Aufwertung des Memminger Ostens – im nächsten Jahr geht es los

1. Dezember 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Nachdem die „Vorbereitenden Untersuchungen“ für das Projekt Soziale Stadt Ost abgeschlossen wurden, hat der Stadtrat im Oktober den daraus abgeleiteten Maßnahmenplan für den Memminger Osten beschlossen. Oberbürgermeister Manfred Schilder und Vertreter der Stadtverwaltung stellten nun interessierten Bürgerinnen und Bürgern am vergangenen Mittwoch in der Lindenschule die ersten anstehenden Maßnahmen, das künftige Quartiersmanagement und weitere aktuelle Entwicklungen im Quartier vor.

Der gesamte 58 Seiten lange Maßnahmenbericht, der vom Stadtrat beschlossenen Maßnahmen sowie der Maßnahmenplan (abrufbar auf der Homepage der Sozialen Stadt Ost) beinhaltet eine Reihe von einzelnen Maßnahmen, die im Vorfeld vom Planer-Team unter Einbeziehung vielfältiger Anregungen aus den Bürgerbeteiligungen erarbeitet wurden.

Die Schwerpunkte der geplanten Verbesserungsmaßnahmen für den Memminger Osten liegen in den Bereichen Sozialraum und Image, Entwicklung des Ziegeltörles, Anpassungen in der Augsburger Straße, Verbesserung im Bereich Baltensiedlung, Ausbau des Freiraumnetzes und der Knotenpunkte, Aufwertung von Spielflächen sowie dem Wohnumfeld, Verbesserungen im Bereich Unternehmer und Arbeitsplätze sowie dem Bereich Mobilität.

Dass alle Einzelmaßnahmen innerhalb dieser Schwerpunkte nicht von heute auf morgen, sondern schrittweise umgesetzt werden, erklärte Projektleiter Uwe Weißfloch vom Stadtplanungsamt den zahlreich erschienenen Interessierten an späterer Stelle, nachdem sich Unmut bei den Teilnehmern ausgebreitet hatte.

Oberbürgermeister Manfred Schilder dankte zuvor den vielen anwesenden Bürgerinnen und Bürgern, dass sie sich in dieses Projekt miteinbringen und motivierte sogar die Anwesenden, bei folgenden Bürgerveranstaltungen auch ihre Nachbarn und Bekannten aus dem Quartier zur Teilnahme anzuregen. Denn Ziel sei eine nachhaltige Aufwertung des östlichen Stadtteiles und der Erfolg der Maßnahmen werde sehr stark von der Einbringung der Bürgerinnen und Bürger mitgetragen.

Die Perspektive für 2018

Bestandteile der Perspektive für 2018 für den östlichen Stadtteil wird eine Fußwegverbindung am Marienrain als erster Teil des Projektes Fußwegverbindung Ost – West und die Einrichtung eines Quartiersmanagements sein. Zudem wurde die Bebauung in der Augsburger Straße, das Thema Anwohnerparken im Quartier und die Radwegeführung in der Augsburger Straße vorgestellt.

Das neue Quartiersmanagement

Soziologin Katrina Dibah-Lavorante, die bereits seit 2010 Quartiersmanagerin im Projekt Soziale Stadt West ist und daher einen großen Erfahrungsreichtum mitbringt aus den Erfolgen bei der Aufwertung im Westen, wurde ausgewählt, das Quartiersmanagement des Stadtteiles Ost zu übernehmen.

Ab Januar 2018 wird sie im neuen Büro des Quartiersmanagements am Baltenplatz 1 (hinter der Pizzeria) zu finden sein.

Ihre Aufgabe ist es, erste Ansprechperson der Bürger vor Ort zu sein und so die Brücke zwischen den Bürgern und der Stadtverwaltung zu bilden. In engem Kontakt mit den Stadtteilbewohnern wird sie unterstützend einwirken auf die Schaffung stabiler Sozialstrukturen und die Verbesserung der Lebensbedingungen vor Ort.

Es können mit ihr Aktionen geplant werden, sie wird die Bürger bei der Bildung von Arbeitskreisen unterstützen und die unterschiedlichen Interessensgruppen und Akteure untereinander vernetzen.

Auch wird sie mitwirken beim Aufbau von Kooperationen zwischen Institutionen, Initiativen, Unternehmen, Wohnungsbaugesellschaften u.ä. sowie an der Öffentlichkeitsarbeit und der Imageverbesserung des Stadtteiles mitwirken.

