Für gute Gesundheit in unserer Region

13. November 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Die Memminger Gesundheitstage, die im jährlichen Wechsel mit den Naturheiltagen abgehalten werden, standen in diesem Jahr unter dem Motto „Gesundheit in unserer Region“. Bei rund 70 Ausstellern und in rund 30 Vorträgen nahmen rund 8.000 Besucher eine Menge neue Erkenntnisse rund um das Thema Gesundheit mit von der Prävention bis zur Therapie in greifbarer Nähe.

„Wenn man sich mit Menschen unterhält, hört man viele Wünsche, das Thema Gesundheit steht dabei aber immer an oberster Stelle“, verdeutlichte Oberbürgermeister Manfred Schilder die Wichtigkeit des Themas Gesundheit bei seiner Begrüßungsansprache in der Memminger Stadthalle.

Antworten darauf zu geben, was man konkret für die Gesundheit tun könne, dazu leisteten die Memminger Gesundheitstage einen großen Beitrag, betonte der OB und wünschte den Besuchern wertvolle Erkenntnisse bei der Veranstaltung, zu der die Stadt Memmingen, das Klinikum Memmingen und die AOK Direktion Memmingen-Unterallgäu einlud.

Mit einer Rekordzahl von 70 Ausstellern, einem reichhaltigen Vortrags- und Rahmenprogramm boten die 16. Memminger Gesundheitstage viel Informatives in Sachen Erhaltung und Verbesserung der Gesundheit, sowie vielfältige Möglichkeiten der Diagnose und der Heilung in unserer Region an.

Ein Spaziergang durch die Höhlenlandschaft von Leber und Bauchspeicheldrüse

Das Klinikum Memmingen bot neben Ernährungsberatung, einer Vorstellung der täglichen Arbeit von Anästhesisten in einem nachgebauten Operationssaal und einer Diabetesberatung, Einblicke in die Funktionen von Leber- und Bauchspeicheldrüse in einem überdimensionalen Modell.

Wie ein Höhlenforscher konnte man so das Innenleben dieser wichtigen Organe einmal als äußerer Betrachter entdecken und zudem mehr erfahren über das Darm- und Pankreaszentrum am Klinikum Memmingen.

„Unter dem Motto `Gesundheit in unserer Region´ wollen Chefärzte und Oberärzte neueste Informationen zu zahlreichen Erkrankungen vermitteln und damit auch die hohe medizinische Leistungsfähigkeit unseres Klinikums zum Ausdruck bringen“, so Prof. Dr. med. A. Pfeiffer, Chefarzt der Med. Klinik II und Ärztlicher Direktor am Klinikum Memmingen.

„Wenngleich trotz aller Fortschritte der Medizin die Heilungsmöglichkeiten in etlichen Bereichen immer noch begrenzt sind, weiten sich die Möglichkeiten an Diagnostik und Therapie in Form immer schonenderer Eingriffsverfahren und einer immer effizienteren und individuelleren Pharmakotherapie aus“, klärte der Chefarzt auf.

Erhalt und Verbesserung der Gesundheit

Dem Thema Erhalt und der Verbesserung der Gesundheit hingegen widmete sich die AOK. Dem Motto dieser Gesundheitstage näherte sich die die AOK Direktion Memmingen-Unterallgäu unter den Aspekten „gesunde Ernährung“ mit regionalen, frischen Lebensmitteln, „gesundheitsbewusstes Leben“ durch eine Landschaft, die dazu einlädt, sich an der frischen Luft zu bewegen, sowie „Vorteile eines regionalen Netzes an ambulanter und stationärer Versorgung“.

„Regionale frische Lebensmittel für eine gesunde Ernährung. Ich möchte wissen, was ich esse und woher die Lebensmittel stammen“ – Immer mehr rücke dieses Kriterium in den Vordergrund von bewussten Verbrauchern, so Regina Merk-Bäuml, Direktorin der AOK Direktion Memmingen-Unterallgäu. „Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag für ihre eigene gesunde Ernährung und für unsere Region.“

Mit einem leckeren Chicoree-Salat mit Nüssen und Forellen aus Heimertingen sowie Brot vom Memminger Bäcker Blaschke konnten regionale, frische Schmankerl gleich einmal konkret am Stand der AOK gekostet werden.

