Der Arbeitsmarkt im November

6. Dezember 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Im Allgäu erreichte die Arbeitslosenquote mit 2,5 Prozent den niedrigsten Novemberwert der letzten zehn Jahre – Arbeitsmarkt unter Saisoneinfluss durch Saisonpause im Tourismus – Die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen nimmt zu, darunter viele Fachkräfte

Im Herbst legt der Tourismus im Allgäu für einige Wochen eine Pause ein, ehe es vor dem Jahreswechsel wieder mehr Gäste gibt. Diese Phase machte sich auf dem Arbeitsmarkt leicht bemerkbar.

Auch wenn sich dadurch die Arbeitslosenquote im November gegenüber dem Vormonat um 0,2 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent leicht erhöhte, erreichte die Arbeitslosenquote im Allgäu mit 2,5 Prozent den niedrigsten Novemberwert der letzten zehn Jahre.

Insgesamt zeigte sich der Arbeitsmarkt weiter stabil. Vor einem Jahr lag die Arbeitslosenquote beim höheren Wert von 2,9 Prozent, seinerzeit waren gut 1.300 Kräfte mehr von Arbeitslosigkeit betroffen.

Ein Indiz für die Stabilität ist auch der Bedarf der Wirtschaft an Arbeitskräften, der mit knapp 7.500 Stellenangeboten weiterhin hoch ist.

„Im November nahm die Arbeitslosigkeit vorübergehend zu, auch weil in der Übergangsphase zwischen Herbst- und Wintersaison zahlreiche Menschen in Hotellerie und Gastronomie für wenige Wochen keine Beschäftigung haben. Die anhaltende Auslastung vieler heimischer Betrieben hält jedoch insgesamt den Bedarf an Arbeitskräften hoch. Das zeigt sich auch an der großen Zahl der gemeldeten Stellen“, sagt Horst Holas, stellvertretender Leiter der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen. „Damit haben auch Personengruppen, die es in der Vergangenheit schwerer hatten einen Arbeitsplatz zu bekommen, derzeit günstigere Rahmenbedingungen. Ein Beispiel sind Menschen mit Behinderung.“

Die gute Entwicklung des Arbeitsmarktes im laufenden Jahr wird im mehrjährigen Vergleich der Arbeitslosenquoten sichtbar.

Menschen mit Behinderung

Bereits seit mehreren Jahren nimmt die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen kontinuierlich zu. Während im Jahresdurchschnitt 2011 knapp 4.900 schwerbehinderte und gleichgestellte Menschen bei Arbeitgebern mit 20 und mehr Arbeitsplätzen beschäftigt waren, steigerte sich die Zahl auf 5.649 Kräfte im Durchschnitt des Jahres 2015.

Während im Januar 2016 noch mehr als 1.000 behinderte Frauen und Männer arbeitslos gemeldet waren, ging die Zahl im November dieses Jahres auf 855 Personen zurück.

Die meisten arbeitslos gemeldeten schwerbehinderten Menschen sind Fachkräfte

Unter diesen 855 Menschen befanden sich zuletzt knapp 550 Personen, die über einen Mittelschul- oder Realschulabschluss verfügten, mehr als 80 hatten sogar die Fachhochschul- bzw. Hochschulreife.

Die überwiegende Zahl der arbeitslos gemeldeten schwerbehinderten Menschen gilt als Fachkraft: Knapp 500 konnten eine betriebliche oder schulische Ausbildung vorweisen, 40 Kräfte hatten einen akademischen Abschluss zu bieten.

Förderangebote der Agentur für Arbeit

Um die Möglichkeiten zum Erhalt eines Arbeitsplatzes auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu verbessern, unterstützt die Agentur für Arbeit mit verschiedenen Förderangeboten.

So waren im Zeitraum September 2016 bis August 2017 durchschnittlich 60 Menschen mit Hilfe eines Eingliederungszuschusses in eine neue sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gestartet. Der überwiegende Teil von ihnen erhielt erweiterte Förderungsleistungen aufgrund individueller Besonderheiten. Daneben absolvierten 130 Frauen und Männer besondere Maßnahmen zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen, 23 Personen nahmen an einer beruflichen Weiterbildung teil.

Die Agentur für Arbeit setzt zur intensiven und individuellen Beratung und Vermittlung von arbeitslosen Menschen mit Behinderung ein eigenständiges Team von Spezialisten ein. Um eine Arbeitsaufnahme zu ermöglichen, werden bei Bedarf zusätzlich individuelle Lösungen mit Hilfe eines technischen Beraters erarbeitet (z.B. technische Hilfen für Gehörlose, Blinde; Spezialsoftware; auch behindertengerechte Umbauten am Arbeitsplatz und/oder Umrüstung von Fahrzeugen).

Anzeigeverfahren

Private und öffentliche Arbeitgeber, die im Jahresdurchschnitt monatlich wenigstens zwanzig Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beschäftigen, sind gesetzlich verpflichtet, fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze mit Schwerbehinderten zu besetzen. Sollte dies nicht der Fall ist, muss eine Ausgleichabgabe gezahlt werden. Deren Höhe richtet sich nach der Beschäftigungsquote. Im Allgäu haben Unternehmen die geforderte Quote nicht erreicht. Dasselbe gilt für alle Teilregionen im Bezirk der Agentur für Arbeit.

