Außergewöhnliche Rockmusik auf dem größten Streichinstrument

28. November 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Den Kontrabass kennen die meisten von uns als das tiefste und größte Streichinstrument in Sinfonieorchestern und allenfalls in Jazz-Formationen. Dass der Einsatz dieses viersaitigen Instruments jedoch vielseitiger ist als das, bewiesen die „Bassmonsters“ eindrücklich bei ihrem berauschenden Konzert im Memminger Kreuzherrnsaal am vergangenen Freitag mit Arrangements von Songs von Deep Purple über Metallica bis Led Zeppelin.

Darf es auch Deep Purple sein? Oder vielleicht Metallica? Oder Led Zeppelin?

Bei einem Konzert, das Fans der Rockmusik ebenso genießen konnten wie Fans von klassischer Musik präsentierten „The Bassmonsters“ phantastisch arrangierte Rocksongs von Deep Purple über Guns N´ Roses, Michael Jackson, Metallica und Sting bis Led Zeppelin einem leider überschaubaren Publikum, das jedoch aus dem Staunen nicht mehr herauskam.

Auf vier Kontrabässen interpretierten die internationalen Spitzenbassisten Thomas Hille (Solobassist, Gärtnerplatz Theater München), Ricardo Tapadinhas und Lisa DeBoos (London Symphony Orchestra und LSO) neben dem Gründer der Bassmonsters, Claus Freudenstein, von letzterem speziell für den Kontrabass arrangierte Rockmusik.

Zweimal wurden die Bassmonsters sogar von Deep Purple ausgewählt, um als Vorgruppe von deren Konzerten zu spielen und aufgrund einer zufälligen Begegnung komponierte der berühmte Bassist und Komponist Simón García sogar einen Song speziell für sie mit dem Titel „Bassmonsters“, erzählte Claus Freudenstein zwischen zwei Songs.

So wurde der Abend, der von der städtischen Sing- und Musikschule unter Schulleiter Otfried Richter organisiert wurde, gebührend eingeleitet mit „Highway Star“ von Deep Purple. Dass dies ein unvergesslicher Abend werden würde unter der Kuppel des Kreuzherrnsaales, unter der man meist vor allem klassischen Klängen lauscht, zeichnete sich bereits deutlich ab.

2009 spielten die Bassmonsters das erste Mal als Vorgruppe eines Deep Purple Konzertes, erfahren wir vom Arrangeur, Komponist und Bass-Dozenten mit mittlerweile internationalem Ruf Claus Freudenstein.

Damals war er Musiklehrer und als er eingeladen wurde, vor einem Deep Purple Konzert zu spielen, mobilisierte er dafür zusätzlich 9 Schüler, sodass eine Gruppe aus 10 Kontrabässen entstand, mit der sie Arrangements aus Klassikern der Rockmusik spielten. Aus diesem Erfolg heraus entstand die Formation „The Bassmonsters“.

Weiter ging der Abend mit ebenso lebhaften wie feinsinnigen Arrangements von „Parallel Universe“ von den Red Hot Chili Peppers und einem Medlay aus dem Album „Thriller“ von Michael Jackson, um mit „Nothing else matters“ von Metallica einen fast kontemplativen Kontrapunkt zu setzen.

Verstaubtes Instrument? Es geht auch anders!

Dabei erlebten die faszinierten Zuhörer den Kontrabass einmal völlig anders: Bekannt als das größte und zugleich tiefste Streichinstrument zauberten die vier Virtuosen Klänge aus ihren Instrumenten, die manchmal schon fast an eine Violine erinnerten.

Durch Zupfen wie beim „Pizzicatospiel“ oder anreißen der Saiten wie bei der „Slaptechnik“ entwickelte der Kontrabass zudem perkussive Klänge, während das Streichen mit dem Bogen (Arco-Spiel) Mal weich und melodisch eingesetzt wurde aber auch ebenso gewollt harte und kratzige Akzente setzte.

Mehrfach wurde ein Instrument auch einfach umgedreht, um den volumigen Korpus des Instrumentes als Perkussionsinstrument zu nutzen. Auch das Streichen der Saiten mit der Hand lockte interessante Klänge hervor und manchmal hatte man fast das Gefühl, das Instrument atmen zu hören.

Bei „Child in time“ von Deep Purple – einem der größten Rocksongs aller Zeiten – war es ein Kontrabass, der den charakteristischen, einsilbigen Gesangspart übernahm, der beim Original von einem sphärischen, melodischen und sanften Part am Ende in – immer noch melodisches, aber – extatisches Schreien übergeht.