An einem Vitaminrad konnten Besucher zudem ihre eigene Energie einsetzen, um Saft aus frischen Orangen zu pressen. In einer weiteren Ausstellung wurde aufgezeigt, wie viel Fett in unseren Lebensmitteln enthalten ist.

Weitere Aussteller

An den weiteren Ständen gab es bei insgesamt rund 70 Ausstellern ein Informationsangebot, das von Apps für intelligente Sicherheit und Lebensrettung, über Ergotherapie und Handrehabilitation, Homöopathie, Fitness und Ernährung, Frischekosmetik, gesunde Schuhe, gesunder Urlaub, Hygiene, Logopädie, Optik, Sanitäts- Rettungs- und Hilfsdienste, regionale Betreuungsstellen, Sportangebote, Seniorenbetreuung u.v.m. bis hin zur Zahnmedizin reichte.

Reichhaltiges Vortragsprogramm

Eingeleitet wurde das reichhaltige Vortragsprogramm mit einem Vortrag zum Thema „Multiresistente Keime“ von Dr. med. Christoph Pöhlmann, Chefarzt Hygiene und Mikrobiologie am Klinikum Memmingen.

„Können die Problemkeime auch mich betreffen und wieso nehmen sie überhaupt zu?“

Dies war der Untertitel des Vortrages, bei dem Dr. Christoph Pöhlmann gleich zu Beginn mit dem weit verbreiteten Begriff „Krankenhausbakterien“ aufräumte, der nicht nur unzutreffend sei, sondern vor allem zu dem Missverständnis führe, dass diese Keime in Krankenhäusern entstünden.

Tatsächlich handelt es sich bei den sog. multiresistenten Bakterien um Darmbakterien, die wir alle in uns tragen, so der Chefarzt. Zu multiresistenten Bakterien werden diese Darmbakterien nicht im Krankenhaus, sondern durch den „Selektionsdruck“, den die „Umwelt“, d.h. äußere Faktoren auf sie ausübe und sie zu evolutionärer Anpassung anspornen.

Gesunden Menschen können diese Bakterien nicht schaden, die Hauptbetroffenen sind hingegen die Schwachen: Babys, v.a. Frühchen, alte und sehr kranke Menschen. Und die befinden sich meist in Krankenhäusern, was der Grund sei, warum gerade Menschen in Krankenhäusern unter den multiresistenten Bakterien leiden.

Was verursacht multiresistente Keime?

Eine wesentliche Ursache für die Abnahme der Wirksamkeit von Antibiotika besteht darin, dass sie weltweit zu häufig und oft leichtfertig angewendet werden, wodurch resistente Bakterienstämme entstehen.

So ist der globale Verbrauch an Antibiotika allein in der Humanmedizin um fast 40 % zwischen 2000 und 2010 angestiegen. Aber auch in anderen Bereichen, wie z.B. in der Landwirtschaft und Tiermedizin werden Antibiotika z.T. großzügig eingesetzt und gelangen durch die Ausscheidungen auch ins Grundwasser.

Die weltweite Zunahme von Antibiotika-Resistenzen gehört nach Einschätzung der WHO zu den größten Gefahren für die menschliche Gesundheit und hat dramatische Konsequenzen für die Behandlung von Infektionskrankheiten.

Sollte die Resistenzentwicklung weiterhin ungehindert fortschreiten und wir Menschen unser Verhalten mit der Anwendung von Antibiotika nicht ändern, könnten im Jahr 2050 weltweit ca. 10 Mio. Menschen an Infektionen durch multiresistente Erreger versterben. Bei beeinträchtigtem Immunsystem könnten dann bereits kleine, banale Infektionen fatal sein.

