Fürsprecher für verfolgte Christen: Der Patriarch der Syrisch-Orthodoxen Kirche besucht Memmingen

21. November 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Er ist das Kirchenoberhaupt einer der ältesten christlichen Kirchen: Moran Mor Ignatius Aphrem II. Karim, Patriarch der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien und dem ganzen Orient. Das erste Mal besuchte der Patriarch die verhältnismäßig kleine syrisch-orthodoxe Gemeinde in Memmingen und sensibilisierte auch im Rathaus für die dramatische Situation der christlichen Minderheiten in Syrien und dem Irak.

Der Besuch des Patriarchen sah zunächst einen Gottesdienst vor, bevor er im Rathaus empfangen wurde und im Anschluss daran vor syrisch-orthodoxen Christen aus der ganzen Region in einer Versammlung in der Stadthalle sprach.

In Deutschland leben ca. 100.000 Syrisch-Orthodoxe Christen. Die syrisch-orthodoxe Gemeinde in Memmingen zählt aktuell 522 Mitglieder, doch Gläubige aus der gesamten Region reisten nach Memmingen, „um zumindest einmal im Leben Seine Heiligkeit den Patriarchen persönlich zu treffen“, wie eine nette junge Frau aus Füssen in der Stadthalle erzählte.

In der restlos überfüllten katholischen Pfarrkirche St. Johann Baptist hielt das Kirchenoberhaupt einen Gottesdienst und trug sich beim Empfang im Rathaus ins Goldene Buch der Stadt ein.

Stadt der Ökumene

„Es ist uns eine große Ehre, Sie im Rathaus begrüßen zu dürfen“, hieß Oberbürgermeister Manfred Schilder den Patriarchen willkommen. Im Beisein von Dekan Ludwig Waldmüller, Bürgermeisterin Margareta Böckh und einigen Stadträten stellte der Oberbürgermeister dem Kirchenoberhaupt Memmingen als Stadt der Ökumene vor, in der zahlreiche christliche Konfessionen und Anhänger verschiedener Religionen in Frieden zusammenleben.

Als Gastgeschenk für den hohen Würdenträger überreichte OB Schilder dem Patriarchen eine DVD „mit dem Blick auf das Allgäu vom Himmel aus“, das mit einer Drohne gefilmt das Allgäu von oben zeigt.

„Gott beschütze die Bürger von Memmingen“

„Gott beschütze die Bürger von Memmingen“, schrieb Mor Ignatius Aphrem II. ins Goldene Buch der Stadt und bedankte sich für den warmen Empfang. Er freue sich, wieder in der Stadt Memmingen zu sein, die er vor etwa 25 Jahren als Mönch besucht hatte.

Damals sei Memmingen eine der kleinsten Gemeinden gewesen, die er besucht habe, doch habe er und seine Begleiter sich länger in Memmingen aufgehalten als ursprünglich geplant, nachdem die hiesige Bevölkerung sie sehr herzlich empfing und sie sich sehr wohlfühlten in Memmingen.

Der 52-jährige Patriarch sprach mit Wehmut aber auch mit Hoffnung über seine Gemeinde, die aus einer Gegend mit einer sehr alten Geschichte komme, jedoch keine Möglichkeit habe, dort zu bleiben.

„Seit fünf Jahren werden die Christen in Syrien und im Irak systematisch verfolgt und ermordet. Ich bitte Sie um Ihr Gebet und Ihre Hilfe“, setzte sich der hohe geistliche Würdenträger für die verfolgten Christen ein.

Die Verfolgungen und Ermordungen der christlichen Minderheit v.a. in Syrien und Irak würden auch weiterhin viele Christen zur Flucht zwingen. Er freue er sich ganz besonders für diese Menschen, wenn sie auf Gastfreundschaft stoßen und andernorts ein neues Zuhause finden.

Er dankte daher für die Hilfe in Deutschland für die christlichen Flüchtlinge. „Die deutsche Bevölkerung muss sich nicht vor den christlichen Flüchtlingen fürchten.“ Er fordere die christlichen Flüchtlinge zudem immer wieder auf, die Sprache zu lernen, wo auch immer sie Zuflucht finden, und sich vernünftig zu integrieren. Er empfahl auch, gleichzeitig ihre eigene Sprache und Kultur zu bewahren.