Der Song war gleichzeitig Anlass für Claus Freudenstein, über ihr zweites Konzert vor Deep Purple zu erzählen, bei welchem sie in der „Royal Albert Hall“ in London auftraten.

Auch der stilübergreifende „Sting“ war für die vier Top-Bassmusiker eine prickelnde Herausforderung und ebenso prickelnd war ihre Interpretation von „La belle dame sans regrette“.

Bei „Sweet child of mine“ von Guns N´ Roses hörte man eines der vier Instrumente fast „singen“, und bei „Criminal“ von Michael Jackson wurden die Klänge wieder perkussiv und geprägt durch stakkatoartige Einsätze der eingespielten Musiker dieser außergewöhnlichen Bassband.

Und ja, auch „Born to be wild“ von Steppenwolf geht nicht nur auf Kontrabässen, sondern hörte sich in ihrem Arrangement fantastisch an, ebenso wie „Hotel California“ der Eagles.

Einen würdigen Abschluss machten die vier Musiker, die Lust darauf wecken, Instrumente einmal ganz anders kennenzulernen, mit „With or without you“ von Sting.

Was am Ende die Qualität dieser außergewöhnlichen Formation ausmacht, ist nicht nur die Leidenschaft zu ihrem Instrument, und nicht nur die verschiedenen interessanten Techniken, mit denen die Musiker sich ihrem Instrument nähern, und nicht nur die unglaublichen Klänge, die sie aus ihren Instrumenten locken, sondern auch die Qualität der Arrangements und das non-verbale Verständnis untereinander der vier Musiker, die aus all dem etwas einzigartiges geschaffen haben.

Interessantes über den Gründer der Bassmonsters, Claus Freudenstein

Dabei war der heutige Leiter der größten Kontrabassklasse Bayerns, Arrangeur, Komponist und Kontrabass-Dozent mit internationalem Ruf nicht von Beginn an Musiker. Nach seiner Schulzeit arbeitete er zuerst als Finanzberater beim Freistaat Bayern und begann erst mit 19 Jahren zunächst E-Bass zu spielen.

Er studierte schließlich E-Bass und begann erst mit 22 Jahren, seine Leidenschaft für den Kontrabass zu entdecken.

2013 war Claus Freudenstein zum zweiten Mal Dozent in der Mühldorfer Sommerakademie, zu der erstmals Schüler aus Russland kamen.

Außerdem leitete er eine Meisterklasse im Rahmen der CONTRABAJOS DE BAJA CALIFORNIA A.C. und spendete der Organisation einen Freudenstein Minibass, den er selbst entwickelt hat, um das Instrument auch jungen Schülern nahezubringen.

Als Dozent und Creative Artist wurde er zur ISB (International Society of Bassists) in Rochester / New York eingeladen.

Er ist Dozent beim „Bavarian Bass Camp“ in der Bayerischen Landesmusikakademie Alteglofsheim“ und an der Landesmusikakademie Berlin und wurde 2014 als Dozent und Musiker nach Hong Kong, Atlanta, und Lugano eingeladen.

Ebenfalls 2014 veranstaltete Claus Freudenstein die „1.Bayerischen Basstage“ und lud dazu als Dozenten und Solisten die international renommiertesten Künstler ein. Dafür wurde sogar eine spezielle „Bassisten-Weiße“ vom Mühldorfer Bräu „Unertl“ gebraut.

Claus Freudenstein ist auch als Arrangeur und Komponist für den Friedrich Hofmeister Verlag tätig,  verfasst Artikel für Fachzeitschriften und komponiert für seine Instrumente.

Musiker und Lehrer

Als Kontrabass- und E-Bass-Lehrer ist er an den Städtischen Musikschulen in Mühldorf am Inn, Eggenfelden und am Gymnasium in Mühldorf a. Inn angestellt und leitet die größte Kontrabass-Klasse Bayerns.

Im Rahmen seiner Lehrtätigkeit entwickelte er den sogenannten „Freudenstein-Minibass“ als das erste Instrument dieser Art, das auf den Markt kam und Kindern schon ab fünf Jahren ermöglicht, Kontrabass zu spielen.

Mehr Infos auf www.claus-freudenstein.de und auf www.minibass.com.

Fotos:
aus eigener Quelle.

Ein kleines Album zum Konzert gibt es auf unserer Facebookseite.

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