Bahnausbau München – Lindau: Es geht los!

16. November 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Die Bauvorbereitung ist praktisch abgeschlossen • Spatenstich im Frühjahr 2018 • Informationskampagne zu komplexem Bahnausbau und Auswirkungen auf den Bahnverkehr ist in vollem Gange.

Nach aktuellem Stand sollen Ende März 2018 die Hauptbaumaßnahmen zur Elektrifizierung der Bahnstrecke München – Memmingen – Lindau beginnen. Geplant ist eine durchgehende Elektrifizierung und ein Ausbau für den Neigetechnikbetrieb. Zudem erneuert die DB mehrere Bahnhöfe und Bahnübergänge. Kostenpunkt: 440 Mio. Euro.

Eine Stunde weniger Fahrzeit zwischen München und Zürich

Erklärtes Ziel ist neben der Modernisierung v.a. die Anhebung der Streckengeschwindigkeit. Mit der Inbetriebnahme im Dezember 2020 soll die Fahrzeit zwischen München und Zürich um rund eine Stunde verkürzt werden. Im Fernverkehr sind dann sechs Verbindungen pro Tag und Richtung vorgesehen und auch im Regionalverkehr sind erhebliche Verbesserungen und Reisezeitverkürzungen geplant.

Planfeststellungsabschnitte

Für weitere fünf Planfeststellungsabschnitte (PFA) hat das Eisenbahnbundesamt nun das Baurecht erteilt, darunter Geltendorf – Kaufering, Buchloe – Türkheim, Stetten – Sontheim, Tannheim – Leutkirch und Bahnhof Kißlegg.

Den Erlass der Planfeststellung in den Abschnitten zwischen Türkheim und Stetten, zwischen Sontheim und Memmingen sowie zwischen Memmingen und der bayerisch – baden-württembergischen Landesgrenze hat das Eisenbahnbundesamt bis Jahresende 2017 in Aussicht gestellt.

„Wir freuen uns, dass die Baurechtsverfahren im Zeitplan liegen und dem für 2018 geplanten Ausbau von Geltendorf über Memmingen bis Leutkirch nichts mehr im Wege steht“, sagt Matthias Neumaier, Projektleiter für die Ausbaustrecke München – Lindau bei der DB Netz AG.

„Im Frühjahr 2018 möchten wir die Hauptbauphase mit einem feierlichen Spatenstich beginnen“, kündigt Neumaier an.

Einschränkungen für den Zugverkehr im Allgäu

Die komplexen Bauabläufe und somit auch die notwendigen Sperrungen mussten unter anderem mit den Baufirmen in aufwendiger Detailarbeit abgestimmt werden.

Mit den Bauarbeiten einhergehen auch Einschränkungen für den Zugverkehr im Allgäu.

Da im kommenden Jahr im Abschnitt zwischen Geltendorf und Leutkirch konzentriert gebaut werden soll, kommt es voraussichtlich von März bis September 2018 zwischen Buchloe und Leutkirch zu einer knapp 6-monatigen Streckensperrung und 6 kürzeren Maßnahmen entlang Gesamtstrecke.

In dieser Zeit werden die Fernzüge ohne Halt über Kempten umgeleitet, für die Regionalzüge wurde ein umfassendes Ersatzkonzept mit Bussen erarbeitet.  (Siehe dazu für die betroffenen Reisenden „Ersatzkonzept Nahverkehr 2018“ ganz unten).

„Wir werden die Reisenden auf so vielen Kanälen wie möglich über die anstehenden Einschränkungen im Zugverkehr informieren. Wir planen für die Phase, wenn die Strecke zwischen Buchloe und Leutkirch komplett gesperrt ist, mit Schnellbussen zwischen Buchloe und Memmingen, die nur in Mindelheim halten, und Ortsbussen, die alle Bahnhöfe anfahren“, sagt Bärbel Fuchs, zuständige Verkehrsvertragsmanagerin von DB Regio Bayern im Allgäu.

Wie die Bauabschnitte genau aussehen werden, wie das den Bahnverkehr innerhalb dieser Strecke beeinträchtigen wird, welche Ersatzsysteme für die Fahrgäste bereitstehen werden und mit welchen zusätzlichen Fahrzeiten die Fahrgäste über die entsprechenden Zeiträume rechnen müssen, all dies wurde neben den großen Vorteilen des Ausbaus dieses Bahnnetzes in einer Präsentation den lokalen Pressevertretern am vergangenen Montag vorgestellt.

Bahnausbau München – Lindau: Es geht los!

Schneller – leiser – besser – das soll die neue Bahnstrecke München – Memmingen – Lindau werden.

Über 20 Prozent der Projektkosten fließen in Maßnahmen zur Lärmvorsorge. Die Elektrifizierung wird mit innovativer Versorgungslösung gewährleistet und Neigetechnik erlaubt den bestandsnahen Ausbau.

