Die Memminger SPD engagiert sich in der Bäderfrage

20. November 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Sanierung oder Neubau? Wenn Neubau, dann kombiniert? Und wenn Neubau, wo wäre es am besten aufgehoben? – Diesen Fragen zum Thema Bäder in Memmingen widmete sich der Ortsverein der SPD bei einem Infostand am vergangenen Samstag. Dabei wurde über die geschätzten Kosten für Neubau oder Sanierung informiert und Vor- und Nachteile grob aufgelistet. Mit Hilfe von Aufklebern konnten die Bürgerinnen und Bürger der Stadt ihre Stimme dazu abgeben und ihre Wünsche dazu äußern.

„Wir wollten einfach einmal hören, was die Memmingerinnen und Memminger bezüglich der Bäder wollen. Deshalb haben wir die Fakten hier einmal zusammengetragen und wollen mit diesem Infostand ermöglichen, draußen vor Ort ins Gespräch zu kommen und die grundsätzliche Tendenz in der Bürgerschaft abzubilden,“ erklärte der Memminger SPD-Ortsvorsitzende David Yeow die Motivation des Infostandes bei meinem Besuch.

Durch Aufkleber an den entsprechenden Stellen konnten sich Besucher und Passanten zu ihren Idealvorstellungen für eine Lösung in der Bäderfrage äußern.

Neben grundsätzlichen Anliegen, die Besucher des Infostandes vorbrachten wie etwa weiterhin bezahlbare Eintrittspreise, eine baldige Lösung und der Wunsch nach einem 50 Meter Becken seitens einiger Vertreter von Sportvereinen, sowie weiteren Vorschlägen wie etwa ein angegliederter Wellnessbereich, zeichnete sich die Tendenz an diesem Spätvormittag bereits deutlich ab:

Eine eindeutige Mehrheit der Besucher gab seine Stimme ab für einen Neubau der Memminger Bäder und als Standort wählte der größte Teil der rund 100 Teilnehmer den jetzigen Standort des Freibades.

Was die einzelnen Möglichkeiten beinhalten, welche Kosten sie voraussichtlich verursachen und welche Vor- und Nachteile die jeweilige Lösung bereithalten würde, hatte der SPD Ortsverein Memmingen auf den Infotafeln zusammengefasst.

Was würde ein Neubau beinhalten?

Ein kombiniertes Hallen- und Freibad hatte der Stadtrat bereits 2007 beschlossen.

Nach dieser Planung würde das Ganzjahresbad einen Außenbereich mit 50 Meterbecken, Nichtschwimmerbereich, Planschbecken, Röhrenrutsche und Liegewiese vorsehen sowie ein Hallenbad mit Sauna und Gastronomiebereich.

Dazu fand 2008 ein Architektenwettbewerb statt und die Pläne liegen bereits vor.

Die Kosten dieser kombinierten Lösung inklusive Baukostensteigerung werden auf rund 30 Mio Euro geschätzt, dazu kämen noch die Kosten für die Mindestsanierung des Hallenbades, deren Höhe offenbar noch nicht abschließend geklärt ist.

Genannte Vorteile:

  • Steigerung der Attraktivität
  • Mehr Besucher und Mehreinnahmen
  • Geringere Unterhaltskosten pro Quadratmeter
  • Modernes Energiekonzept
  • Bademöglichkeit im Sommer auch bei schlechtem Wetter.

Genannte Nachteile:

  • Höhere Kosten
  • Mehr Mittelbindung für die Stadt
  • Eintrittspreise steigen durch finanziellen Aufwand.

Welches sind die Vor- und Nachteile einer Sanierung?

Bei einer Sanierung der bestehenden Bäder würde die Substanz erhalten, doch müssten sowohl Freibad als auch Hallenbad komplett saniert werden, um den Betrieb für die nächsten 20 Jahre zu sichern.

Aufgrund der räumlichen Vorgaben sind im Hallenbad jedoch Sauna oder gastronomische Möglichkeiten schwer vorstellbar.

Die Kosten für eine Komplettsanierung beider Bäder wird auf 15-20 Mio Euro geschätzt, ein genauerer Wert wird derzeit ermittelt.