Die syrisch-orthodoxen Christen möchten in ihren Heimatländern bleiben, betonte der Patriarch, doch viele koste dies ihr Leben. Seine Reise habe auch das Ziel, aus erster Hand zu informieren: Seit fünf Jahren seien Terroristen aus mehreren Ländern nach Syrien gekommen, die das Land systematisch zerstören. Die Christen vor Ort haben sich gegen sie gestellt und werden nun systematisch verfolgt und umgebracht.

„Ich danke den deutschen Kirchen für ihre wertvolle Hilfe. Wir beten für Frieden in diesem Lande und der ganzen Welt.“

Ansprache in der Stadthalle

Die Hauptbotschaften des Patriarchen gegenüber seiner Gemeinde in der Memminger Stadthalle waren die Verbundenheit mit der Kirche, die Integration in dem Land in dem geflüchtete syrisch-orthodoxe Christen leben und die gleichzeitige Bereicherung ihrer alten Kultur in den Ländern, in denen sie eine neue Heimat gefunden haben.

Auch appellierte der Patriarch an die Gemeinde und den Klerus um gegenseitige Unterstützung: Klerus und Gemeinde sollen sich in der schwierigen Zeit, in der sich ihre Brüder und Schwestern im Nahen Osten befinden, gegenseitig unterstützen.

Allgemeine Infos

Mor Ignatius Aphrem II. wurde 2014 in sein Amt gewählt. Der Sitz des Patriarchen ist eigentlich Damaskus in Syrien, aufgrund der gefährlichen Lage im Land wurde der Sitz aber im Jahr 2012 vorübergehend nach Beirut/ Libanon verlegt.

Der Patriarch wirkte als Priester in Syrien und Großbritannien und war mehrere Jahre Erzbischof in den Vereinigten Staaten von Amerika. Als Patriarch besucht er viele Diözesen weltweit und sorgt sich um verfolgte Christen.

Im vergangenen Jahr wurde ein Anschlag auf ihn verübt, den er unverletzt überlebte. Drei Personenschützer verloren damals ihr Leben. Bei seinem Besuch in Memmingen waren zahlreiche Personenschützer im Einsatz.

Anlass des Besuchs in Memmingen war, dass der Patriarch sich am 17. und 18.11.2017 in München zur Gründung der ersten weltweit vernetzten aramäischen Ärztegesellschaft aufhielt.

Die syrisch-orthodoxe Gemeinde in Memmingen hat ein sehr enges Verhältnis zu ihrem Bischof, deshalb hat dieser für den Sonntagsgottesdienst am 19.November die Memminger Gemeinde empfohlen.

Fotos:

Bild 1: In der Pfarrkirche St. Johann Baptist feierte der Patriarch mit zahlreichen Bischöfen, Priestern und hunderten von Gläubigen einen festlichen Gottesdienst. Fotoquelle: Alexandra Wehr/ Pressestelle Stadt Memmingen.
Bild 2: Oberbürgermeister Manfred Schilder hieß den höchsten Würdenträger der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien und dem Orient im Rathaus willkommen.
Bild 3: Festlicher Eintrag ins Goldene Buch der Stadt im Rathaus (v. li.): Bischof Mor Philoxenos Saliba Özmen (Türkei), Bürgermeisterin Margareta Böckh, Bischof Mor Philoxenos Mattias Nayis (Deutschland), Patriarch Moran Mor Ignatius Aphrem II. Karim, Oberbürgermeister Manfred Schilder, Dekan Ludwig Waldmüller, Bischof Mor Julius Dr. Hanna Aydin (Deutschland), Ehrenbürger Josef Miller.
Bild 4 (und Titelebild): Patriarch Moran Mor Ignatius Aphrem II. Karim spricht in der Stadthalle mit seiner Gemeinde und zahlreichen Gläubigen der Syrisch-Orthodoxen Kirche aus der Region.

Fotoquelle: BIlder 2-4: aus eigener Quelle.

Ein kleines Album vom Besuch des Patriarchen auf unserer Facebookseite.

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