Shakespeare auf Müllerisch

22. November 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Als Kabarettist und Musiker Michl Müller die mit rund 800 Zuschauern fast vollbesetzte Stadthalle in Memmingen betrat, wurde er mit einem „stürmischen“ Applaus begrüßt. Dabei klärte der fränkische Kabarettist gleich einmal auf, was es mit seinem neuen Programm „Müller…nicht Shakespeare!“ auf sich hat: „Shakespeare? Das ist ` Romeo und Julia`. Shakespeare – das ist `Ein Sommernachtstraum´. Und Müller, das bin ich: Der Müllermichl!“

Memmingen (phh/chh). Sei es die italienische Fußball-Nationalmannschaft, die 2018 nicht an der Weltmeisterschaft in Russland teilnehmen darf oder die Sondierungsgespräche in Berlin – mit seinem fränkischen Humor zog Michl Müller das Publikum schnell in seinen Bann.

Und Angst vor Michl Müller brauchte an diesem Abend auch niemand zu haben, versicherte er. Obwohl es Künstler auf der Bühne sehr wohl merken, „wer im Saal die Eintrittskarte von Freunden oder der Familie geschenkt bekommen hat, obwohl Kabarett eigentlich nicht so deren Ding ist und sie deshalb heute auch auf keinen Fall lachen werden, oder wer sich andererseits schon monatelang auf diesen Abend freut“, so der fränkische Kabarettist, auch bekannt durch „Drei. Zwo. Eins. Michl Müller“ im Fernsehen auf ARD und dem BR.

Im gleichen Zug stand hier natürlich auch die wichtige Frage im Raum, ob man zu Kabarett eigentlich eine frische Unterhose anziehen sollte. Schließlich sei dies schon ein besonderer Abend und sollte unter keinen Umständen zu einem „Scheißtag“ werden.

Mit einem „Scheißtag“ beschrieb Müller auch seinen ersten Song an diesem Abend. Der Song, der „ursprünglich vom momentan wohl bekanntesten Musiker, einem britischen Singer-Songwriter mit roten Haaren, geschrieben wurde – die Rede ist von keinem anderen als Ed Sheeran – war auf Englisch leider zu schwer zu verstehen.“

Deshalb übersetzte Michl Müller den Song ins Deutsche, wodurch „Maschin kaputt“ entstand, einem Lied über diverse „Maschinen“ im Alltag, die nach und nach ihren Geist aufgeben.

Wie ein roter Faden zogen bekannte Zitate des großen englischen Dramatikers durch sein Programm, die Michl Müller im Original rezitierte und als gelernter Werkzeugmechaniker für „Hinz und Kunz“ pragmatisch in Müller´sche Umgangssprache übersetzte. Wie etwa „Gut gebrüllt Löwe“, was so viel heiße wie „Bassd scho.“

Shakespeare war Sachse!

Ein Höhepunkt seines Programmes war sicher Michl Müllers Dialog mit „Shakespeare“ bzw. einem hell leuchtenden Totenkopf. Einem sprechenden, leuchtenden Totenkopf, der jedoch nicht englisch, sondern sächsisch sprach.

Denn Michl Müllers Theorie ist: Es war alles ein Übertragungsfehler! Die Engländer meinten, er wäre Anglo-Saxon (Angelsachse) gewesen. Nachdem aber sein Geburtsort nicht dokumentiert wurde, nur der Ort seiner Taufe, könne er genauso gut in Sachsen (Deutschland) geboren worden sein. Vielleicht wuchs er dort mit seinem Bruder Heiko Shakespeare auf, der seine ganzen literarischen Werke verfasste und er selbst (William) sei lediglich für die Öffentlichkeitsarbeit, beziehungsweise „Public Relation“ verantwortlich gewesen, oder wer weiß, was noch so alles in seinen „verlorenen acht Jahren“ passierte…

Dann zog Michl Müller wieder das Tuch über den Totenschädel, denn schließlich hieß das Programm „Müller…nicht Shakespeare!“.

So widmete sich Michl Müller wieder aktuellen Themen wie etwa dem „Anbieterwechsel“. Überall seien heute Angebote über Anbieterwechsel – was aber, wenn sich ein Ehepaar gar nicht in Wirklichkeit trennt, sondern einfach nur den Anbieter wechselt?

In rasantem Tempo sprang der gebürtige Bad Kissinger von einem zum anderen Thema, sprach vom ersten muslimischen Feiertag in Deutschland „Allahheiligen“ und stellte die These auf, dass Luther vor 500 Jahren seine 95 Thesen an die Tür der Schloßkirche zu Wittenberg schlug und rief „Süßes sonst gibt’s Saures“, wodurch der heutige Brauch des „Heiligen Halloweenfestes“ entstand – ganz klar.

Ein weiterer Höhepunkt des Abends war sicher seine moderne Darstellung von „Romeo und Julia“. Die wohl bekannteste „Balkonszene“ wurde für die Allgemeinheit verständlich ins Müller´sche übersetzt.

Mit Medleys seiner Lieblingslieder wie „Ingwerreibe“, „Vollwärmeschutz der Liebe“, „Heringsdösle“ und seinen einzigartig schrägen Choreographien verabschiedete sich Michl Müller schließlich: „Mach ma Feierobadd!“

Textvorlage und Fotos: Philipp Hampp.

Ein kleines Album dazu auf unserer Facebookseite.

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