Die Baumaßnahmen im Überblick

Vorabmaßnahmen zum Bahnausbau laufen

Schon länger laufen die Vorabmaßnahmen entlang der Strecke. Nach der Anpassung zahlreicher Bahnübergänge im Jahr 2016 konnten im September die Gleiserneuerungen zwischen Aichstetten und Marstetten-Aitrach sowie zwischen Mooshausen und Tannheim abgeschlossen werden.

Am Wochenende gingen die neuen elektronischen Stellwerke zwischen Stetten und Memmingen in Betrieb. Auch der Umbau des Leutkircher Bahnhofs geht planmäßig voran. Mehrere Bahnübergänge werden durch Eisenbahnüberführungen ersetzt, beispielsweise am Bahnhof Ungerhausen, im Bahnhof Sontheim sowie am Langenweg in Lindau.

Der gesamthafte Streckenausbau im Abschnitt zwischen Leutkirch und Lindau ist in den Jahren 2019 und 2020 vorgesehen.

Bauvorbereitung läuft auf Hochtouren

Die Projektfinanzierung ist abgesichert, die baubetriebliche Einordnung und Sperrungen 2018 wurden genehmigt und veröffentlicht. Ausschreibungs- und Vergabeverfahren für Oberleitungsanlagen, Bautechnik und Signalanlagen mit einem Volumen von rund 140 Mio. EUR wurden durchgeführt.

Die Kreuzungsvereinbarungen für die Anpassungen von Brücken und Bahnübergängen gemäß dem Eisenbahnkreuzungsgesetz wurden finalisiert und die CEF-Maßnahmen (CEF = Continuous Ecological Functionality-Measures) zur Herstellung von Ausweichlebensräume für bedrohte Tierarten mit einem Volumen von 4,1 Mio. Euro, die den Bauarbeiten vorlaufen, sind in der Umsetzung.

Projektergänzende Maßnahmen

Zusätzlich zum Großprojekt ABS 48 werden im Korridor München – Lindau in den Jahren 2014 bis 2020 weitere Investitionen in Höhe von über 300 Mio. Euro im Bestandsnetz durchgeführt. Das betrifft Brückenerneuerungen ebenso wie Gleis- und Weichenerneuerungen, die Modernisierung der Leit- und Sicherungstechnik und die Modernisierung und Neukonzeption des Bahnknotens Lindau.

2018 – Eintritt in die Hauptbauphase

Elektrifizierung mit innovativer Versorgungslösung

Die innovative Versorgungslösung sieht den Neubau eines Umrichterwerks in Leutkirch mit direkter Anbindung an das 50-Hz-Landesstromnetz vor sowie eine Erweiterung des Unterwerks Geltendorf und den Einsatz der Autotransformertechnik (ATS).

Fahrleitungskonstruktion

Der Bauumfang beinhaltet dafür 3.500 Oberleitungsmaste und 281 km Kettenwerk, die Führung der Energieleitungen an Traversen sowie Vogelschutzmarker an der Feederleitung in tierökologisch sensiblen Landschaftsräumen.

Anlagenbestand wird angepasst

Die Elektrifizierung erfordert die Anpassung zahlreicher Bestandsanlagen. So müssen 43 Straßenüberführungen mit Gleisabsenkungen, 120 Eisenbahnüberführungen, 17 Stellwerke neu gebaut oder angepasst werden.

Für die Gleisanlagen gilt es, für die Durcharbeitung Oberbau und den Nachbau von Randwegen zu sorgen. Zudem erfordern Anlagen der Telekommunikation, 50 Hz, Leit- und Sicherungstechnik Kabelerneuerungen mit entsprechendem Kabelführungssystem und Erdungen.

Neigetechnik erlaubt bestandsnahen Ausbau

Ohne wesentlichen Eingriff in die Gleisinfrastruktur lassen sich im bogenschnellen Betrieb Geschwindigkeitsanhebungen von ca. 30/40 km/h auf bis zu 160 km/h gegenüber dem Bestand realisieren.

Das erfordert zahlreiche Maßnahmen wie die Anpassung oder den Neubau von 36 Bahnübergängen, den Einbau von Balisen zur Geschwindigkeitsüberwachung, die Anpassung der Stellwerkstechnik und Signalanlagen, eine Nachrechnung Erdbauwerke und Brücken, sowie die Anpassung Oberbau und Überhöhungsänderungen.

Nebeneffekt: Der positive Nebeneffekt der Neigetechnik ist die Möglichkeit, die Geschwindigkeit für konventionelle Züge um bis zu 20 km/h auf nennenswerten Abschnitten anzuheben, die zu deutlichen Fahrzeitverkürzungen führen.

Lärmschutz hat hohe Priorität

Über 20 Prozent der Projektkosten fließen in Maßnahmen zur Lärmvorsorge in Form von aktiven und passiven Schallschutzmaßnahmen.

