Was ist den Bürgern wichtig bei der Entwicklung der Stadt Memmingen?

27. November 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Während es bei der letzten Bürgerbeteiligung beim ISEK 2030 im August dieses Jahres es darum ging, Anregungen der Bürger mit in den strategischen Planungsprozess miteinzubeziehen, welchem Analyse und deren Bewertung vorausging, ging es bei der Bürgerbeteiligung am vergangenen Freitag darum, als Bürger an der Priorisierung der herausgearbeiteten Rahmenplanung und den sich daraus ergebenden Maßnahmen mitzuwirken.

Die Fertigstellung des ISEK (Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept) 2030 durch die Lenkungsgruppe und den Bausenat sowie der Abschlussbericht soll bis März 2018 erfolgen, wonach der Stadtrat sich der Maßnahmen annehmen und über die einzelnen Maßnahmen abstimmen wird, um die angestrebten Ziele umzusetzen, klärte Michael Wimmer der 03 Architekten, München, bei der Bürgerveranstaltung in einem prall gefüllten kleinen Saal der Stadthalle auf.

Dass die Umsetzung vor allem im Bereich Verkehr jedoch nicht unmittelbar erfolgen kann, sondern langfristige Vorbereitungen notwendig macht, darauf machten Matthias Rothdach und Uwe Weißfloch vom Stadtplanungsamt die teilnehmenden Bürgerinnen und Bürger bei der Bürgerbeteiligung aufmerksam.

Was beinhaltet das ISEK?

Michael Wimmer der 03 Architekten, München, gab zu Beginn einen Überblick darüber auf, um welche Handlungsräume es dabei im großen Ganzen geht, welche Handlungsfelder sich daraus ergeben und welche Maßnahmen in Einzelnen je Handlungsfeld vorgesehen sind.

Die Handlungsräume, die der ISEK 2030 abdecken soll, umfassen die Stadt selbst, deren Ortsteile und die Umgebung, in der die Stadt eingebunden ist. Schwerpunkte sind dabei im Einzelnen v.a. die Altstadt, das Projekt Soziale Stadt Ost, Steinheim, die Entwicklung des Gewerbegebietes Nord und Amendingen, das Schlachthofareal, das Gewerbegebiet Süd und die Landschaft, in die Memmingen eingebettet ist.

Die sich daraus ergebenden Handlungsfelder für die Stadtentwicklung beinhalten das Stadt- und Landschaftsbild, Wohnen und Lebensqualität, die Stärkung von Stadt-, Quartiers- und Ortsteilzentren, Erhalt und Aufwertung der Landschaft, sowie die Themen Freizeit und Verkehr. Dazu kommen Wirtschaft, Arbeit & Einzelhandel, Bildung, Betreuung, Kultur & Soziale Infrastruktur, als auch Energie, Klimaschutz & Ver- und Entsorgung, sowie die Förderung interkommunaler & regionaler Zusammenarbeit.

An entsprechenden Thementischen und Stellwänden konnten Bürgerinnen und Bürger Punkte vergeben, um so eine Priorisierung der im einzelnen aufgeführten Maßnahmen je Handlungsfeld aus ihrer Sicht zu gewichten. Auch von der Möglichkeit, persönliche Anmerkungen dazuzufügen machten sehr viele der teilnehmenden Bürger Gebrauch.

Inputs zu den Themen „Siedlung“ und „Wirtschaft, Arbeit & Einzelhandel“

Beim Thema Siedlung zeichne sich ab, dass der Erhalt und die Aufwertung der Altstadt und der Ortskerne sehr stark gewichtet wurden, führte uns Michael Wimmer durch die Ergebnisse aus diesen beiden Themenfeldern der Bürgerbeteiligung.

Auch solle sich die Stadt zuerst innen und erst dann nach außen entwickeln und somit flächenschonend vorgegangen werden, was sowohl die Förderung und Aktivierung vorhandenen Wohnraumes, als auch eine Nachverdichtung beinhalte. Das Thema Wohnraum bleibt eines der wichtigsten Themen innerhalb dieses Bereiches.

Als wichtiger Punkt wurde auch das Thema Energie und ökologische Nutzung von Energie gewertet: „Gemeinschaftlich optimierte Energieerzeugung“ und „Energiemanagement und Klimaschutzkonzept stetig weiterführen“ standen hier an oberster Stelle.

Beim Thema Wirtschaft, Arbeit & Einzelhandel wurde die Stärkung der Einzelhandelsfunktion als wichtiger Faktor betrachtet, wie auch nachhaltiges Gewerbeflächenmanagement. Das Bahnhofsviertel solle gestärkt werden und Treffpunkte für verschiedene Generationen geschaffen werden.

Auch wurde Handlungsbedarf angezeigt, was die Höhe der Mietpreise sowohl für das Gewerbe als auch für Wohnungen angeht, denn die wurden als zu hoch bewertet.

Höher qualifizierende Bildungszentren wurden gefordert, auch, um die Stadt für die jungen Menschen attraktiv zu halten, die Erwachsenenbildung solle verbessert werden und Schulen besser ausgerüstet.

Memmingen und seine Landschaft

Die Sicherung und Qualifizierung umgebender Landschaftsräume solle Antwort sein auf den Druck auf die umgebende Landschaft, stellte Wolf Auch der Landschaftsarchitekten Realgrün, München, die Stimmen von Teilnehmern im Bereich Landschaft vor.

