Energiebericht 2016 der Stadt Memmingen

18. November 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Der Energiebericht für die Stadt Memmingen für das vergangene Jahr hielt zwei Seiten bereit. Auf der einen Seite gab es signifikante Reduzierungen beim Energieverbrauch, andererseits stieg die Klimalast durch die Verwendung von „schmutzigem Strom“. Fazit: die Reduzierung des Gesamtenergieverbrauches allein reicht nicht, um unseren Auftrag für die Energiewende zu leisten, denn neben der Heizenergie muss vor allem der Strom aus erneuerbaren Quellen kommen, um auch die Klimalast zu verbessern.

Die guten Nachrichten

Von 1996 bis 2016 ist der Energieverbrauch für die städtischen Einrichtungen wie etwa öffentliche Gebäude, Verwaltungsgebäude, Schulen, Gruppenklärwerk, etc. um 40 % zurückgegangen.
Und das obwohl seitdem 20 % mehr an zu versorgenden Flächen dazugekommen sei, klärte Dr. Siegbert Merkle die Stadträte bei der vergangenen Plenumssitzung über die Ergebnisse des Energieberichtes 2016 auf.

 

 

Ebenfalls positiv bewertete der Energieexperte von Merkle & Partner, Umwelt- und Ressourcenmanagement (Bruchsal), auch den Rückgang der Treibhausgas-Emission (CO2), der im gleichen Zeitraum (1996 bis 2016) ebenfalls um 40 % zurückging.

Trotz gestiegener Leistungswerte konnte 2016 der Bezug von Fremdstrom von etwa 4 Millionen Kilowattstunden vermieden werden. Anteil daran hatten die Schulen mit 13 %, die Straßenbeleuchtung mit 15 %, den Mammutanteil daran hatte jedoch das Gruppenklärwerk Heimertingen mit 57 %.

Grund dafür sei die technische Aufrüstung des Gruppenklärwerks: Das BHKW (Blockheizkraftwerk) des Klärwerkes wird mit Faulgas gespeist, welches bei der Aufbereitung der Klärschlämme anfällt und im BHKW zu Strom umgewandelt wird. Damit konnte der städtische Stromverbrauch insgesamt deutlich gesenkt werden.

Der Heizenergieverbrauch stagniert gleichzeitig seit sechs Jahren. Nachdem die Stadt im Jahr 2000 für die Heizanlagen von 27 Gebäuden ein Contracting mit Siemens eingegangen ist, sank der Heizenergieverbrauch bis 2010 kontinuierlich und stagniert seither auf diesem Niveau.

Gleichzeitig zu einer Einsparung von 2.200.000 kWh Heizenergie jährlich seither, konnten dadurch jährlich 100.000 Euro eingespart werden.

Die vermiedenen Kosten bzw. Einsparungen summieren sich inzwischen seit 2000 auf insgesamt ca. 12 Mio Euro.

Auch die „atomare Last“, die entsteht, wenn Atomstrom verwendet wird, habe sich für die Stadt Memmingen durch die „Merkelsche Energiewende“ zwischen 2010 und 2016 halbiert.

LED-Lampen in städtischen Schulen trugen ebenfalls zur Reduzierung des Stromverbrauches bei. So konnte allein durch LED-Lampen in den Schulen der Stromverbrauch 2016 um 16.000 Euro reduziert werden, so Dr. Siegbert Merkle.

Zudem haben die neu gebauten Schulen (FOS/BOS und die beiden Realschulen) einen um 20 Prozent niedrigeren Gesamtenergieverbrauch (Heizenergie + Strom). Aber:

Die schlechte Nachricht

Die gleichen, neu gebauten Schulen sind in Sachen Klimagase um etwa 10 Prozent klimaschädlicher als die alten, sanierten Schulen – bei dem aktuell verwendeten Strom.

