„Gemeinsam bestehen“ – Sven Müller über den Saisonstart, Kaderveränderungen und kritische Stimmen

27. Oktober 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Nach acht Spielen in der neuen Liga ziehen die Indians des ECDC Memmingen eine erste Zwischenbilanz. Der Sportliche Leiter, Sven Müller, äußert sich im Interview über die Schwierigkeiten seines Teams in dieser ersten Saison in der Oberliga, sowie über erste Kaderveränderungen und kritische Stimmen im Umfeld des Vereins.

Wenn Spiele gewonnen werden, feiern Gäste und Fans mit den Spielern und von den Besucherrängen regnet es Unterstützung und Solidarität. Doch wenn Spiele des selben Teams, das die allererste Saison in der Vereinsgeschichte in der dritthöchsten Liga bestreitet, verliert, verlassen viele Besucher schon vor Spielende die Eishalle und auf der Fanpage regnet es Kritik, böse Kommentare und von Solidarität ist nur noch wenig zu spüren. Warum ist das so? Haben die Spieler und das Team nicht mehr wirkliche Unterstützung verdient? Sind die Erwartungen zu hoch?

In einem Interview äußert sich der Sportliche Leiter, Sven Müller, über die Schwierigkeiten seines Teams, erste Kaderveränderungen und kritische Stimmen im Umfeld des Vereins.

Memmingen (mfr). Hallo Sven, die ersten acht Spieltage sind vorbei und die Indians stehen auf Rang 8 der Tabelle. Wie siehst Du den bisherigen Verlauf der Saison?

Sven Müller: Bisher bin ich recht zufrieden. Wir haben Punkte gegen Mannschaften geholt, die nicht unbedingt zu erwarten waren. Zweimal das Derby gegen Sonthofen zu gewinnen ist für uns Memminger nach den vielen Niederlagen gegen die Bulls natürlich schon eine Genugtuung. Auswärts schlagen wir uns besser als erwartet. Zuhause haben wir jedoch noch Probleme.

Woran mag das liegen?

Sven Müller: Ich denke, da spielen viele Faktoren eine Rolle. Wir sind Aufsteiger in einer starken Liga, das Konterspiel, wie wir es auswärts spielen, liegt uns gut. Zwar haben wir sehr starke Spieler in unseren Reihen, die schnelles und hochklassiges Eishockey spielen können, doch zuhause versuchen wir noch das Spiel zu machen. Und hier tun wir uns verständlicherweise gegen die starken Oberligisten schwer.

Sämtliche Fehler werden von den etablierten Oberligisten sofort bestraft. Als Beispiel möchte hier das Heimspiel gegen Weiden nennen: Wir spielen in den ersten Minuten sehr gutes Eishockey und sind die bessere Mannschaft. Im Verlauf des ersten Drittels machen wir dann drei individuelle Fehler und der Gegner macht daraus sofort drei Tore. Und dann lief das Spiel so dahin. Hier müssen wir noch lernen defensiver und geduldiger zu spielen.

Manche Zuschauer haben nach der zweiten Heimspielniederlage bereits deutliche Kritik geäußert. Kannst du diese Reaktionen verstehen?

Sven Müller: Kritik ist immer willkommen, was aber nach dem Heimspiel gegen Weiden, vor allem in den sozialen Medien, abging ist kaum erträglich. Wir sind Aufsteiger, spielen größtenteils gutes Eishockey und haben mehr Punkte geholt als etablierte Oberligisten. Da stehen wir auf Rang Acht der Tabelle und Teile unserer Zuschauer stellen schon wieder alles in Frage, das kann nicht sein. Wir haben das Abenteuer Oberliga gewagt und wussten, dass es eine Herausforderung für den gesamten Verein sein wird.

Jeder von uns, ob Mannschaft, Vorstandschaft oder Fans muss einiges lernen und sich mit den neuen Gegebenheiten vertraut machen. Das Spiel ist schneller, die Gegner effizienter und jeder Fehler wird sofort bestraft. Die anderen Mannschaften sind seit Jahren in der Oberliga und verfügen größtenteils über deutlich höhere finanzielle Mittel. Für unsere Möglichkeiten schlagen wir uns bisher sehr gut.

Jetzt schon wieder alles in Frage zu stellen, den Rücktritt der Trainer und die Entlassung einiger Spieler zu fordern ist für uns in der Vereinsführung ein absolutes No-Go. Sollte das so weitergehen und die Zuschauer uns nicht bei diesem Abenteuer unterstützen, dann ist die Oberliga wahrscheinlich nicht die richtige Liga für uns, auch wenn es für die vielen treuen und verständnisvollen Fans sicherlich schade wäre.

