Energiewende im Zeitraffer in der Modellregion Unterallgäu

27. November 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Bei der Beiratssitzung geben die Verantwortlichen einen Zwischenstandsbericht: Die Energiewende kann funktionieren. Gemeinden im Landkreis Unterallgäu machen es vor: In Holzgünz wird viermal so viel Strom erzeugt, wie in der Gemeinde verbraucht wird. In Pleß wird 65 Prozent der Wärme aus erneuerbaren Energien gewonnen. Beide Gemeinden liegen in der Modellregion Energiewende Unterallgäu Nordwest.

Seit einem Jahr wird in diesem Teil des Unterallgäus eine beschleunigte Energiewende vorangetrieben. Kürzlich tagte der Projektbeirat im Landratsamt Unterallgäu. Landrat Hans-Joachim Weirather und Martin Sambale, Geschäftsführer des Energie- und Umweltzentrums Allgäu (Eza), informierten, was sich in der Modellregion im ersten Jahr getan hat und was noch geplant ist. Weirather betonte: „Wir haben die Energiewende in der Hand.“

Zur Modellregion gehören die Verwaltungsgemeinschaften Babenhausen, Boos, Memmingerberg, Erkheim, Pfaffenhausen und Kirchheim. Für das Projekt gibt es eine Förderung in Höhe von knapp 870.000 Euro aus dem Energie- und Umweltfonds. Ziel ist es, in dieser Region den Anteil erneuerbarer Energien am Strom- und Wärmeverbrauch innerhalb von fünf Jahren auf über 60 Prozent zu steigern.

Im vergangenen Jahr fanden laut Sambale 260 energetische Gebäudechecks in der Modellregion statt. Dazu kommt ein Energieberater zu den Hauseigentümern nach Hause und macht Vorschläge, mit welchen Maßnahmen Energie eingespart werden kann. Momentan laufen die Beratungen in der Verwaltungsgemeinschaft Kirchheim.

Des Weiteren nahmen Fachleute der Eza den energetischen Zustand von 47 kommunalen Liegenschaften unter die Lupe. Die Gemeinden in der Modellregion können sich rund um das Thema Energiewende beraten lassen. Zum Beispiel hat sich die Gemeinde Kirchhaslach über Photovoltaik-Anlagen informiert. Auf dem Dach des Bauhofes könnte eine solche Anlage den Strom für die benachbarte Kläranlage liefern.

Die Eza-Berater zeigten der Gemeinde Wege auf, wie Stromerzeugung und Stromverbrauch synchronisiert werden können. Für Kommunen werde auch einen Leitfaden erstellt für energieeffiziente Bebauungspläne, so Sambale.

„Das Unterallgäu ist ein Produktionsstandort. Deshalb spielen die Unternehmen im Unterallgäu eine tragende Rolle bei der Energiewende“, betonte Landrat Weirather. Im Energieeffizienz-Netzwerk können sich Betriebe zum Thema „Energie sparen“ austauschen, unter fachlicher Leitung der Eza-Experten. Acht Unternehmen beteiligen sich bereits. Weitere Interessenten können sich mit Eza in Verbindung setzen.

Norbert Schürmann, technischer Vorstand der Lechwerke, stellte Daten zum Strom vor. Die Lechwerke AG ist Partner der Modellregion. 50 Prozent des Stroms werden in der Modellregion mit Solaranlagen erzeugt, 30 Prozent mit Biomasse. Insgesamt wird 90 Prozent des Stroms regional erzeugt. Insbesondere beim Solarstrom passen laut Schürmann Verbrauch und Erzeugung nicht immer zusammen. Daher wollen die Lechwerke für Hauseigentümer virtuelle Stromspeicher anbieten.

Um die Sonnenkraft im Unterallgäu noch stärker zu nutzen, gibt es das Solarkataster. „Hier kann jeder Hausbesitzer im Landkreis und in der Stadt Memmingen berechnen lassen, ob sich seine Dachflächen für eine Photovoltaikanlage eignen“, erklärte Sambale.

Wichtig sei für die Modelregion auch die Optimierung von Biogasanlagen. Für die Betreiber gibt es nun neue Beratungsangebote in Zusammenarbeit mit dem Verein Renergie Allgäu.

Infos

Mehr darüber können Sie erfahren auf www.energiewende-unterallgaeu.de und unter www.unterallgau.de/klimaschutz.

Foto: Gemeinden, die in der Modellregion liegen, erhalten dieses Schild, das bei der Beiratssitzung (v. li.) Ulrich Haselbeck von den Lechwerken, Eza-Geschäftsführer Martin Sambale und Landrat Hans-Joachim Weirather präsentierten.
Foto: Eva Büchele/Landratsamt Unterallgäu.

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