FAUN – eine musikalische Reise in die Welt der Mythen, Sagen und Märchen

5. Dezember 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Bereits beim letzten Wallensteinfest fügte sich FAUN musikalisch ganz fantastisch in die mittelalterlichen Spiele ein und schon damals kam der Gedanke auf, dass FAUN auch sehr schön ins weihnachtliche Memmingen passen würde. Das Memminger Kaminwerk setzte den Gedanken um und lud die Mittelalterrockband am vergangenen Sonntag zu einem ganz besonderen Weihnachtskonzert ein.

Dazu hatten die medievalen Multiinstrumentalisten aus München, deren Genre sie selbst als Medieval Music / celtic & nordic Folk / Paganfolk bezeichnen, ein vorwiegend besinnliches, zur Weihnachtszeit passendes Programm vorbereitet, das jedoch auch fröhliche Tänze bereithielt – zur Begeisterung der Zuhörer in einem prall gefüllten Kaminwerkssaal.

Auf Instrumenten, die heute nur noch schwer zu finden sind wie etwa die Saz, eine Langhalslaute, die Nyckelharpa, das Mandocello, die Drehleier oder Lauten bezauberten sie ein aufmerksam lauschendes Publikum mit erzählenden Liedern aus der englischen Romantik, reisten mit uns zu den Wikingern, zu den Kelten in die Bretagne oder nach Skandinavien inmitten einer Welt von Mythen, Sagen und Märchen.

Auch, wenn die Reise dabei durch dunkle Moore, vorbei an bösen Feen und Trollweibern ging, führte Sänger und Streichinstrument-Multitalent Oliver Tyr sehr unterhaltsam durch die Inhalte der zum Teil in keltisch oder in skandinavischen Sprachen gesungenen Weisen.

Er selbst brachte dabei über 25 Jahre musikalische Erfahrung und zahlreiche Fortbildungen an Saiten- und Streichinstrumenten mit und beherrscht Instrumente wie die Nyckelharpa, auch „Schlüsselfidel“ genannt, das Mandocello, die Celtic Harp, Irish bouzouki und verschiedene Lauten wie „Saz“ oder die „Tar“.

Begleitet wurde er von der charismatischen Sängerin Fiona Rüggeberg, die neben ihrem betörenden Spiel auf verschiedenen Flöten ebenfalls viele Instrumente beherrscht wie die Bagpipes, die Rebab, eine Fidelart, die Fujara, eine lange, senkrecht gehaltene Schnabelflöte, das Harmonium und mehr. Ihrer klassischen Ausbildung auf Klavier, Querflöte und Gitarre ließ sie später ein Studium der altorientalischen Musiktherapie folgen.

Seit 2017 wird Fiona Rüggeberg von einer zweiten Frauenstimme begleitet: Laura Fellla, die neben Gesang auch die Mandola und Perkussionsinstrumente spielt.

In der charismatischen Formation FAUN scheinen alle etwas von dem zu haben, was man sich unter „guten Waldgeistern“ vorstellt, was nicht nur ihre Gesichter und ihre Gewänder ausmachen, sondern auch ihre magische Ausstrahlung, was durch einfühlsames Licht auf der Bühne noch unterstrichen wurde.

Ausschließlich und für viele Arten von Perkussionsinstrumenten zuständig in der Formation ist Rüdiger Maul. Seit vielen Jahren Musiker und Percussionlehrer genoss er eine dreijährige Ausbildung in brasilianischer Percussion, in Cuban Percussion und absolvierte die Latin Percussion-School Munich und die Pentaton Percussion-School Wuppertal. Bei FAUN gibt er den Rhythmus an auf Darabouka, Davul, Bendir, Tamborello, Riq, Berimbao und vielen weiteren nie gehörten Perkussionsinstrumenten.

Und nicht zu vergessen auch Stephan Groth, der Mann an der Drehleier. „Hurdy-Gurdy“ heißt diese in Englisch und erst, als er ein Solo gab, nahm man einmal den reinen Klang und die klangliche Vielfalt dieses Instrumentes wahr. Doch auch er beherrscht viele Instrumente, die er nach einer schulischen Keyboard-/Klavier-Ausbildung in zahlreichen autodidaktischen Ausflügen in die Welt der akustischen und historischen Instrumente erlernte: Neben der Drehleier spielt er bei FAUN u.a. auch auf der Cister, einem Zupfinstrument und verschiedenen „Whistles“, diatonischen Flöten.

So ging die Reise vom dunklen Moor zu einem Erntedankfest der Kelten, über eine Brücke, die man nur tanzend überschreiten kann und nach Skandinavien, zu einer goldenen Kutsche, die von Wölfen gezogen das Abendrot über den Himmel ziehen.

Nach gesungenen Strophen aus der Siegfriedsage und schottischen Balladen lernten wir, was ein norwegischer Mann tun muss, um die Angebetete mit nach Hause nehmen zu dürfen, lauschten einem Mariengesang und einem traurigen Lied über einen Soldaten, der starb in einem Land, das er nicht kannte, kämpfend gegen Menschen, mit denen er nie sprach und ohne zu wissen, wofür er starb und für wen.

Die Formation FAUN bezaubert nicht nur mit ihrer Musik, die die Muti-Instrumentalisten aus ihren seltenen Instrumenten zaubern, sie strahlen auch sehr viel Freude an ihrer Musik aus und wissen tiefe Gefühle wie auch Lebensfreude zu vermitteln. Letzteres offenbarte sich an diesem Abend besonders bei verschiedenen Tänzen wie einem schwedischen Volkstanz, einem keltischen Tanz aus der Bretagne oder dem Roma-Lied „Ederlezi“, bei welchen die Fröhlichkeit der Musiker ansteckend wurde und es schwerfiel, im bestuhlten Saal still zu sitzen.

Nächstes Jahr feiert FAUN übrigens sein 1.500-jähriges Jubiläum – naja, nicht ganz, scherzte Oliver Tyr, eigentlich sind es 15 Jahre. Bei ihrer Jubiläumstour wird ihr Weg zwar nicht durch Memmingen führen, aber dennoch lud er alle Anwesenden ein, beim Jubiläumskonzert in München dabei zu sein.

Fotos:
aus eigener Quelle (Christine Hassler)

Ein schönes Album vom Konzert findet sich auf unserer Facebookseite.

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