Blasmusik zum Abheben

8. November 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Musik ist bekanntlich Geschmackssache und nicht jeder ist Fan von Blasmusik, doch wenn sie gut gespielt und mit Leidenschaft vorgetragen wird, dann kann man sich der Freude, ihr zuzuhören nicht erwehren. So war das große Gemeinschaftskonzert der Musikkapelle Memmingerberg zusammen mit den Egger Musikanten ein wahrer Ohrenschmaus für die Zuhörer in einem vollen Saal in der Festhalle in Memmingerberg am vergangenen Wochenende.

Was haben die beiden Musikkapellen gemeinsam? Blasmusik auf hohem Niveau ist eines, darüber hinaus vereint die beiden Kapellen der Dirigent Rainer Wörz.

Seine Idee war es auch, ein gemeinsames Konzert beider Musikapellen auf die Beine zu stellen, denn „Musik verbindet die Menschen“, wie Immanuel Kant von den beiden Vorständen Michael Haug (Memmingerberg) und Peter Dirr (Egg an der Günz) bei der Begrüßung der Gäste und Ehrengäste zitiert wurde.

Das Faible des Dirigenten Rainer Wörz für Brassband-Sound war auch verantwortlich für die erlesene und anspruchsvolle Musikwahl, die bei den drei Liedern der Egger Musikanten mit „Kings of Brass“ (Darrol Barry) und sehr vollem Klang eingeleitet wurde.

Beim zweiten Stück „Fnugg Blue“ (Oystein Baadsvik) übergab Rainer Wörz seinen Dirigentenstab an Monika Schulz, denn der Dirigent, der auch Tuba spielt, wollte den Zuhörern einmal demonstrieren, welchen Facettenreichtum an Klängen so eine Tuba hervorbringen kann:

Voll und melodisch war sicher niemandem neu, aber dass eine Tuba gurren kann wie eine Taube, sich fast wie ein Didgeridoo anhören kann, oder Klänge hervorbringt, die sich anhören, als erzähle das Instrument Geschichten und forme Worte, oder auch perkussionsartige Laute entwickeln kann, rief sicher bei vielen Zuhörern Erstaunen hervor.

Mit „B wie Böhmisch“ (Michael Kuhn) schlossen die Egger Musikanten ihren Part mit klassischer Blasmusik ab, bevor die Musikkapelle Memmingerberg ebenfalls drei Lieder vortrug und sich beide Kapellen im Anschluss die Bühne teilten. Dass es sich dabei um eine böhmisch-mährische Polka handelte, erfuhren wir von Ann-Katrin Hahn und Nina Wallter, die das Egger Programm moderierten.

Sehr stimmungsvoll begann die Musikkapelle Memmingerberg ihren Alleinauftritt mit „Vitae Lux“ (Frode Alnaes), einem Stück, das sehr getragen mit weinigen Bläsern beginnt und sich dann wie ein Lauffeuer allmählich auf das ganze Orchester ausweitet, bis es ebenso getragen wieder ausklingt.

Die Soloparts des Stückes, das eigentlich für Brassbands komponiert wurde, übernahmen Michael Haug an der Trompete und Willi Wassermann am Saxophon. Dass das in der Umsetzung gerade für die 1. Klarinette, die 1. Trompete und Flöte besonders im Mittelteil gar nicht so einfach war, erfahren wir von Michaela Wassermann und Philipp Hampp, die durch das Berger Programm führten.

„Grandfather´s Clock“ (George Doughty & Peter Schaad) bereicherten die Solisten Nathalie Hofmann an der Piccoloflöte und Peter Stetter am Tenorhorn.

Den Abschluss machten die Memmingerberger Musiker mit „By Loch and Mountain“ (Robert W. Smith), das gefühlvoll beginnt und seine Leichtigkeit auch beibehält, wenn es im mittleren Teil an Tempo gewinnt. Man fühlt sich an einen Flusslauf bei Sonnenschein erinnert, den Gruppen verschiedener Tiere quirlig durchqueren.

70 Musiker heben gemeinsam ab

Nach dem Umbau wurde es eng auf der Bühne, denn rund 70 ambitionierte Musiker der beiden Kapellen teilten sich nun den Bühnenraum.

Mit „Spirit: Stallion of the Cimarron“, dem wilden Mustang aus dem gleichnamigen Zeichentrickfilm legten die beiden Musikkapellen los und trugen ihre Zuhörer für die Länge eines Liedes in den Wilden Westen auf dem Rücken eines feurigen Mustangs.

„Born4Horn“ (Fritz Neuböck), das zweite Stück auf dem Gemeinschaftsprogramm, entstand anlässlich des LIVA Brassfestivals in Linz (2014) und rückt das Waldhorn in den Fokus. Getragen wurde das Stück von fünf Solisten am Horn, nämlich Anna Pfalzer, Julia Schöllhorn, Aileen Zinsler, Alois Staiger und Peter Wesselak.

Aus „Herr der Ringe“ stammte der nächste Titel: der 5. Satz aus der Symphonie Nr. 1 „The Lord oft he Rings“. Wer kennt sie nicht, die eindrucksvolle Filmmusik, die ebenso gute wie böse Mächte ahnen lässt – dem Inhalt des verfilmten Klassikers der Fantasie-Literatur von Tolkien.

Bei „Fluch der Karibik“ waren nochmal alle Musiker äußerst gefordert, denn das intensive Stück mit vielen Tempi-Wechseln ist alles andere als ein einfaches Stück. Doch auch hier überzeugten die leidenschaftlichen Musiker durch präzise Einsätze und mal flüsternden, mal kraftvollen Klang.

Dass das Stück alle Register fordert, führte offenbar bei den Proben zu Missverständnissen, erfahren wir von den beiden Moderatoren, denn alle dachten, sie müssten nun besonders laut spielen. Doch auch die Klarinetten mussten sich gegenüber dem Klang der Trompeten durchsetzen, und so hieß es, bei aller Leidenschaft auch ein Ohr für die anderen zu haben.

Nachdem ihnen das hervorragend gelang, ließen die zahlreichen Gäste die Musiker unter Dirigent Rainer Wörz erst nach zwei weiteren Zugaben gehen, zuerst mit einem fröhlichen „Lemontree“ und zum Abschluss einer „Gute Nacht-Polka“.

Fotos:
aus eigener Quelle.

Mehr Fotos vom Konzert auf unserer Facebookseite.

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