(Weihnachts-)märchen einmal anders bei der LATE NIGHT am Landestheater Schwaben

9. Dezember 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Wer bei der LATE NIGHT am Landestheater Schwaben gestern Abend unter dem Titel „Das Weihnachtsmärchen“ konventionelle Weihnachtsmärchen erwartet hatte, war schief gewickelt und hatte sicher den Zusatz im Titel „FSK 18“ überlesen: Vier Ensemblemitglieder wagten hier äußerst unterhaltsam einen wagemutigen, unerwarteten und improvisierten Ritt durch deutsches „Kulturgut“ mitsamt Glühwein, „Bingo“, und „Zwangsgeschenken“.

Wenn auch bei einer LATE NIGHT am Landestheater Schwaben Märchen mit „Es war einmal“ beginnen und mit „und wenn Sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“ aufhören, durfte man gespannt sein, was sich dabei dazwischen so alles aufrollen wird.

Der Vorspann, den Anke Fonferek verlas, gab bereits eine Vorahnung: „Wir möchten unseren Kindern gerne glauben machen, dass alle Menschen gut sind, doch `Die dunkle Seite des Menschen existiert!´. Deshalb muss es Märchen geben“, bereitete sie das Publikum vor. Feste Bestandteile von Märchen, wie wir später erfahren würden, sind deshalb in jedem Märchen ein böser Gegenspieler, ein weiser Mentor, Zauberei und die Moral von der Geschicht.

Wie im Format LATE NIGHT üblich, wurden die Zuschauer dabei aktiv miteinbezogen und gleich mit „Bingo“! in ein Spiel verwickelt: Aufmerksamkeit war hier gefragt, denn auf den Tischen lagen Zettel, die Worte und Zahlen beinhalteten. Wenn eines der Worte oder Zahlen im Verlauf des Abends fiel, galt es ein Kreuzchen zu machen und bei einer vollen Reihe laut „Bingo!“ zu rufen, woraufhin das Team ein Geschenk erhielt und sich zwischen Glühwein und Punsch entscheiden musste.

Zwischen verbalem Märchenraten durch das Vorlesen eines Satzes aus einem Märchen und Märchenraten durch Mimik, in dem das Frauenteam übrigens sehr viel schneller war als das Männerteam, „Wer bin ich?“ und weiteren Spiel-Einlagen unter Mitwirkung des Publikums wurden zwar auch Märchen von den Ensemblemitgliedern Anke Fonferek, Tobias Loth, Rudy Orlovius und André Stuchlik vorgelesen, doch war es fast schon zu erwarten, dass sich diese in einer LATE NIGHT am LTS etwas anders anhören:

So ging es in „Rotkäppchen“ in den Dickenreishauser Wald, der Wolf hatte eine Therapeutin im Nacken, die ihm ständig Ratschläge gab, wie „Unterdrücke nicht das Tier in Dir! Lass den Wolf in Dir heraus! … Denke nicht klein, denke groß!“…, der Jäger wurde – anders als im Original – auch noch vom Wolf verschluckt, der den Wolf dann von innen aufschnitt und heraus kamen nicht quietschvergnügt das Rotkäppchen und die Großmutter, sondern drei furchterregende Gestalten, die im Inneren des Wolfsbauches zu Monstern mutiert waren.

Im Märchen „Die Schönste“ (Kallipolis, ein griechisches Märchen) ging es nicht um einen König und seine drei Töchter, sondern um einen Bankrott gegangenen Kaufmann, der seine Villa verkaufen und nach Thüringen ziehen musste.

In „Schneewittchen“ lagen im „Männerhaushalt“ der sieben Zwerge überall Reste vom gebratenen Reis vom „Drachenimbiss“ herum, der „Auftragskiller“ von Schneewittchen wurde von ihr mit Sex bestochen und die böse Königin fand Schweewittchen nur deshalb wieder, weil sie trotz eindeutiger Anweisungen ständig Selfies auf Facebook postete. Und auch die Moral der Geschichte fiel etwas anders aus: „Auch für ein schönes Mädchen lohnt es sich, etwas Vernünftiges zu studieren, wie… BWL oder…“

„FSK 18“ wurde es vor allem, als das Publikum aufgefordert wurde, zwischen vorgelesenen Titeln zu unterscheiden, welcher dieser Titel wohl schon „verfilmt“ worden ist. Dass es sich dabei um auf Märchen basierende Pornoverfilmungen handelte, wurde spätestens bei den Titeln klar. Die unscheinbarsten davon: „Schneeflittchen und die 7 Zwerge“, „Analdin und die wunde Schlampe“, „Arielle, die Nicht-mehr-Jungfrau“, „Die Prinzessin auf der Eichel“…

„Und wenn sie nicht gestorben sind…“

Die nächste LATE NIGHT ist übrigens voraussichtlich im Februar, wird den Titel „Die Russen kommen“ tragen und an einem besonderen Ort des LTS stattfinden. Der Eintritt ist wie immer bei LATE NIGHTs frei und die Besucher dürfen sich wieder freuen auf viel gelungene Improvisation um eine handgemachte, grob gestrickte Geschichte, in der die Zuschauer unterhaltsam miteingebunden werden.

Fotos:
aus eigener Quelle (Christine Hassler)

Ein kleines Album über diese Late Night am LTS gibt es auf unserer Facebookseite.

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