Die Mannschaft bereitet sich bereits wieder auf die kommenden Aufgaben vor, auch wenn einige Spieler nach der letzten Partie ganz schön niedergeschlagen wirkten und die Kritik sicherlich nicht spurlos an den Beteiligten vorbeigeht…

Sven Müller: Niemand verliert gern, vor allem nicht vor eigener Kulisse. Was man der Mannschaft aber sicher nicht vorwerfen kann ist, dass sie nicht bis zum Schluss kämpfen und alles für das Team und Verein geben. Gegen Lindau hatten wir einen rabenschwarzen Tag, da hat nichts funktioniert, an mangelndem Kampf lag es aber sicher nicht. Gegen Weiden dann ist das Ergebnis viel zu hoch ausgefallen, mit etwas mehr Glück schaut es auch hier ganz anders aus.

Ich gehe davon aus, dass auch die Zuschauer sich mit den neuen Verhältnissen vertraut machen und es in Zukunft ruhiger werden wird. Die Mannschaft jedenfalls trainiert hart und versucht die noch vorhandenen Defizite bestmöglich abzustellen.

Schauen wir in die Zukunft: In der Mannschaft gab es in der vergangenen Woche bereits erste Veränderungen…

Sven Müller: Ja, so wird uns Steffen Kirsch verlassen. Sein Vertrag wurde in beiderseitigem Eivernehmen aufgelöst, da er nicht die erhofften Einsatzzeiten erhalten hat. Steffen hat hart trainiert, war fleißig und engagiert, deshalb fiel es uns nicht leicht diesen Schritt zu gehen. Es wäre aber niemand geholfen, wenn er bei uns die meiste Zeit auf der Bank verbringt. Er wird sich einem Verein in Baden-Württemberg anschließen, wir wünschen ihm bei seiner neuen Aufgabe nur das Beste!

Am letzten Wochenende befand sich bereits ein neuer Kontingent-Verteidiger im Team. Wie geht es auf den Ausländerpositionen der Indians weiter?

Sven Müller: Seit dem Spiel in Sonthofen ist Lubor Pokovic zu unserem Team hinzugestoßen. Er besetzt eine Ausländerstelle, weshalb Rory Rawlyk momentan nicht zum Zuge kommt. Die Entscheidung reifte bereits einige Zeit heran. Wir mussten feststellen, dass Rory nicht zu unserem Team passt. Es gab einige Probleme mit ihm. Er ist sicher ein guter Eishockeyspieler und könnte in einem starken Team eine gute Rolle spielen, unsere größte Anforderung im Moment ist es aber die Abwehr zu stabilisieren.

Rory als Offensivverteidiger, mit dem Drang zu punkten, kann uns in der jetzigen Situation leider zu wenig helfen. Wenn er zwei Punkte pro Spiel macht, wir aber gleichzeitig drei Tore kassieren geht die Rechnung nicht auf. Lubor hingegen ist ein anderer Spielertyp. Er ist zwar nach Außen sehr unauffällig, aber darauf kommt es nicht an.

Er verfügt über ein sehr gutes Stellungsspiel, ist schlittschuhläuferisch und körperlich stark und spielt einen schnellen ersten Pass. Alles Eigenschaften die für unsere Spielweise im Moment sehr wichtig sind, daher hat er den Vorzug erhalten. Rory wird vorerst weiter am Trainingsbetrieb unseres Teams teilnehmen, alles weitere wird sich in Kürze klären.

Noch ein kurzer Ausblick auf das kommende Wochenende. Mit Selb und Deggendorf warten zwei Favoriten der Oberliga. Auf dem Papier sicherlich nicht gerade die größten Chancen auf Punkte für die Indians, oder?

Sven Müller: Klar, es wird ein sehr schweres Wochenende, aber ist die Ausgangslage nicht eigentlich vor jedem Spieltag die Selbe? Die Gegner sind allesamt stark, aber auch Selb und Deggendorf sind nicht unschlagbar. Wir haben gegen beide Mannschaften schon gezeigt, dass wir hier durchaus eine Überraschung schaffen können. Mit einem disziplinierten, defensiven und einfachen Eishockey können wir hier durchaus punkten.

Für eine Überraschung gegen die Favoriten muss alles passen. Auch die Zuschauer sind hier sicherlich gefordert?

Sven Müller: Natürlich, nur gemeinsam können wir in dieser Liga bestehen. Daher appelliere auch nochmals an alle: Gebt den Vereinsverantwortlichen, Trainern und der Mannschaft euer Vertrauen und verzeiht auch mal Fehler, die sicherlich passieren werden. Jetzt bereits Druck auszuüben ist meiner Meinung nach völlig fehl am Platz. Lasst uns gemeinsam das tolle Eishockey in der Oberliga genießen und am Hühnerberg einen würdigen Rahmen bieten.

Es gibt bessere Mannschaften in der Liga, das müssen wir alle anerkennen. Stellen wir jetzt zu Beginn des ersten Jahres bereits alles in Frage, werden wir uns nicht mehr weiterentwickeln können. Und genau das ist doch das Ziel: Gemeinsam daran zu arbeiten in ein paar Jahren selbst eines der Topteams der Oberliga in Memmingen zu haben.

