„It´s all about – LOVE!“

20. November 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Maceo Parkers Musik ist noch immer funky, groovy, mitreißend und schlichtweg – sehr sexy. Auch im Alter von nun 74 Jahren sorgte der Vollblut-Funk&Soul Master und Saxophonist Maceo Parker mit seiner Band für helle Begeisterung in einem vollen Saal des Memminger Kaminwerks, dessen Besucher nur über eines traurig waren: dass es keine Zugabe gab.

Aber das wurde dem eben nicht mehr jungen, doch noch immer leidenschaftlichen R&B Saxophonisten und Meister seiner Klasse verziehen nach einem unvergesslichen, zweieinhalbstündigen Konzert voller spritziger, funkiger Grooves und der Nachricht, die uns Maceo Parker immer und immer wieder mit auf den Weg gab: „It´s all about – LOVE!“

„Es geht um das Zusammensein, um Liebe, um Liebe, um Liebe…“ – er überlegte – „und um Rock N´ Roll und `some Funky Music´… und Jazz. Wir spielen zwar keinen Jazz heute, aber wir können!“ mit diesen Worten eröffnete ein lachender Maceo Parker mit seiner Band am vergangenen Donnerstag sein Konzert, bei dem es wohl niemandem gelang, stillzustehen.

Parkers warme, schwarze Stimme scheint einen direkten Weg in den Bauch der Zuhörer zu finden und in seinen Songs moduliert er sie Mal sanft wie eine Brise, Mal knackig, schnalzend und rhythmisch wie ein Perkussionsinstrument – noch immer punktgenau.

Auch wenn er spricht, werden seine Worte vom Rhythmus getragen und seine unaufgeregten Bewegungen reflektieren den Beat. Rhythm & Blues, Funk, Soul, Jazz scheint als ein einmaliges Gemisch in seinen Venen zu fließen und die Wärme, die von ihm ausgeht ist ansteckend.

Seine wahre Meisterschaft entfaltet er auf seinem überwiegend perkussiv gespielten Saxophon, bei dem jeder Ton sitzt, auch wenn er quiekt, schreit, oder gurrt und vor allem bei dem, was er und seine Mitmusiker am liebsten und ebenso oft tun: Improvisieren auf weltklasse-Niveau.

Seine Mitmusiker an diesem Abend waren ein unvergesslicher Greg Boyer an der Posaune, der ebenso routinierte wie experimentierfreudige Bassist Rodney Curtis, Will Boulware, der an den Keyboards den Ton angab, der virtuose Vollblut-E-Gitarrist Bruno Speight, an den knackigen Drums Peter MacLean, der seine volle Größe vor allem in einem Schlagzeugsolo demonstrierte und Maceo Parkers Cousine Darliene Parker, die meist als Backgroundsängerin agiert.

Mit einer Interpretation von „Stand by me“ hob sie das Publikum jedoch mit einem Gesangssolo geradezu aus den Schuhen.

„98 % Funky Stuff“ ist der Titel seiner aktuellen Tour und gleichzeitig der Titel der Autobiografie, die Maceo Parker 2013 veröffentlichte. Die verbleibenden 2 % des Programmes widmete der charismatische Saxophonist, der auch eine äußerst gefühlvolle Querflöte spielt, sanften Songs wie „Moonlight in Vermont“, um sie im nächsten Moment etwa mit „Pass The Peas“ mit einem Schnalzen funkig zu durchbrechen.

Um mich herum: Dutzend Mal ausgesprochene „Wows“, Kopfschütteln und ein Dauerlächeln auf geschätzten 1000 Gesichtern, die den Dialekten nach zu urteilen von weit über das Allgäu hinaus zu diesem Konzert angereist waren.

Maceo Parker hat nun seit mehr als vierzig Jahren im Soul und Funk unüberhörbare Spuren hinterlassen. Er spielte mit weiteren Größen wie James Brown, George Clinton, Bootsy Collins und veredelte auch die Musik von Prince mit saftigem Sound und sexy Phrasen wie etwa die bahnbrechende Ersteinspielung von „I Feel Good“, um nur einen kleinen Ausschnitt seines reichen Wirkens zu nennen.

Seine Songs waren bei diesem Konzert dementsprechend oft anderen Soul und Funkgrößen gewidmet wie „You don´t know me“, das er seinem großen Vorbild Ray Charles widmete, oder „Let´s get it on“, mit dem er sich vor Marvin Gaye verneigte. Auch ein unvergessliches „Make it Funky“ von James Brown durfte nicht fehlen, ebenso wenig wie George Clintons „Dr. Funkenstein“ oder „Papa´s got a brandnew bag“, „Shake everything you’ve got“ und viele weitere Funk- und Soul-Klassiker.

Ein Lied, wenn auch nur in ein paar Phrasen angespielt, widmete Meister Greg Boyer jedoch uns, als er mit seiner Posaune „99 Luftballons“ von Nena anspielte.

Wer Maceo Parker einmal live erlebt hat, für den wird der Abend unvergessen bleiben, ebenso unvergessen, wie seine Musik.

Fotos:
aus eigener Quelle.

Ein schönes Album vom Konzert findet ihr auf unserer Facebookseite.

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