Ritterspiel in modernem Gewand: Das Käthchen von Heilbronn

16. Oktober 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Das Käthchen von Heilbronn präsentiert sich am Landestheater Schwaben wie ein historisches Ritterspiel in modernem Gewand: Bühnenbild, musikalische Akzente und Kostüme sind heutig übersetzt, die verrückte Liebesgeschichte des verzauberten Käthchens und dem Ritter von Strahl erzählt sich in der historisch und verstaubt wirkenden Sprache von Kleist, während das Ende mystisch und rätselhaft bleibt.

Wir befinden uns im Dunkeln. Das einzige, was wir sehen, ist ein beleuchteter Rahmen, der an den Rahmen eines Kinos erinnert. Man erwartet fast einen Film, der jeden Moment beginnt. Doch da erhellt sich plötzlich der Innenraum des Rahmens und wir sehen in das Innere eines sehr essentiell gehaltenen Bühnenbildes: In zwei Stufen angeordnet ist der Boden mit gealtert wirkendem Holz bedeckt, von der Decke ragen weiße Stoffteile in das Bild, die mich entfernt an Spitzenunterröcke erinnern. Je nach Bestrahlung erinnert es einmal an einen blauen Himmel, ein andermal an weiße Wolken, von violettem Licht bestrahlt erhalten sie etwas bedrohlich Mystisches.

Unter sphärischen Klängen sehen wir eine Figur mit Engelsflügeln stehen, weiter im Vordergrund, versetzt, steht ein burschikoses Mädchen, das die engelartige Figur zu sich winkt. Von einer dritten Stelle erklingt eine Stimme: „Der Ritter hat mein Kind verführt!“

Sogleich befinden wir uns inmitten einer Gerichtsverhandlung, in der der Vater des Mädchens den nicht anwesenden Ritter von Strahl anklagt, seine Tochter verhext zu haben. Seit seine Tochter – das Abbild von Reinheit und Keuschheit – den Ritter das erste Mal gesehen habe, sei sie ihres Verstandes beraubt worden.

In einem etwas langatmigen Vorspann erfahren wir in der theatralischen, altertümlich und verstaubt wirkenden Sprache von Kleist, wie das Käthchen von Heilbronn das erste Mal den Graf von Strahl traf und wie vom Blitz getroffen wurde.

Zunächst an Fieber erkrankt drohte sie zu sterben, um sich dann plötzlich von ihrem geliebten Vater und ihrem geregelten Leben abzuwenden. All ihre Tugend, all ihr bürgerliches Leben, alle Pläne achtlos wegwerfend, habe sie ihr Elternhaus verlassen und sei dem Ritter wie ein Schatten auf Schritt und Tritt gefolgt. Doch aus Mangel an Beweisen für seine Anklage, wird sein Vorwurf zurückgewiesen.

Das Käthchen von Heilbronn folgte dem Ritter, den sie aus einem Traum erkennt, in dem der Ritter ihr in einer Silvesternacht zum Mann versprochen wird. Auch Graf von Strahl scheint von ihr bezaubert zu sein, verhält sich freundlich und fair, aber weist den Gedanken an Gemeinsamkeit vor sich selbst zurück, weil das Käthchen offenbar von niederem Rang ist.

Er hingegen hatte ebenfalls einen Traum, in dem ihm an einer Silvesternacht ein Engel die Vermählung mit einer Kaisertochter vorhersagte. Doch als er eine Frau vor einem Angreifer rettet, die sich als Gräfin vorstellt, glaubt er in ihr die „Kaisertochter“ gefunden zu haben. Auch dann noch, als sich herausstellt, dass sie seine ehemalige Feindin Kunigunde von Thurneck ist, die ein Recht auf ein Land anmeldete, das zu seinem gehörte.

Als Dank schlägt die clevere und intrigante Kunigunde eine Friedenserklärung vor und nutzt die Gunst der Stunde, um nicht auf kriegerische Weise, sondern durch Heirat an ihr Ziel zu gelangen. Ritter von Strahl lässt sich von ihr umgarnen.

Als der ehemalige Verlobte Kunigundes aus Rache einen Angriff auf Thurneck inszeniert und Häuser brennen, schickt Kunigunde das Käthchen in das brennende Schloss, um von dort ein Bild zu retten, was Käthchen nur durch das Eingreifen eines mysteriösen Cherubs überlebt.

Das Bild entpuppt sich als ein Beweisstück für die bösen Absichten von Kunigunde und als der Ritter von Strahl die Intrige erkennt und das Käthchen sich als die uneheliche Tochter des Kaisers entpuppt, wendet sich das Blatt.

War sein Traum und war ihr Traum vielleicht gar kein Traum? Haben sie sich tatsächlich in der Silvesternacht getroffen?

Während Kleist ein Happy End vorsieht mit der Heirat vom Grafen von Strahl und dem Käthchen als uneheliche aber wahre Tocher des Kaisers, bleibt das Ende in der Inszenierung von Intendantin Dr. Kathrin Mädler ein Mysterium mit einem offenen Ende, welches Fragen aufwirft und zu Interpretationen einlädt. Über das Käthchen von Heilbronn, das – bis zuletzt – ihrem Herzen folgt. Oder nicht?

Fotos:
Fotocredit: © Monika Forster.

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