Schwerbehinderung und Gleichstellung

Eine Schwerbehinderung liegt vor bei einem Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50. Eine Gleichstellung ist möglich bei einem GdB von weniger als 50 aber mindestens 30 (§ 2 Abs.3 Sozialgesetzbuch IX). Der GdB wird im Schwerbehindertenausweis bescheinigt. Zuständig für die Feststellung sind die Versorgungsämter oder die nach dem Landesrecht bestimmten Behörden.

Arbeitslose Menschen insgesamt

Arbeitslos gemeldet: Rund 2.300 Menschen meldeten sich im November bei den Vermittlern, d.h. 840 mehr als noch im Oktober. Ein Teil des Zuwachses ergibt sich aus dem Ende der Herbstsaison in den Tourismusgebieten entlang der Berge und am Bodensee. So sprachen im südlichen Oberallgäu 210 Kräfte aus den Bereichen Hotellerie und Gastronomie neu bei den Vermittlern vor. In Lindau meldeten sich aus diesen Branchen über 100 Kräfte, im Wirtschaftsraum Füssen waren es 140 Personen.

Viele von ihnen können bereits nach wenigen Wochen mit dem Start der neuen Wintersaison ihre Arbeitslosigkeit beenden.

Bei den jüngeren Menschen hingegen waren im Vergleich zum Oktober 20 Menschen weniger arbeitslos gemeldet. Der Vergleich mit dem November des Vorjahres zeigt sogar einen Rückgang um knapp 90 Kräfte.

Beschäftigungsaufnahmen: Mehr als 1.150 Frauen und Männer nahmen eine neue Beschäftigung auf und beendeten dadurch ihre Arbeitslosigkeit, was zeigt, dass der Arbeitsmarkt insgesamt ständig in Bewegung ist.

Betriebe suchen Mitarbeiter

Neue Stellenangebote: Knapp 1.800 neue Stellenangebote erreichten die Vermittler im Arbeitgeberservice, ähnlich viele wie im Monat zuvor.

Stellenangebote insgesamt: knapp 7.500 Beschäftigungsmöglichkeiten insgesamt stellten Arbeitgeber im November zur Verfügung.

Schwerpunkt: Das produzierende Gewerbe.

  • Metallbearbeitung, Fahrzeugbau und Metallbau: gut 300 neue Beschäftigungsmöglichkeiten stellten Unternehmen zur Verfügung.
  • Energie- und Elektrotechnik: 90 zusätzliche Jobangebote kamen zur Besetzung herein.
  • Warentransport und -lagerung: gut 170 weitere Kraftfahrer und Lagerfachpersonal wurden von Betrieben des Logistiksektors gesucht.
  • Erziehung, Pflege und Arztpraxen: mehr als 120 neue Arbeitsstellen stellten Arbeitgeber zur Verfügung.

Regionale Entwicklungen im Jahresvergleich

Im Allgäu erreichte die Arbeitslosenquote mit 2,5 Prozent den niedrigsten Novemberwert der letzten zehn Jahre.

Diese günstige Entwicklung setzte sich auch in den einzelnen Wirtschaftsräumen fort. In allen Regionen ging die Arbeitslosenquote im Jahresvergleich zurück. Auch verzeichnete die Mehrzahl der Regionen bei der Arbeitslosenquote eine Zwei vor dem Komma.

Den niedrigsten Wert erreichte der Wirtschaftsraum Mindelheim. Hier stand bei der Arbeitslosenquote von 1,8 Prozent sogar eine Eins an der Spitze.

Es folgten die Regionen Memmingen und Marktoberdorf, die sich jeweils im Jahresvergleich auf genau zwei Prozent verbesserten.

Der Landkreis Lindau sowie der Wirtschaftsraum Kempten wiesen im Jahresvergleich ebenfalls ein günstigeres Ergebnis auf. Dasselbe galt für die Regionen Kaufbeuren mit einer Arbeitslosenquote von 2,9 Prozent sowie für das südliche Oberallgäu mit einem Ergebnis von 3,8 Prozent in der Region Sonthofen.

Unterschiede in Arbeitslosenversicherung und sozialer Grundsicherung

Seit Einführung der sozialen Grundsicherung („Hartz IV“) werden arbeitslose Menschen von der Agentur für Arbeit und in den Jobcentern betreut. Insbesondere wegen der erwähnten Arbeitslosmeldungen aus dem Tourismusgewerbe nahm die Zahl arbeitsloser Menschen bei den Dienststellen der Arbeitsagentur in den betroffenen Regionen im November stärker zu.

Arbeitsagentur: betreute aktuell 5.670 Kräfte, gut 800 mehr als im Oktober.

Jobcenter: für 3.735 arbeitslose Frauen und Männer waren im Bereich der sozialen Grundsicherung die sieben Jobcenter zuständig, weitgehend stabil im Vergleich zum Vormonat.

Ein erheblicher Teil der mit sozialer Grundsicherung unterstützten Menschen ist nicht arbeitslos. Diese Menschen betreuen kleine Kinder, pflegen Angehörige oder befinden sich in einer Ausbildung, insbesondere auch in einer sprachlichen Qualifizierung.

Ausblick

Aufgrund der Erfahrung der vergangenen Jahre ist davon auszugehen, dass die Arbeitslosigkeit in den nächsten Wochen vorübergehend aus saisonalen und jahreszeitlichen Gründen zunimmt. Dies gilt insbesondere für Tätigkeiten im Außenbereich, die bei tiefen Temperaturen für einige Wochen nur eingeschränkt möglich sind. Stabilisierend wirkt die weiter anhaltende hohe Nachfrage nach Arbeitskräften in der gesamten Region.

Darstellung nach Wirtschaftsräumen/Regionen

Darstellung nach kommunalen Strukturen

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