Auch die Renaturierung der Memminger Ach werde immer wieder gefordert, wie auch eine verbesserte Vernetzung der Innenstadt mit dem Außenbereich, gerade für Fahrradfahrer.

Der Stadtweiher wurde hingegen sehr kontrovers diskutiert, zeige jedoch Entwicklungspotential auf.

Die umgebende Landschaft in Steinheim und Amendingen wird v.a. im Zusammenhang mit der Entwicklung des Industriegebietes Nord gesehen, kontrovers diskutiert wurde hingegen die östliche Bahntrasse bei Amendingen.

Modernisierte Freizeit-und Sportanlagen

In den meisten Bereichen zeigte sich bei der vorangegangenen Bürgerbeteiligung eine starke Übereinstimmung mit den Punkten, die die Planer als notwenige Maßnahmen betrachten. Jedoch sei das Planer-Team v.a. im Bereich Freizeit und Sport von den Bürgern auf Schwachstellen hingewiesen worden, die sie selbst so nicht wahrnehmen konnten „Die Memminger Bürger kennen ihre Stadt am besten“, daher sei auch die Bürgerbeteiligung so wertvoll.

So wurde gefordert, die Infrastruktur für Sport und Freizeit auszubauen und qualitativ zu verbessern. Viele Anlagen, wie auch bestehende Spielplätze müssten aufgefrischt und modernisiert werden, so die Stimmen aus der Bevölkerung, denn vor allem die neuen Anlagen wie etwa die Skateboardanlage, das Beach-Volley-Feld und der Kinderspielbereich im Stadtpark Neue Welt zeige deutlich, dass gerade die neuen Anlagen besonders gut angenommen werden.

Verkehr

Für Ulrich Noßwitz der Brenner Ingenieure Aalen, wie auch gut sichtbar für alle Teilnehmer gab es einen „Zettelboom“ beim Themenbereich Verkehr, wovon etwa 50 % das Thema ÖPNV betrafen.

So wurde die Regio S-Bahn gewünscht, Zubringerverkehre zwischen den Bahnhöfen angeregt und ein verbesserter, vereinheitlichter Busverkehr gefordert.

Auch die Fahrradinfrastruktur könne verbessert werden etwa mit schnellen, geschützten Routen und für die heute sehr teuren Fahrräder müssten mehr Abstellanlagen für Fahrräder geschaffen werden.

Bedenken über das Verkehrskonzept im Zuge der gewerblichen Entwicklung brachten mehrere Steinheimer Teilnehmer ein, die eine Umgehungsstraße um Steinheim nicht als Fernziel, sondern auch als schnelle Verbesserung für notwendig halten. Kleine Ortsteile dürften in den Überlegungen nicht vergessen werden.

Gefordert wurde auch ein Parkierungsleitsystem, um den Verkehr in der Memminger Altstadt zu verringern.

Kontrovers fielen die Kommentare hingegen über die Verkehrssituation in Amendingen aus, die weit weniger Verkehr zu tragen hat als etwa Steinheim. Auch wurden Bedenken angemeldet, zu stark in die Natur einzugreifen.

Als Thema in der Verkehrssicherheit wurde die Querung der Donaustraße genannt sowie der Schulweg Stadtweiherstraße / Hindenburgring.

Ausblick

Bei den anschließenden Fragen wurde von einem jungen Teilnehmer die Ansiedlung von IKEA als nicht nachhaltige Gewerbeflächennutzung kritisiert, nachdem die Nachhaltigkeit im Zusammenhang mit Gewerbeflächennutzung v.a. von der Zahl der Beschäftigten pro Hektar abhinge. Somit würde die IKEA-Ansiedlung den planerischen Zielen dieses ISEKs widersprechen. Nachdem das Thema jedoch „bereits beschlossen“ sei, mache es nicht mehr viel Sinn, das Thema wieder aufzurollen, wichtig sei jedoch, den Nachhaltigkeitsgedanken in Sachen Gewerbeflächennutzung zukünftig verstärkt anzustreben, so Michael Wimmer.

Auf die Frage, wie es nun weitergeht verdeutlichten Matthias Rothdach und Uwe Weißfloch vom Stadtplanungsamt, dass das ISEK 2030 als solches soll bis März 2018 fertiggestellt sein soll, es jedoch noch etwa eineinhalb Jahre dauern wird, bis die ersten Maßnahmen aus diesem Integrierten Stadtplanungskonzept umgesetzt würden.

Fotos:
Bild 1: (v. li.): Matthias Rothdach (Stadtplanungsamt), Michael Wimmer (03 Architekten, München), Wolf Auch (Landschaftsarchitekten Realgrün, München) und Ulrich Noßwitz (Brenner Ingenieure, Aalen).
Bilder 2-4: An Thementischen konnten Bürgerinnen und Bürger ihren Beitrag leisten zur Priorisierung von Handlungsfeldern und entsprechenden Maßnahmen am ISEK 2030 für die Stadt Memmingen.
Fotos aus eigener Quelle.

Die einzelnen Ergebnisse der Thementische mit Kommentaren und Bepunktung der Bürgerinnen und Bürger können Sie im Album auf unserer Facebookseite einsehen.

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