  • Aktive Schallschutzmaßnahmen: 25 km Schallschutzwände 2 – 4 Meter Höhe, 13 km besonders überwachtes Gleis (büG), 1,5 km Schienenschmiereinrichtungen in engen Gleisbögen zur Reduzierung der Kurvengeräusche.
  • Passiver Schallschutz: Schallschutzfenster und/oder Lüfter bei über 2700 Anspruchsberechtigten.

Bauschwerpunkte 2018

Bauschwerpunkte im nächsten jahr werden der Abschnitt Geltendorf – Memmingen und der Abschnitt Memmingen – Kißlegg sein.

Anwohnerschutz hat hohe Priorität

Immissionsschutz während der Bauausführung soll durch verschiedene Maßnahmen gewährleistet werden:

Für Bauverfahren und Baugeräte etwa sollen nur Ausschreibung erfolgen für Verfahren und Maschinen, die hinsichtlich Schall- und Erschütterungswirkung dem Stand der Technik entsprechen.

Ein unabhängiger, anerkannter Sachverständiger soll als Immissionsschutzbeauftragter für Lärm- und Erschütterungsfragen zur immissionstechnischen Überwachung sorgen und Ansprechpartner sein für betroffene Anlieger.

Zudem erfolgt der Bau überwiegend im Tageszeitraum. Laute Rammgründungen für Oberleitungsmaste und Schallschutzwände im Bereich der Siedlungsgebiete werden ausschließlich im Tageszeitraum stattfinden, was allerdings durchgehende Streckensperrungen erforderlich macht.

Auch laufende Baustellenkontrollen durch den Realisierungsmanager sowie durch die Projektleitung sind fest eingeplant.

Abschnittsweise Streckensprerrungen durch Baukonzept erforderlich

Info-Möglichkeiten in Sachen Baumaßnahmen:

  • Regionale Dialogforen (für Politik, Verbände, Wirtschaft, etc.)
  • BauInfoPortal: https://bauprojekte.deutschebahn.com/p/abs48
  • Streckenausbau-Projekthomepage: www.abs48.com
  • Anwohnerinformation vor jeweiliger Baumaßnahme über Postsendungen: alle Haushalte werden erreicht und die Zustellung ist lückenlos und garantiert.
  • Info-Büro Lindau: 1. und 3. Donnerstag/Monat von 15-19 Uhr.

Ersatzkonzept Nahverkehr 2018 mit Schnellbussen

2018 wird es voraussichtlich von März bis September eine knapp 6-monatige Sperrung zwischen Buchloe und Leutkirch und 6 kürzere Maßnahmen entlang der Gesamtstrecke geben.

Pro Tag betrifft das etwa 3200 Reisende (Fahrgäste Nahverkehr; Strecke Buchloe – Memmingen), dreiviertel davon im Freizeitverkehr.

Das Ersatzkonzept ermöglicht es, dass sich die Verlängerung der Reisezeit zwischen Buchloe und Memmingen in dieser Zeit mit etwa 17 Minuten in überschaubaren Grenzen hält. Vor allem mit dem Schnellbus, der Memmingen in ca. 55 Minuten erreichen wird. Der Bus mit allen Halten wird hingegen ca. 79 Minuten benötigen.

Ersatzbusse:

Wie Sie sich über die Fahrzeiten der Ersatzbusse und weitere Einzelheiten des Ersatzkonzeptes informieren können, finden Sie unten zusammengefasst unter „Info-Möglichkeiten für Reisende in Sachen Ersatzkonzept“.

Ersatzkonzept Fernverkehr 2018

Auch die internationalen Fernzüge München–Zürich sind 2018 von baubedingten Fahrplanänderungen betroffen.

Baufahrplan EC-Linie München–Zürich, geltend vom 24.3. bis 14.10.2018:

  • EC-Züge fahren von Buchloe bis Lindau nonstop über die Allgäubahn. Dabei wird es 15 bis 20 Min. Fahrzeitverlängerung geben und der Halt in Memmingen entfällt.
  • Fahrzeiten Lindau–Zürich bleiben unverändert. Lediglich wird es neue Anfahrtszeiten in München Hbf geben.
  • Zeitweise weitere Sperrung im Abschnitt Hergatz–Lindau: Tagsüber entfällt 1 Zugpaar München–Lindau.
  • EC 196/197 bleibt jederzeit unverändert mit Halt in Kempten.

Info-Möglichkeiten für Reisende in Sachen Ersatzkonzept:

  • DB-Reiseportal: www.bahn.de
  • Internetseite DB Regio Bayern: https://www.bahn.de/regional/view/regionen/bayern/ueb.shtml
  • Internetseite zu baubedingten Fahrplanänderungen: https://bauinfos.deutschebahn.com/.

Fotos:

Fotoquelle: Pressestelle Deutsche Bahn.

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