Nachhaltig Bezahlbar Integriert – Anforderungen an zukunftsfähiges Wohnen

27. Oktober 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe “Wer gestaltet unsere Stadt?” als Teilprojekt von „Zeitmaschine Freiheit“ sprach der Münchner Architekt, Stadtplaner und Regierungsbaumeister Florian Plajer am vergangenen Mittwoch über Freiheiten bei der Gestaltung und erläuterte seine Ansatzpunkte für einen zukunftsfähigen Wohnungsbau.

Bereits mehrfach war Florian Plajer zu Gast im nahe gelegenen Thal bei Bad Grönenbach zur Vortragsreihe des Architekturforums Allgäu. Alle Plätze waren in der Memminger Kulturwerkstatt besetzt, um dem einstündigen Vortrag mit anschließender Diskussion zu verfolgen, der im Rahmen der Veranstaltungsreihe “Wer gestaltet unsere Stadt?” als Teilprojekt von „Zeitmaschine Freiheit“ in Kooperation mit dem Stadtmuseum Memmingen angeboten wurde.

Florian Plajer näherte sich dem Thema Nachhaltig Bezahlbar Integriert – Anforderungen an zukunftsfähiges Wohnen über vier Hauptpunkte: Freiheiten bei der Gestaltung einer Stadt * Wohnen = Leben, Beispiele für selbstverständliche Rahmenbedingungen, Zukunftsfähigkeit im Wohnungsbau und dem Thema Angemessenheit als Fortschritt.

Der Fokus lag dabei auf der Zukunftsfähigkeit des Wohnungsbaus, die der international agierende Architekt anhand von zwölf unterschiedlichen fachlichen Themenfeldern bewertete. Darunter waren die Verfügbarkeit von Grund und Boden, die Qualität in der städtebaulichen und architektonischen Planung, die Vorteile von Nutzungsmischung, sowie Rechtsrahmen, Finanzierung & Förderungen.

Als weitere Bausteine für die Zukunftsfähigkeit des Wohnungsbaus sieht Florian Plajer, die Nachhaltigkeit bezüglich des Energieverbrauches bzw. der Energieeinsparung, die Notwendigkeit, neue Mobilitätskonzepte direkt mit dem Wohnungsbau zu verbinden, die Nachnutzung von bestehenden Gebäuden und Möglichkeiten der Verdichtung von bestehenden Wohngebieten.

Zudem beleuchtete er in diesem Zusammenhang die Bauherrschaft, Standards und architektonische Qualität.

Mit Hilfe von Beispielen aus der Vergangenheit wie etwa den Einfluss von Leo von Klenze auf die Stadt München, wie auch aus der Gegenwart, wie etwa neue, verdichtete Bauformen, Radfahrerschnellwege für schnellere und energiesparende Mobilität, oder kollektiven Planungsbüros, zeigte Florian Plajer, der v.a. in seiner Funktion als freier Architekt und Stadtplaner referierte, anschauliche positiv- wie auch Negativbeispiele von städteplanerischen Möglichkeiten auf.

Dabei wurde auch deutlich, wie sehr die Bewertung der jeweiligen Ansätze und Möglichkeiten von den Anforderungen, den existierenden baulichen Bedingungen, wie auch räumlichen und gesetzlichen, sowie finanziellen Rahmenbedingungen abhängt.

Ebenso müsse das Thema Nachhaltigkeit und Energie seiner Ansicht nach jeweils drei Faktoren best möglich ausbalanciert werden, nämlich auf der einen Seite unter den Gesichtspunkten Ökologie, Ökonomie und Soziales, auf der anderen Seite unter den Gesichtspunkten Effizienz, Suffizienz und Resilienz. Diese jeweils drei Faktoren seinen nur in der Summe zu betrachten, denn ganz gerecht werde man keinem der drei, wichtig sei die Balance.

Als sehr wichtig bewertete der Architekt und Regierungsbaumeister Florian Plajer den Dialog zwischen den verschiedenen Akteuren bei der Städteplanung. Nutzer, Bauherren, Verwalter, Politik und auch benachbarte Siedler ob aus der Industrie oder in angrenzenden Wohnbereichen, müssten seiner Empfehlung nach planerisch zusammenarbeiten, um langfristig ein größt mögliches Maß an Zufriedenheit und auch Effizienz in der Städtebaulichen Entwicklung zu erreichen.

Plajer appellierte an die Zuhörer und bekräftigte dies nochmals bei den Fragen aus dem Publikum nach dem Vortrag: “Diskussionen wie heute sind unbedingt notwendig, um eine städtebauliche und architektonische Qualität in unserem Lebensumfeld langfristig zu sichern. Wir brauchen eine qualitative Diskussionskultur vor Ort.“

Es sei notwendig, so Plajer weiter, dass “alle Beteiligten, seien es Profis oder Laien, Nachbarn oder Planer, Entscheider oder Verwalter Ihren Beitrag für mehr Qualität in Stadt und Land leisten.”

Antworten auf alle Fragen gab es nicht, allerdings viele Denkanstöße, die die Zuhörer von diesem Vortrag mitnehmen konnten.

Infos über den Architekten

Florian Plajer, Architekt und Stadtplaner
Studierte Architektur an der TU München und der ETSA Madrid
Regierungsbaumeister seit 2012.

Nach seinem Diplom 2005 arbeitete er für 2 Jahre im Büro von Manuel Gallego Jorreto,  A Coruña.

An der TU München war er tätig als Korrekturassistent bei Prof. Matthias Reichenbach-Klinke, Wiss. Mitarbeiter `Planen und Bauen im ländlichen Raum´ und Lehrbeauftragter sustainable urbanism / Spanisch für architekten, Gastdozent ETSA A Coruña und Lehrtätigkeiten an verschiedenen Universitäten, auch an der ETSA Granada.

Seit 2015 Referent für experimentellen Wohnungsbau und technische Angelegenheiten des Wohnungsbaus an der Obersten Baubehörde im bayerischen Innenministerium.

Er war für zwei Jahre international expert / consultant für technische Zusammenarbeit von Deutschland und Mexiko.

Er hat Kommunen auch im Allgäu städtebaulich beraten, Boos und Mindelheim.

Florian Plajer ist auch bekannt als Referent und Übersetzer der spanischen Architekten Juan Domingo Santos, Victor López Cotelo und Manuel Gallego Jorreto, die er von der Technischen Universität München ins Allgäu führte.

Fotos:
Bild 1, 3, 4 und Titlebild: Florian Plajer, Architekt und Stadtplaner und Regierungsbaumeister
Bild 2: Doris Riedmiller (Vorstandsmitglied beim Architekturforum Allgäu).

Fotos aus eigener Quelle.

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