Grund dafür ist, dass die alten Schulen zwar sehr viel mehr Heizenergie benötigen, dafür jedoch im Vergleich wenig Strom. Die neuen Schulen hingegen brauchen weniger Heizenergie, dafür aber sehr viel mehr Strom. Und der verwendete ist leider kein „Öko-Strom“, erklärt der Energieexperte, sondern „schmutziger Strom“ v.a. aus Kohlekraftwerken.

 

Ausblick und Fazit

Mit dem Einsatz von Öko-Strom sehe das Bild völlig anders aus und die gleichen, neu gebauten Schulen würden deutlich klimafreundlicher werden als die alten, sanierten Schulen, verdeutlichte der Fachmann.

Bei Verwendung von Öko-Strom könnte die Klimalast im Jahr 2019 hochgerechnet nur noch ein Viertel (25 %) der Klimalast von 1996 betragen.

Und das, erklärte der Energieexperte weiter, bei einer sehr überschaubaren Investition der Stadt von 10-20.000 Euro!

Ein Betrag, der im Vergleich zu den Summen, die bereits eingespart wurden, verschwindend klein erscheint, jedoch ein großer Beitrag zur Verbesserung der Klimagase und eine „gute Nachricht für unsere Kinder“ bedeuten könnte, wie der Fachmann für Energie klarstellte.

Ohne sauberen Strom hingegen, wird die Klimalast in Memmingen, wie auch in ganz Deutschland zunehmen, betonte der Experte abschließend vor 36 anwesenden Stadträten.

Fragen und Stellungnahmen der Stadträte

Stadträtin Corinna Steiger (Grüne) erinnerte sich, dass bei ihrem ersten Antrag auf Öko-Strom, der Antrag wegen einem Betrag von 12.000 Euro abgelehnt wurde und kündigte an, vor diesen Hintergründen den Antrag auf Öko-Strom zu erneuern.

Auf die Frage von Stadtrat und Fraktionsvorsitzendem (CRB) Wolfgang Courage, wo der Energieexperte noch weitere Einsparungsmöglichkeiten sehe, antwortete Dr. Siegbert Merkle, der Bereich Heizenergie sei praktisch ausgereizt, beim Thema LED-Lampen sehe er hingegen noch Potential.

Stadtrat und Fraktionsvorsitzender (ÖDP) Prof. Dr. Dieter Buchberger regte an, bei den Bädern in Memmingen bei Sanierung oder Neubau verstärkt das Thema Energie zu beachten. Auch erinnerte er daran, dass aufgrund des Kohleabbaus 110.000 Menschen und 200 Dörfer in Deutschland wegen dem Kohleabbau umgesiedelt werden mussten. Er schlug vor, mehr Häuser in der Stadt mit PV auszustatten, um so mehr sauberen Strom zu produzieren. 2007 sei ein Klimabündnis unterschrieben worden, das vorash, die Klimalast um 50 % zu reduzieren, es sei höchste Zeit, diesen Auftrag umzusetzen. Daher wolle auch er einen Nachfolgeantrag stellen.

Stadtrat und Fraktionsvorsitzender (CSU) Stefan Gutermann betonte, die Präsentation habe ihn zum nachdenken angeregt und äußerte sich positiv über eine Diskussion zum Thema Öko-Strom. Auch er fragte nach weiterem Optimierungspotential, vor allem beim Gruppenklärwerk. Seine Frage wurde damit beantwortet, dass im Gruppenklärwerk zwei BHKWs im Einsatz sind, wovon eines neu und das zweite im Jahr 2019 ersetzt werden wird. Mit diesem zweiten neuen BHKW könne noch weiteres erreicht werden und auch bei den Bädern könne mit Sicherheit „etwas Schlaues“ gemacht werden.

Fotos:
Titelbild: Foto von einem Sonnenaufgang über Memmingen, geschickt von unsererem Leser Tobias.
Grafiken: Merkle & Partner, Umwelt- und Ressourcenmanagement (Bruchsal).
Fotos 1 & 2: Pixabay.

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