmal Baufahrzeugführer werden.

Noch nicht entschieden hat sich hingegen der 13-jährige Ahmet, der gerade bei den Blechtechnikern eine Blume aus einem Blech schneidet. Schon in der Schule hatte er im Schulfach „Technik“ mit Blech gearbeitet, erzählt er, aber er möchte auch noch bei den Mechatronikern und den Elektrotechnikern vorbeischauen, denn alle drei Berufe würden ihn sehr interessieren.

Der Floristenstand ist mit Schülerinnen umringt und als ich die 14-jährige Rebeca anspreche, erzählt sie mir, sie fand schon immer die Farben von Blumen so schön und ihr gefällt das Dekorative an dieser Arbeit und das Gestalterische.

Lena, 14 Jahre alt, hat sich schon im Vorfeld für Raumausstattung interessiert. Zwar habe sie sich auch bei dem Friseurstand und bei den Floristen eingeschrieben, aber jetzt, wo sie mehr darüber weiß, was ein Raumausstatter macht, interessiere sie der Beruf noch mehr.

Fotos:
Bild 1: (v. li.): Gottfried Voigt (Geschäftsführer Kreishanderwerkerschaft), Georg Göttinger (stv. Handwerksmeister), MdL Klaus Holetschek, Maria Amtmann (Leiterin der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen), Wolfgang Zettler (Geschäftsführer Bauunternehmen Zettler GmbH), Oberbürgermeister Manfred Schilder, Bertram Hörtensteiner (Schulamtsleiter), Gerhard Miorin (AoK) und Memmingerbergs Bürgermeister Alwin Lichtensteiger.

Bilder 2-4: entstanden beim Rundgang von „Wanted: Handwerk!“ 2017 mit 250 interessierten Schülerinnen und Schülern auf dem Firmengelände des Bauunternehmens Zettler, Memmingerberg.

Alle Fotos aus eigener Quelle.

Ein paar mehr Fotos von „Wanted: Handwerk!“ 2017 auf unserer Facebookseite.

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