Gibt es denn keine neuen Antibiotika?

Nicht nur nach Ansicht von Dr. Christoph Pöhlmann ist dies die falsche Frage. Denn bereits Louis Pasteur war sich sicher, dass „Bakterien immer das letzte Wort haben werden.“ Denn Bakterien vermögen es, sich innerhalb kürzester Zeit an veränderte Lebensumstände anzupassen.

Was die Neuentwicklung von Antibiotika in den letzten Jahren unterstreicht, denn diese wird zunehmend schwieriger und macht keine großen Fortschritte mehr, stellt der Chefarzt für Hygiene und Mikrobiologie am Klinikum Memmingen fest.

 

Wichtigste Lösungsansätze

Der sorgsame Umgang mit Antibiotika sei daher eine Frage der Nachhaltigkeit, zumal die Entwicklung neuer Antibiotika das Problem der Resistenzentwicklung nicht abschließend lösen wird, so Dr. Christoph Pöhlmann. Denn insbesondere bei unangepasstem Einsatz können früher oder später Resistenzen gegen jedes Antibiotikum auftreten.

Daneben gewinnen konsequentes Hygienemanagement in den Kliniken und Screening-Maßnahmen potentieller Träger multiresistenter Bakterien an Bedeutung.

Auch der Gesetzgeber hat in diesem Bereich reagiert und fordert durch das Infektionsschutzgesetz die Dokumentationspflicht, sowie Präventionsmaßnahmen, die v.a. Hygienevorschriften beinhalten.

Wie kann ich mich schützen?

Multiresistente Keime werden meist durch direkten Kontakt mit besiedelten oder erkrankten Personen oder indirekt über die Hände übertragen. Eine Übertragung auf gesunde Menschen ist jedoch sehr unwahrscheinlich.

Gefährdet sind wie erwähnt v.a. abwehrgeschwächte Menschen bzw. chronisch oder schwer kranke Patienten mit häufigen bzw. längeren Klinikaufenthalten.

Zum Schutz vor einer Übertragung ist die persönliche Hygiene, insbesondere Händedesinfektion vor und nach dem Patientenbesuch i.d.R. vollkommen ausreichend.

Weiteres Vortragsprogramm

In rund 30 weiteren Vorträgen wurden von qualifizierten Fachärzten von Themen wie Asthmaschulung im Kindes- und Jugendalter, Arzneimittel im Alter, das Dickdarmkarzinom, Gesunder Schlaf und Schlafstörungen, über Lasermedizin, Rehabilitations-Sport bis hin zu der „Verwöhnungsfalle“, den Wechseljahren oder Zahnimplantate über eine Vielzahl aktueller Gesundheitsthemen referiert.

Rahmenprogramm

Ein interaktives Rahmenprogramm mit Mitmach- und Schnupperangeboten von verschiedenen Sportschulen, Fitness-, Rücken-, Rehasport-, oder Yoga-Anbietern rundete das vielschichtige Gesundheitsprogramm ab und eine Modenschau des Kaufhauses des Diakonischen Werkes sensibilisierte unterhaltsam für das Thema Sozialpsychiatrie.

Fotos:
Bild 2: Oberbürgermeister Manfred Schilder bei einem Rundgang durch die Ausstellung zusammen mit Prof. Dr. med. A. Pfeiffer, Chefarzt der Med. Klinik II und Ärztlicher Direktor am Klinikum Memmingen (2. v. li.) und Regina Merk-Bäuml, Direktorin der AOK Direktion Memmingen-Unterallgäu (li. im Bild).
Bild 5: Dr. med. Christoph Pöhlmann, Chefarzt Hygiene und Mikrobiologie am Klinikum Memmingen bei seinem Vortrag über multiresistente Keime.
Bilder 1, 3 & 4: Die Stadt Memmingen, das Klinikum Memmingen und die AOK Direktion Memmingen-Unterallgäu lud zu den 16. Memminger Gesundheitstagen ein.

Fotos aus eigener Quelle.

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