Dabei wird sie aktiv einwirken auf die Integration aller Bewohner des Stadtteiles und Aktivitäten initiieren für Senioren, für Frauen, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Menschen mit Migrationshintergrund, etc. etwa mit Leseclubs, Ferienprogramm für Kinder, Spielangebote, Seniorennachmittage, Einrichtung eines Treffpunktes u.v.m.

Ebenso möchte sie die bei den vorangegangenen Bürgerbeteiligungen genannten Wünsche und Anregungen der Bürger wie etwa einem Stadtteilfest, einem Weihnachtsstand, Musik-Veranstaltungen u.ä. aufgreifen und mit Hilfe von engagierten Bürgern realisieren.

Fußwegverbindung Ost – West – erster Teil des Projektes startet 2018

Die erste Maßnahme, deren Umsetzung bereits im nächsten Jahr erfolgen und am 6. Dezember im Stadtrat entschieden werden soll, wird – nach Beschluss –  eine sehr ansprechend gestaltete und barrierefreie Fußwegeverbindung am Marienrain sein (nähe Caritas), die als erster Teilabschnitt zu verstehen ist im insgesamt geplanten Ausbau der Fußwegverbindung zwischen Ost- und Weststadt und dabei langfristig auch eine Anbindung an den Bahnhof von östlicher Seite vorsieht.

Bei dieser neuen und barrierefreien Fußweggestaltung sind Parkbänke und begrünte Inseln vorgesehen sowie eine ansprechende Beleuchtung für die Abendstunden.

Nachdem zu Beginn der Veranstaltung ein nur kurzer Überblick über diesen ersten, für 2018 geplanten städtebaulichen Schritt, sowie das Quartiersmanagement und die (private) Bebauung an der Augsburger Straße und die Radwegeführung Augsburger Straße als Programmpunkte der Veranstaltung genannt wurden, hatte sich unter einigen Teilnehmern Unmut ausgebreitet über den Verbleib der vielen Maßnahmen, an denen die Bürger in mehreren Veranstaltungen engagiert mitgewirkt hatten.

„Keine der Anregungen, die engagierte Bürger beitrugen, gehen unter“, beruhigte der Leiter des Stadtplanungsamtes die Gemüter. Alle Maßnahmen, die im Oktober vom Stadtrat bewilligt wurden, seien auf der Homepage der Sozialen Stadt Ost in 58 Seiten einsehbar.

„Alle Maßnahmen müssen jährlich auch von der Regierung von Schwaben bewilligt werden“, erklärte Uwe Weißfloch die nötige Prozedur. Nachdem alle Maßnahmen innerhalb der Stadtteilentwicklung der Sozialen Stadt Ost anteilig von der Stadt Memmingen finanziert werden müssen und von der Regierung von Schwaben gefördert, d.h. mitfinanziert werden, müsse jeder angestrebte Schritt zudem in den Finanzplan der Stadt passen.

Dadurch werde verständlich, dass die Umsetzung aller angestrebten Aufwertungsprojekte in einem größeren Zeitrahmen gedacht werden müssen, erläuterte Uwe Weißfloch die Zusammenhänge. Möglicherweise können manche auch nicht oder erst sehr viel später verwirklicht werden, deshalb sei die Mitwirkung der Bürger und die Priorisierung der einzelnen Projekte so wichtig und das Feedback sowie Anregungen der Bürger auch weiterhin sehr wertvoll.

Dafür sei neben weiteren geplanten Bürgerveranstaltungen auch das Quartiersmanagement zukünftig ein konstanter Anlaufpunkt.

Bebauung Augsburger Straße – ehemaliger Pendlerparkplatz

Auch wenn dies kein städtisches, sondern ein privates Projekt der Siebendächer Baugesellschaft ist, war es dem Leiter des Stadtplanungsamtes Uwe Weißfloch ein Anliegen, das Projekt den anwesenden Teilnehmern vorzustellen und bezog dabei auch das Anwohnerparken im Quartier mit ein, nach dem Wegfall des Pendlerparkplatzes.

Auf dem ehemaligen Pendlerparkplatz werden 58 Wohneinheiten entstehen, die zu einem Drittel sozial gefördert, zu zwei Dritteln privat sein werden. Die geplante Anordnung, die an ein großes E erinnert, ist aufgeteilt in drei Gebäude, die ansprechend zu den Gleisen hin mit einem verbindenden, in die Struktur integrierten Lärmschutz ausgestattet sein werden.

Durch die Form entstehen Innenhöfe, bestehende Bäume werden erhalten und auch fürs Parken wird mit unterirdischer Tiefgarage sowie 23 Stellplätze an der Oberfläche gesorgt. Trotz angestrebter Verdichtung des urbanen Wohnraumes werden Abstandsflächen eingehalten.

