„Ganz arg wichtig“ nach Heinrich del Core

3. November 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Der mehrfach preisgekrönte Kabarettist und Comedian und gebürtige Schwabe Heinrich del Core, dessen Vater ein Italiener und dessen Mutter ein Rottweiler ist – „noi, net em Hund, sondern a Frau aus Rottweil“, klärte er die Zuschauer im prall gefüllten Saal auf, nachdem er eine kurze Denk- und Gelächterpause einräumte – ist gerade auf seiner deutschlandweiten „Ganz arg wichtig“-Tour und machte Zwischenstopp im Memminger Kulturzentrum Kaminwerk.

„Übernachtet Sie in erer Tubberdose?“ fragte Heinrich del Core einen rüstigen 82-jährigen Zuschauer, als er im Saal nach den anwesenden Altersgruppen fragte und sich herausstellte, dass die anwesenden Gäste sich im Alter zwischen 14 und 82 Jahren bewegten mit einer absoluten Mehrheit im mittleren Bereich.

Die Mitte wird bei Heinrich del Core überhaupt sehr gewichtet, denn den Einfluss seiner schwäbischen Mutter und den seines italienischen Vaters gewichtet er mit „so 60/60“.

Mit Sprachwitz, schwäbischem Charme, italienischer Leichtigkeit und einem schelmischen Lächeln, das ihm ins Gesicht geprägt scheint, erzählt Heinrich del Core Geschichten. Einfache Geschichten aus dem Leben, deren Details er gekonnt pointiert und humorvoll in Beziehung setzt, um so urkomische Pointen zu konstruieren.

Wie etwa – a propos Pointe – die Gemeinsamkeit von Pointe und Abführmittel: „Beim einen wirkt´s gleich, beim anderen später“, was er den ganzen Abend über demonstriert, indem er immer wieder Denkpausen für das Publikum einräumt und um ganz sicher zu sein, dass es auch alle verstanden haben, bringt er einfache Beispiele, wie etwa „Sie stehen vor dem Spiegel und rasieren sich und ihr Mann kommt rein“ – „Ja, des ging jetz schnell, gell“, aber bei der „Seniorenklappe in Baden Baden“ dauere es immer etwas länger.

Eine Beziehung baut der 60/60 Italo-Schwabe mit ähnlicher Leichtigkeit mit seinem Publikum auf wie mit Details, die er aus dem täglichen Leben greift und auch seine Themen scheinen viele im Publikum sehr gut zu kennen.

Wie etwa der Familienausflug mit begrenztem Budget, der nach Italien geplant ist, aber bereits beim ersten Halt auf Drängen der Kinder in der Raststätte „Heidiland“ in der Schweiz endet, weil sich das begrenzte Budget dort bereits erschöpft hat.

Er erzählt aus seinem Leben und von seiner Geburtsstadt Rottweil, der Stadt mit der höchsten Aussichtsplattform: „Thyssen-Krupp hot do en Turm baut, bei dem werrat sie als Projektil verwendet. Aber oba, da werratse dann belohnt, do isch die högschte Aussichtsplattform Deitschlands.“ Gleichzeitig die Stadt, die bald die längste Hängebrücke der Welt haben wird: 2018 sei in Rottweil der Spatenstich für eine 650 Meter lange und in der Breite für eine Person geplante Hängebrücke geplant. „Wenn se do a alte Frau im Rollator vor sich habe und am nägschta Tag koin Brückatag …“

Natürlich kommt auch die Beziehungskiste nicht zu kurz und so erzählt der gelernte Zahntechniker und Vater von drei Kindern vom Ausflug zur Insel Lipari (Sizilien), als seine Frau vorschlug, mit einem romantischen Abendessen wieder etwas Schwung in die Beziehung zu bringen.

Er mochte die Idee und freute sich schon auf Spaghetti mit Meeresfrüchten und ein Glas guten Weißwein, als seine Frau versuchte, ihn zu Pizza und Barolo zu überreden, weil es den Wein nur in der Flasche gebe und eine halbe Pizza ihr reichen würde.

Als sich ein unvermeidlicher Konflikt anbahnt und seine Frau mit allen Mitteln versucht, ihn zu ihrem Wunsch zu überreden und zuletzt die Aussicht auf Kuscheln im Hotel nach dem Essen in Aussicht stellt, endet die Szene mit Pizza und Barolo.

Sein Fazit: „Kuschlatse scho morgens, dann kennatse Obads essa was se wella.“

Neben dem Kampf zwischen seiner Frau um einen Thermomix (sie) und eine Drohne (er), Hitzewallungen und Menopause, der fragwürdigen Abi-Zeitung seiner Tochter und einer „Raindance-Dusche“ im Bad von Freunden, war ein Höhepunkt sicher seine Geschichte von seinem Weihnachtsauftritt in einer katholischen Kirche.

Nachdem er im katholischen Gemeindehaus einen Kabarettabend gab und es ein riesen Erfolg wurde, fragte ihn der Pfarrer, ob er nicht auch an Weihnachten einen Auftritt in seiner Kirche geben könnte, etwa mit einer Weihnachtsgeschichte.

Kabarettist – Weihnachtsgeschichte. Er überlegte und sagte unter der Bedingung zu, die Geschichte selbst zu schreiben. Der Pfarrer wollte sie aber vorher lesen, was er wiederum ablehnte, schließlich sagte der Pfarrer dennoch zu.

Obwohl seine Weihnachtsgeschichte, die er sogar von der Empore erzählen sollte, von einer „Patchworkfamilie mit einem unehelichen Kind handelte“, in einem „befristeten Wohnsitz“, weil es „zu mehr nicht gereicht hat“, und wie es in modernen Mehrfamilienhäusern üblich sei, „den Stall mit Ochs und Esel teilen mussten“ und – oh Wunder! – einen „befristeten Krippenplatz“ für das kleine (Jesus-)Kind erhielten, war auch dies von Erfolg gekrönt und bescherte dem Auftraggeber ein volles Haus.

Genauso, wie im Memminger Kaminwerk, das Heinrich del Core nicht nur bis zum letzten Platz füllte, sondern auch von seinem Publikum mit einem enthusiastischen Applaus verabschiedet wurde.

Am 28. und 29.11.2017 wird die Show „Ganz arg wichtig“ des mehrfach preisgekrönte Kabarettist und Comedian Heinrich del Core übrigens vom SWR und Hörfunk (SWR1) in Tuttlingen aufgezeichnet.

Auf weiteres darf man gespannt sein.

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