2. Band vorgestellt von „Memminger Frauen – Biographien. Geschichten. Bilder.“

9. November 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Am vergangenen Dienstag hatte die Frauengeschichtswerkstatt Memmingen e.V. zur Buchvorstellung des zweiten Bandes von „Memminger Frauen – Biographien. Geschichten. Bilder.“ in die Memminger Rathaushalle eingeladen.

In 51 bebilderten Kapiteln beschrieben die Mitglieder der Frauengeschichtswerkstatt Memmingen und weitere Autorinnen in diesem neuen Band das Leben von 51 Memminger Frauen aus Vergangenheit und Gegenwart, das sie zuvor erforscht hatten.

(as/ch) Allen Frauen gemeinsam ist der Bezug zu Memmingen. Sie sind entweder hier geboren, verbrachten/verbringen ihr Leben hier, sind zugezogen oder wurden von hier verjagt. Einige wurden für ihre Verdienste ausgezeichnet, andere waren verfolgt, wurden vergessen und mussten erst wiederentdeckt werden.

Dabei ging es immer auch um das Umfeld, die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse der Epoche, in der diese Zeitzeuginnen lebten bzw. leben.

Manche konnten noch selbst über ihr Leben berichten, bei einigen ließen Nachkommen an ihren Erinnerungen teilhaben. Nicht selten liegen den Buchtexten umfangreiche Recherchen in Archiven und privaten Nachlässen zugrunde.

Mit zahlreichen farbigen Bildern ausgestattet ist der zweite Band „Memminger Frauen“ mit großer Begeisterung und ausschließlich von ehrenamtlichen Schreiberinnen verfasst worden.

„Einige dieser starken Frauen waren auch für mich Vorbilder“

Durch die Lesung einiger ausgewählter Porträts machte die Memminger Schauspielerin Anke Siefken bei der Buchvorstellung Lust auf das neue Buch.

„Ich sehe nicht ein, warum wir uns immer um die Männer oder gar um ihre Schlachten kümmern sollen. Die Geschichte der Frauen ist meist viel interessanter“, schrieb Theodor Fontane 1891 in seinem Vorwort zu „Unwiederbringlich“. Bürgermeisterin Margareta Böckh stellte dieses Zitat ihrem Grußwort voran, als nun im Rathaus der zweite Band „Memminger Frauen“ der Frauengeschichtswerkstatt Memmingen vor über 250 Gästen vorgestellt wurde.

„Einige dieser starken Frauen waren auch für mich Vorbilder“, bekannte Margareta Böckh in ihrem leidenschaftlichen Plädoyer für die Würdigung weiblicher Leistungen vor dem Hintergrund der „von mächtigen Männern dominierten Geschichte Memmingens“. Die FGW habe den Grundstein dafür gelegt, „dass Frauen endlich den Stellenwert erhalten, den sie verdienen“.

Lesung von Anke Siefken vor 250 interessierten Gästen

Das mit Spannung erwartete Buch, in dem auch Gastautorinnen zu Wort kommen, sei die Fortsetzung des ersten, 2012 erschienenen Bandes über Memminger Frauen, erklärte die erste Vorsitzende der 1994 gegründeten FGW Ursula Hinske-Gengnagel in ihrer Begrüßung der zahlreichen Gäste, für die der Sitzungssaal allein nicht mehr ausreichte.

Anhand der acht Biografien, welche die Memminger Schauspielerin Anke Siefken dem aufmerksam lauschenden Publikum vortrug, wurde die Vielfalt der 51 geschilderten Frauenschicksale deutlich.

Nicht wenige waren von Vertreibung, Krieg und Verfolgung geprägt. Wie das von Sigrid Bauer, Sekretärin dreier Memminger Oberbürgermeister, die schließlich zur ersten Frauenbeauftragten der Stadt wurde.

Oder Edith Plotzitzka, deren Tochter Iris in Memmingen mehrfach Sportlerin des Jahres war und 1988 an der Olympiade teilnahm.

Die heute 92-jährige Strickmeisterin Charlotte Guschewski erlebte und erlitt als Tochter eines jüdischen Unternehmers die Nazizeit.

Regional und international bekannte Namen

Auch das der 2012 im Alter von nur 55 Jahren verstorbenen Künstlerin Bettina Demmel, die viele Kinder und Jugendliche in ihrer Memminger Atelierkunstschule unterrichtete, gehörte zu den berührenden Schicksalen, die Anke Siefken vortrug.

Ein bekannter Name in Memmingen ist auch OstR Hildegard („Fräulein“) Amberger: Die Musiklehrerin begründete am Vöhlin Gymnasium Schulchor und -orchester.

Zwei Frauen, die internationale Aufmerksamkeit erhielten, wurden in der Lesung ebenfalls gewürdigt: die Modedesignerin Gabriele Strehle, Designerin und Kreativdirektorin beim Modehaus „Strenesse“, die 1951 in Hawangen geboren wurde und die deutsch-litauische Schlagersängerin Lena Valaitis.

Die Sängerin besuchte in Memmingen die Volksschule, nachdem sie mit ihrer Mutter gegen Ende des Zweiten Weltkriegs aus der durch Luftangriffe zerstörten ostpreußischen Stadt Memel floh.

„Ob es so oder so oder anders kommt…“

Mit diesem von Anke Siefken vorgetragenen Valaitis-Hit, in den das Publikum mit einstimmte, fand die Veranstaltung einen passenden Abschluss. Musikalisch trefflich umrahmt mit eigenwilligen Interpretationen bekannter Volkslieder wurde die Buchvorstellung von Annette Weber auf dem Akkordeon.

Das im Holzheu Verlag erschienene Buch „Memminger Frauen“ ist ab sofort in allen Memminger Buchhandlungen erhältlich.

Jüngere Mitarbeiterinnen für die Frauen Geschichtswerkstatt gesucht!

Die Frauen Geschichtswerkstatt sucht jüngere Mitarbeiterinnen!

Wer Interesse hat, wende sich an:

Ursula Hinske-Gengnagel, E-Mail: hinske-memmingen@t-online.de, Telefon 08331 494447.

Weitere Infos über die FGW gibt es auch unter www.frauengeschichtswerkstatt.de.

 

 

Fotos:
Titelbild: Buchcover von „Memminger Frauen – Biographien. Geschichten. Bilder. Band 2“

Bild 1: Sigrid Baur, erste Memminger Frauenbeauftragte und Vorgängerin von Claudia Fuchs (Mitorganisatorin der Buchpräsentation), schenkte den Zeitzeuginnen im Publikum oder deren Nachkommen die ersten Ausgaben des frisch erschienenen Bandes.

Bild 2: Vorsitzende der FGW Ursula Hinske-Gengnagel mit Oberbürgermeister Manfred Schilder und Bürgermeisterin Margareta Böckh.

Bild 3: Rund 250 interessierte Gäste lauschten der Lesung der Memminger Schauspielerin Anke Siefken, die aus einigen der Biographien aus dem neu erschienenen Band „Memminger Frauen“ vorlas.

Bild 4: Passend begleitet wurde Anke Siefken von Annette Weber auf dem Akkordeon.

Fotos: A. Sonnleitner.

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