Die Krämermarkt-Welt ist noch in Ordnung

12. Oktober 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

`Irgendetwas stimmt nicht´, dachte ich mir, als ich am zweiten Tag des Krämermarktes gestern durch den charakteristischen Krämermarkt schlendere. Als ich den Gedanken in mir kreisen lasse, kam auch prompt die Antwort: `Es ist so merkwürdig still auf dem Krämermarkt. Man hört gar keine lauten Rufe der für den Krämermart typischen Marktschreier´. Eine Befürchtung beschleunigte meine Schritte und ich lief zielsicher in eine Richtung…

Zielsicher lief ich direkt dorthin, wo seit meiner Kindheit der gleiche, charakteristische Krämermarktstand zu finden ist. Als ich dann tatsächlich die große rote Schrift lese und vor dem Stand stehe, fällt mir ein Stein vom Herzen und meine Krämermarkt-Welt ist wieder in Ordnung: „Der billige Jakob“.

„Der billige Jakob“ alias Leo Pirthauer ist heute 85 Jahre alt und noch immer steht er in jedem Jahr an seinem kleinen Stand, verkauft Schnürsenkel, Hosenträger, Gallseife, Naturhaarrasierpinsel, antistatische Plastikkämme, Hosengummis und noch ein paar Kleinigkeiten, ohne die der Krämermarkt nicht der Krämermarkt wäre.

Bei meinem letzten Besuch im Vorjahr hatte er gesundheitliche Probleme, hatte offene Wunden an den Händen nach einem Treppensturz und eine bevorstehende Hüftoperation. Die Wunden mussten vorher verheilt sein, erzählte er mir damals, denn sonst werde nicht operiert. Ich erinnerte mich an die Bachblüten Rescue Heilsalbe, die ich zuhause hatte und fuhr extra am Tag drauf nochmals zum Krämermarkt, um sie ihm zu bringen. Er strich seine Handrücken damit ein, ich wünschte ihm alles Gute für seine OP und hoffte, ihn im nächsten Jahr wieder zu treffen.

Er selbst hatte im letzten Jahr Zweifel, ob dies vielleicht das letzte Jahr sein werde. Deshalb war ich – es mag seltsam klingen – glücklich, ihn heuer als charakteristischen Bestandteil des Krämermarktes wieder zu sehen. Mit neuem Hüftgelenk, aber sonst ganz der alte.

Seit nunmehr etwa 43 Jahren – genau weiß er es selbst nicht mehr, aber irgendwo zwischen 40 und 45 Jahren, im letzten Jahr sagte er 42 – steht er nun auf dem Krämermarkt und man muss sich wundern, dass man von den paar Kleinigkeiten leben kann, die „Der billige Jakob“ verkauft.

Mein Vater kauft schon seit über 40 Jahren seine Naturhaarrasierpinsel und seinen antistatischen Kamm bei ihm, der damals einer von wenigen war, die das anboten. Dieses Jahr kaufte mein Vater noch ein paar Hosenträger mit dazu, auch weil er sie seit ein paar Jahren braucht, vor allem aber, um mit dem Billigen Jakob ein Schwätzchen zu halten und weil auch er froh war, dass es ihn noch gibt.

Für Kinder mag der Krämermarkt vielleicht langweilig sein, vor allem wenn oben, oberhalb des Schweizerberges der Jahrmarkt lockt. Doch mit ein bisschen Muße ist der Krämermarkt ein Stück Kultur und Teil einer langen Tradition, die viele Memminger liebgewonnen haben.

Und wo sonst findet man so viele Hosenträger, so viele Wurzelbürsten, so viele handgemachte Körbe, Plüschtiere, Wollmützen, beschichtete Pfannen, Kräuterbonbons aus eigener Fertigung, Fensterputzgerätschaften und vor allem so viel geraspeltes Gemüse?

Nach einer großen Runde kaufte ich zu guter Letzt ein paar Lose für den Kinderschutzbund und gewinne prompt einen Gutschein für das CamboMare in Kempten! Besser konnte es an diesem Tag auf dem Krämermarkt nicht werden, also machte ich mich auf den Heimweg.

Der Krämermarkt ist noch am heutigen Donnerstag den ganzen Tag bis 20 Uhr geöffnet.

Fotos: aus eigener Quelle.

Eine kleine Fotostrecke zum Krämermarkt finden Sie auf unserer Facebookseite.

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