Eine öffentliche Auslegung des Planes wird am 11.12.2017 bis 19.01.2018 erfolgen, bei welcher Stellungnahmen abgegeben werden können, die dem Stadtrat zur Erwägung vorgestellt werden.

Die öffentliche Auslegung kann in diesem Zeitraum auch online eingesehen werden auf www.memmingen.de/2861.html.

Die Frage eines Teilnehmers, ob die höhere Lärmbelästigung, die durch den vermehrten Zugverkehr im Zuge der Elektrifizierung der Bahnlinie entstehen wird, berücksichtigt wurde, wurde von Uwe Weißfloch bejaht: Der höhere Schienenverkehr wurde in der Planung bereits mitberücksichtigt.

Anwohnerparken im Quartier

Nachdem der Pendlerparkplatz mit der Bebauung nun wegfällt, hat sich die Stadt bei der Straßenverkehrsbehörde informiert. Die Verordnung besagt (StVO §45), dass „grundsätzlich an öffentlichen Straßen Gemeingebrauch gilt und die Anordnung von Bewohnerparkvorrechten nur dort zulässig ist, wo mangels privater Stellflächen und aufgrund eines erheblichen allgemeinen Parkdrucks die Bewohner eines Quartiers regelmäßig keine Möglichkeit haben, in ortsüblich fußläufig zumutbarer Entfernung von ihrer Wohnung einen Stellplatz zu finden“.

Aus Sicht des Straßenverkehrsamtes ist eine Ausweisung von Bewohnerparkvorrechten daher nicht möglich und Pendlern erlaubt, leere Parkmöglichkeiten entlang der Straßen zu nutzen.

Dennoch habe die Stadt das Problem wahrgenommen und daher das Ersatzangebot ausgearbeitet, das 85 Stellplätze im Parkhaus Bahnhofstraße zu einem vergünstigten Pendlertarif vorsieht (wir berichteten am 10. Nov. unter dem Titel „Änderung im Memminger Parkhausmanagement“) und sehr gut angenommen werde.

Radwegeführung Augsburger Straße

Um Klarheit in das sehr kontrovers diskutierte Thema Radweg in der Augsburger Straße zu bringen, führte „Fahrradbeauftragter“ Urs Keil vom Tiefbauamt durch die Ausgangslage 2016, die Veränderungen der Verkehrsbelastung seit 1974, die rechtlichen Grundlagen und den Lösungsansatz der Stadt.

2016 hatte die Augsburger Straße beidseitig getrennte Geh- und Radwege, die Radwege waren jeweils richtungsbezogen freigegeben. Wenn 1974 noch 10.400 Kraftfahrzeuge pro Tag durch die Augsburger Straße fuhren, waren es 2016 nur noch 3.200 Fahrzeuge, darunter nur 4% LKWs.

Unabhängig vom Projekt Soziale Stadt Ost gelte gesetzlich die Benutzungspflicht von getrenntem Geh- und Radweg. Nach dem Regelwerk „ERA 2010“ sei die geforderte Regelbreite für den Radweg von 2 Metern bei vorhandenen 0,9 – 1,80 Metern nicht ausreichend breit. Gleichzeitig sei die Mindestbreite des Gehweges – im Regelwerk mit 2,30 Metern gefordert – bei vorhandenen 1,50 – 2,60 Metern nur teilweise gegeben.

Das Problem sei vor allem der Konflikt, der sich dadurch ergibt, dass Radfahrer häufig in der falschen Fahrtrichtung fahren und Fußgänger wie auch Fahrräder nicht den für sie vorgesehenen Weg nutzen.

Der Kritik von Radfahrern, nicht auf der Straße fahren zu dürfen hielt er das grundsätzliche Fahrbahnnutzungsgebot entgegen. Gleichzeitig greife die Radwegbenutzungspflicht aufgrund fehlender Gefahrenlage für Radfahrer bei bestehendem Verkehrsaufkommen nicht.

Durch einen Schutzstreifen auf der Fahrbahn soll auf der einen Seite den Radfahrern signalisiert werden, dass sie die Fahrbahn benutzen dürfen, gleichzeitig führe es zu einer Senkung der KFZ-Geschwindigkeit in einem längeren Abschnitt der Augsburger Straße.

Zusatzzeichen „Radfahrer frei“ auf schmalen Teilabschnitten der Gehwege, die Radfahrer dazu anhalten, Schrittgeschwindigkeit zu fahren, sollen gleichzeitig zur Verbesserung der Fußgängersicherheit führen.