Genannte Vorteile:

  • Geringere Kosten als Neubau
  • Weniger Mittelbindung für die Stadt.

Genannte Nachteile:

  • Keine zusätzliche Attraktivität
  • Fehlende Standards wie Sauna oder Rutsche
  • Nicht mehr Besucher und keine Mehreinnahmen
  • Weiterhin hohe Betriebskosten, die jährlich zurzeit ca. 880.000 Euro ausmachen.
  • Kein modernes Energiekonzept
  • Eintrittspreise steigen dennoch durch finanziellen Aufwand für die Sanierung
  • Keine Bademöglichkeit im Sommer oder in Übergangszeiten bei schlechtem Wetter.

Welche Standorte sind im Gespräch?

Drei mögliche Standorte werden dabei diskutiert:

Der jetzige Standort des Freibades im Memminger Osten würde beinhalten, dass die Pläne bereits fertig vorliegen, das Grundstück der Stadt gehört und die Anbindung bereits gefestigt ist.

Der Standort im Memminger Westen nahe Möbel Wassermann würde hingegen bedeuten, dass es noch keine Pläne dazu gibt, die Grundstücke nicht der Stadt gehören und die Planungsphase verlängert würde.

Auch für den Standort im Norden, Gemarkung Amendingen, liegen noch keine Pläne vor, was ebenfalls eine längere Planungsphase bedeuten würde und auch hier ist die Stadt nicht im Besitz des Grundstückes.

Wie man in den Fotos erkennen kann, wurden die meisten Stimmen für einen Neubau am jetzigen Standort des Freibades abgegeben.

Offene Fragen

Um nicht nur ein Stimmungsbarometer darzustellen, sondern um sich ein abschließendes Bild über die anzustrebende Lösung zu machen, wäre es jedoch interessant, bestimmte Faktoren in Relation zu setzen:

Etwa die Kosten der jeweiligen Lösung mit der Nutzungsdauer, wie auch die Bau- bzw. Sanierungskosten mit den möglichen energetischen Einsparungen durch ein modernes Energiekonzept bzw. den Mehrausgaben durch die Energieversorgung bei einer Sanierung, hochgerechnet wiederum auf die Nutzungsdauer. Denn erst diese Relationen geben Aufschluss über reale Kosten und Nachhaltigkeit, die sicher eine große Bedeutung haben wird für eine Planung, die 20 oder 30 Jahre vorausdenken will.

Vor dem Hintergrund, dass das Memminger Freibad laut Sportamt seit Mitte der 50er Jahre existiert und das Hallenbad seit 1968, gehen die Nutzungszeiträume aller Voraussicht nach weit über 20-30 Jahre hinaus und gerade die Energieversorgung wird langfristig ein zentrales Thema sein, sowohl was die Kosten angeht, als auch unseren Umweltauftrag.

Zudem könnte eine geschätzte Kalkulation, wie sich die jeweiligen Kosten konkret auf die Eintrittspreise niederschlagen, die Bürgerinnen und Bürger schon einmal vorbereiten bzw. vorinformieren. Eine Reaktion auf die Preisentwicklung wiederum könnte es ermöglichen, bereits Maßnahmen einzuplanen, wie etwa die Splittung der Eintrittspreise, etwa für Hallenbadbesucher, die nur schwimmen wollen, oder solche, die auch den Saunabereich mitbenutzen möchten, um so mehr Besuchern Attraktivität zu bieten.

So können wir also gespannt sein auf die nächste Stadtratssitzung über die Bäderfrage, ein Termin hierfür steht jedoch noch nicht fest.

Fotos:
Bild 1: Viele Besucher kamen mit dem veranstaltenden Memminger SPD-Ortsverein ins Gespräch, um sich über die Lösungen für die Memminger Bäder zu informieren.
Bild 2: Etwa 100 Besucher gaben am Infostand ihre Stimmen ab.
Bild 3 (v. li.): David Yeow (Ortsvorsitzender der SPD Memmingen), Petra Beer (Stadträtin und stellvertretende Vorsitzende der Schwaben-SPD), Matthias Ressler (Fraktionsvorsitzender der SPD und FDP im Memminger Stadtrat).
Fotos: Christine Hassler.

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