„Der Zaubermantel“ – Ein Weihnachtsmärchen des Tanztheaters Orchidee

14. Dezember 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Ein getanztes Märchen über einen Zaubermantel von „Väterchen Frost“ führten die verschiedenen Tanzgruppen des Tanztheaters Orchidee am vergangenen Samstag im Dietrich-Bonhoeffer-Haus vor. Mit Tänzerinnen und Tänzern im Alter zwischen 3 und 26 Jahren wurde die Geschichte bunt und fröhlich tänzerisch erzählt.

Die Geschichte vor dem Publikum eines prall gefüllten Dietrich-Bonhoeffer-Hauses begann allerdings weniger fröhlich, denn der Zaubermantel von Väterchen Frost war kaputt und hatte weder Knöpfe noch Kragen, noch Glitzer.

Die Enkelin von Väterchen Frost „Snjegurotschka“ brauchte also dringend Hilfe, denn bald wachte Väterchen Frost auf und dann mussten die Geschenke an die Kinder verteilt werden!

Wer noch nicht weiß, wer „Väterchen Frost“ ist, dem sei erklärt, dass Väterchen Frost eine ursprünglich russische Märchenfigur ist, die auch in vielen osteuropäischen Ländern bekannt ist und sehr stark „unserem“ Weihnachtsmann ähnelt.

Auch er verteilt an einem bestimmten Tag im Jahr Geschenke an die Kinder, fährt einen von Schimmeln oder Rentieren gezogenen Schlitten, hat einen langen, weißen Bart und hüllt sich in einen Mantel mit Pelz.

Allerdings verteilt Väterchen Frost die Geschenke nicht an Weihnachten, sondern in der Neujahrsnacht, beim „Jolkafest“. Denn seit der russischen Oktoberrevolution wurde die christliche Religion in Russland und vielen weiteren osteuropäischen Ländern unterdrückt und verboten, Weihnachten als religiöses Fest zu feiern.

Gleichzeitig wurde statt des bis dahin üblichen julianischen der gregorianische Kalender eingeführt und alle weihnachtlich-feierlichen Rituale verschoben sich von Weihnachten nach julianischem Kalender auf Silvester.

Begleitet wird Väterchen Frost von seiner Enkelin „Snjegurotschka“ (Schneemädchen oder Schneeflöckchen) und die sah sich in der Erzählung des Tanztheaters Orchidee in Schwierigkeiten, weil der Zaubermantel von Väterchen Frost rechtzeitig fertig werden musste, um die Geschenke an die Kinder zu verteilen.

Unter der Gesamtleitung von Lisa Schmidberger studierten zahlreiche Tänzerinnen und Tänzer im Alter zwischen 3 und 26 Jahren verschiedene Tänze ein, die die Geschichte tänzerisch darstellten. Da gab es Fliegenpilze, Waldgeister, Hexen…, doch zum Glück gab es auch viele kleine Helfer wie die Schneeflöckchen, Glitzer, Glöckchen und viele mehr.

So half die erste Gruppe, den Zaubermantel zu nähen, die zweite Gruppe half, Glitzer auf dem Zaubermantel anzubringen, die dritte Gruppe half, die Knöpfe anzunähen und ganz kleine Helfer brachten zuletzt den Kragen an.

„Der Zaubermantel ist fertig!“, freute sich Snjegurotschka, dargestellt von der Leiterin des Tanztheaters Orchidee Lisa Schmidberger, die auch die Gesamtleitung der Tanzveranstaltung übernahm, während ihre Kollegin und Ko-Leiterin des Tanztheater Orchidee Natalija Bej das Stück schrieb und sich der Choreografie annahm.

„Die Geschenke sind fertig, die Rentiere angespannt.“ Doch da kommen Fuchs und Wolf, finden den Zaubermantel und streiten sich darum, eine Hexe entwendet den Zaubermantel sogar, doch Snjegurotschka bekommt ihn zurück, um dann von den frechen Fliegenpilzen festgehalten zu werden.

Gerade rechtzeitig erwacht Väterchen Frost, befreit seine Enkelin und schlüpft erfreut in seinen Mantel. So kann das Fest beginnen.

Fotos:

aus eigener Quelle (Christine Hassler).

Ein schönes Album über „Der Zaubermantel“ des Tanztheater Orchidee gibt es auf unserer Facebookseite.

Infos

Zum Tanztheater Orchidee

Das Tanztheater Orchidee ist ein gemeinnütziger Verein und sicher kennen es viele vor allem vom Fest der Kulturen, an dem sie regelmäßig mit ethnischen Tänzen teilnehmen. Doch auch Hip Hop lehrt das Tanztheater Orchidee, das nun bereits seit 17 Jahren existiert.

Nach mehreren Stationen – unter anderem im Memminger Jugendhaus – fand das Tanztheater einen festen Proberaum in der alten Schule in der Schießstattstraße 3.

Dort unterrichten v.a. Raisa Schmidberger und Natalija Bej Kinder und Jugendliche jeden Dienstag, Donnerstag und Freitag in verschiedenen Tanzstilen von ethnischen Tänzen bis Hip Hop und bieten auch Aerobik für Erwachsene.

Ein Probetraining für Interessierte ist übrigens kostenlos.

Weitere Infos bei Raisa Schmidberger, Tel. 08331 494992.

Zu Väterchen Frost

„Väterchen Frost“ ist eine unserem Weihnachtsmann ähnelnde, ursprünglich russische Märchenfigur, der die Kinder allerdings in der Neujahrsnacht beschenkt. Dabei wird er von seiner Enkelin Snjegurotschka (Schneemädchen oder Schneeflöckchen) begleitet. Auch in anderen osteuropäischen Ländern ist dieser Brauch verbreitet.

Seit der russischen Oktoberrevolution wurde die christliche Religion unterdrückt und es war verboten, Weihnachten als religiöses Fest zu feiern. Gleichzeitig wurde statt des bis dahin üblichen julianischen der gregorianische Kalender eingeführt und alle weihnachtlich-feierlichen Rituale verschoben sich von Weihnachten nach julianischem Kalender auf Silvester nach gregorianischem Kalender.

Der Weihnachtsbaum wird daher in Russland und vielen osteuropäischen Ländern pünktlich zum gregorianischen Silvester aufgestellt und der Weihnachtsmann („Djed Moros“) bringt die Geschenke in der gregorianischen Silvesternacht.

Die Figur des Väterchen Frost und das später geschaffene „Jolkafest“ (am gregorianischen Silvesterabend) wurden in Russland so erfolgreich, dass auch nach Wiedereinführung des Feiertages für das orthodoxe Weihnachtsfest die meisten Russen an ihm festhalten.

Nach der heute verbreiteten Vorstellung hat Väterchen Frost einen langen, dicken weißen Bart und führt ein magisches Zepter, dessen Spitze alles, was sie berührt, gefrieren lässt.

Ursprünglich war Väterchen Frost eine Art Personifikation des Winters. In den ersten Jahren nach der Oktoberrevolution wurde er wie alle anderen Weihnachtstraditionen, darunter auch „Snjegurotschka“ und „Jolka“ (Tannenbaum), verunglimpft.

Mittlerweile hat Väterchen Frost sogar ein „offizielles“ Weihnachtspostamt in „Weliki Ustjug“, wohin man ihm schreiben und sogar eine Antwort bekommen kann…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.