An schmalen Stellen können Radfahrer somit die Fahrbahn benutzen, wobei die Schutzstreifen mehr Sicherheit gewährleisten sollen, Radfahrer, die sich hingegen unsicher auf der Straße fühlen, können somit auf die Gehwege ausweichen. Beidseitige Rücksicht sei in jedem Falle empfohlen.

Die Verkehrsuntersuchung im März 2017 durch die Brenner-Ingenieure im Zusammenhang mit der Sozialen Stadt Ost empfehlen diese seitens der Stadt erarbeitete Lösung.

Dennoch kamen Einwände von anwesenden Bürgern: Die Ampelanlage in der Augsburger Straße, die ausgeschalten wurde, solle zumindest während der Zeiten, in denen Schüler zur oder von der Schule wegfahren, eingeschalten werden. Urs Keil erinnerte daran, dass die Abschaltung der Ampel nicht endgültig, sondern zunächst probeweise für 1 Jahr geplant ist und empfiehlt, diese Zeit abzuwarten.

Das Tempo der PKWs gerade in der Ellenbogenstraße sei zu hoch und auch aufgrund von nahegelegenem Kindergarten und Schule gefährlich, wandten weitere Teilnehmer ein.

Ausblick für 2019 – Waldfriedhofstraße, Schießstatt-Dreieck und Spielplatz Haienbach

Ebenfalls 2018 sind drei weitere Projekte in Planung, deren Umsetzung für 2019 angestrebt wird: Die Neugestaltung der Waldfriedhofstraße, die Umgestaltung der Grünfläche sowie der Straße am Schießstatt-Dreieck und die Neugestaltung des Spielplatzes Haienbach.

Geschichte und Identifikation

Stadtarchivar Christoph Engelhard führte abschließend durch die Ergebnisse des Geschichtsarbeitskreises, der mit über 10 regelmäßigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern bereits eine feste Größe geworden ist. Der Geschichtsarbeitskreis trage dazu bei, vorhandene, identitätsspendende historische Gebäude und Orte herauszuheben und zu schützen.

Darunter fallen u.a. die Firma Hausmann, die übriggebliebenen Gebäude der Bindfadenfabrik Rudolf Neunhoeffer, die beiden Kirchen Himmelfahrtskirche und Christus Kirche, der alte Friedhof, Denkmäler, der frühe soziale Wohnungsbau und Kunst am Bau der 50er und 60er Jahre.

Er lud alle Interessierte herzlich dazu ein, beim nächsten Geschichtsarbeitskreis am 16.01.2018 um 18 Uhr im neuen Stadtteilbüro am Baltenplatz 1 teilzunehmen und wies auch auf das erste allgemeine Treffen im Stadtteilbüro hin, welches am 18.01.2018 um 18 Uhr geplant ist.

Unterhaltsam aufgelockert wurde die Veranstaltung durch zwei schöne Einlagen von vier jungen Gitarristen der Sing- und Musikschule Memmingen.

Infos

Alle Informationen zum Projekt Soziale Stadt Ost finden Sie auf der Homepage unter https://sso.memmingen.de/3304.html.

Fotos:

Bild 1: Leiter des Stadtplanungsamtes Uwe Weißfloch (re.) stellt die neue Quartiersmanagerin für den Memminger Osten und Soziologin Katrina Dibah-Lavorante vor, die bereits seit 2010 Quartiersmanagerin im Projekt Soziale Stadt West ist und daher einen großen Erfahrungsreichtum mitbringt aus den Erfolgen bei der Aufwertung im Westen.

Bild 2: Die erste Maßnahme, deren Umsetzung bereits im nächsten Jahr erfolgen soll, wird – nach Beschluss –  eine sehr ansprechend gestaltete und barrierefreie Fußwegeverbindung am Marienrain sein, die als erster Teilabschnitt zu verstehen ist im insgesamt geplanten Ausbau der Fußwegverbindung zwischen Ost- und Weststadt.

Bild 3: Uwe Weißfloch stellte den anwesenden Teilnehmern den privaten Bebauungsplan der Siebendächer Baugesellschaft vor, der auf dem früheren Pendlerparkplatz verwirklicht werden soll..

Bild 4 (und Titelbild): Bei der Auftaktveranstaltung Soziale Stadt Ost am vergangenen Mittwoch wurden interessierten Bürgerinnen und Bürgern die anstehenden Maßnahmen und weitere Entwicklungspunkte des östlichen Stadtteiles vorgestellt.

Fotos aus eigener Quelle.

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