Ausblick

Schwere Auswärtshürde: Indians treten am Freitag in Selb an, am Sonntag geht es gegen den Deggendorfer SC am heimischen Hühnerberg

Memmingen (mfr). Der ECDC Memmingen bekommt es am Freitag mit einem starken Gegner zu tun: Die Selber Wölfe, eines der Topteams der Liga, werden ein harter Brocken für die Indians, die sich auf die weite Fahrt nach Oberfranken begeben müssen. Am Sonntag (18:45 Uhr) kommt dann mit dem Deggendorfer SC erneut ein Ligafavorit an den Hühnerberg, der die Memminger fordern wird.

Es ist eines der schwersten Wochenenden, welches die Indians in dieser Spielzeit zu absolvieren haben. Mit Selb und Deggendorf treten sie gegen zwei etablierte und namhaft besetzte Oberligisten an. Am Freitag geht es für die Memminger zuerst auf die lange Reise nach Oberfranken, wo sie es mit dem VER Selb zu tun bekommen. Die Wölfe waren auch der erste Gegner der Maustädter in dieser Spielzeit und entführten alle drei Punkte am Premierenspieltag der aktuellen Saison.

Vor allem der Sturm der Hausherren ist mit das Beste, was es in der Liga zu sehen gibt. Jared Mudryk, Kyle Piwowarczyk, Herbert Geisberger oder Michael Dorr haben allesamt das Zeug zum Topscorer, kein Wunder, dass alle vier auch in der Punktewertung unter den besten der Oberliga-Süd zu finden sind. Doch die anderen Mannschaftsteile der Franken sind ebenfalls durchgängig stark besetzt. Auch wenn die Wölfe derzeit nur auf Rang 6 der Tabelle zu finden sind, gelten sie als großer Favorit in dieser Begegnung.

Die Indians selbst erlebten am vergangenen Wochenende erneut ein Wechselbad der Gefühle. Konnte man am Freitag noch einen sensationellen Derbysieg in Sonthofen feiern, musste man am Sonntag beim 1:8 gegen Weiden Lehrgeld bezahlen. Auswärts sahen die Memminger bislang aber gegen jeden Gegner gut aus, es bleibt abzuwarten, ob dies auch gegen die Wölfe aus Selb gelingt.

Am Sonntag folgt dann das Heimspiel gegen den Deggendorfer SC. Hier wollen sich die Memminger für die knappe Hinspiel-Niederlage revanchieren. Der Vorverkauf für die Partie um 18:45 Uhr läuft bereits.

Da in der kommenden Woche Ferien in Bayern sind, bietet sich speziell für Familien ein Besuch am Hühnerberg an. Der Verein verweist auf den laufenden Kartenvorverkauf und hofft, dass die zahlreichen Eishockeybegeisterten weiterhin so zahlreich in die Eissporthalle strömen.

Karten für die Begenung sind an folgenden Stellen erhätlich: Memminger Zeitung, Vitalcenter Gerstberger, Dietzels Hockeyshop (jeweils Steh- und Sitzplätze) sowie Puck Sportsbar, Agip Tankstelle (Berkheim), Geschenkartikel Mitschka (Erkheim (jeweils nur Stehplätze).

Personelles

Wie oben bereits erwähnt, wird Stürmer Steffen Kirsch die Memminger mit sofortiger Wirkung verlassen. Beide Seiten einigten sich auf eine einvernehmliche Auflösung des Vertrags, der Angreifer wird sich einem Verein in Baden-Württemberg anschließen. Der ECDC wünscht ihm für die Zukunft alles Gute und viel Erfolg.

Neu im Team: Lubor Pokovic

Der 25-jährige Slowake ist seit letzter Woche fester Bestandteil des ECDC. Er soll der Memminger Hintermannschaft mehr Stabilität verleihen und gilt als ausgewiesener Defensivexperte. Geboren ist Pokovic in Bremerhaven, hat aber bislang keinen deutschen Pass und besetzt somit eine Kontingentstelle bei den Indians. Der Verteidiger kann Gardemaße vorweisen, so bringt er es auf rund 90kg bei 1,90m Körpergröße. Seine bisherigen Stationen waren hauptsächlich in seiner slowakischen Heimat, für deren Nationalmannschaft er auch drei Spiele absolvieren durfte. In dieser Spielzeit war er u.a. für den Zweitligisten Ravensburg auf dem Eis, da er während einer Verletzungsmisere als Testspieler für eine kurze Dauer verpflichtet wurde.

Fotos:
Bild 1 (und Titelbild): Sven Müller, sportlicher Leiter des ECDC Memmingen. Fotocredit: Alwin Zwibel.
Bilder 2 & 5: Archivbilder aus eigener Quelle.
Bild 3: Steffen Kirsch. Fotoquelle: ECDC Memmingen.
Bild 4: Lubor Pokovic. Fotoquelle: ECDC Memmingen.

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