Geländeerweiterung des Schwäbischen Bauernhofmuseums Illerbeuren

30. Dezember 2017 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Schwabens Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert, Vorsitzender des Zweckverbandes Schwäbisches Bauernhofmuseum Illerbeuren, Landrat Hans-Joachim Weirather, stellvertretender Verbandsvorsitzender und Museumsleiter Wolfgang Ott luden am 28. Dezember 2017 zu einem Pressegespräch in gemütlicher Atmosphäre nach Illerbeuren ein. Das Thema war der Ausbau des Schwäbischen Bauernhofmuseums in Illerbeuren.

Der erfolgreiche Abschluss langer Grundstücksverhandlungen wurde gemeinsam mit Anton Gregg, Landwirt aus Illerbeuren und bisherigem Besitzer der entscheidenden Grundfläche für den Ausbauplan des Freilichtmuseums, nun der Öffentlichkeit bekannt gegeben.

Die landwirtschaftliche Fläche war über Generationen in Besitz der Familie Gregg und steht jetzt mittels einem Erbpachtvertrag, abgeschlossen auf 99 Jahre, dem Bauernhofmuseum zum weiteren Ausbau zu Verfügung.

Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert setzte sich persönlich für das Gelingen ein, denn damit ist ein wichtiger Meilenstein für die Zukunft von Schwabens Freilichtmuseum gesetzt worden.

Ausbau von Schwabens Freilichtmuseum schreitet weiter voran

Das Schwäbische Bauernhofmuseum Illerbeuren ist eine Besonderheit unter den Freilichtmuseen. Nicht nur das es eines der ältesten Häuser ist, es ist ein „Dorf im Dorf“, dies prägte und prägt die Entwicklung des Museums bis heute.

Aufgabe in Illerbeuren ist es, die Bau- und Kulturvielfalt im alten bayerischen Schwaben als Freilichtmuseum zu präsentieren. Der Besucher soll die Möglichkeit erhalten, sich den ländlichen Raum vom Ries bis ins Allgäu in seiner historisch gewachsenen Ausprägung selbst zu erschließen. Dabei hilft die Gliederung und Einteilung des Bauernhofmuseums in sogenannte Baugruppen, die die charakteristischen Regionen Schwabens im Kleinen widerspiegeln.

Die Entwicklung der Gemeinschaften, Dörfer und Regionen wurde stark von gesellschaftlichen Veränderungen beeinflusst. Durch verschiedene Aufbaukonzepte werden diese später im Museum sichtbar und begreifbar. Daneben ist das Museum bestrebt, die schwäbische Landschaft samt seiner Streuobstwiesen, Felder, Wälder und Tiere darzustellen.

Flächenerweiterung

Um dieses Ziel zu erreichen, war eine erhebliche Flächenerweiterung notwendig. Bisher sind circa 12 Hektar für die Landschaftspräsentationen und die Infrastruktur des Museums zugänglich. Die notwendige Erweiterung konnte der Zweckverband nach Jahren der Planung nun realisieren: Ende November 2017 erreicht Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert den Lückenschluss am Ausbaugebiet entlang der Memminger Straße.

Es handelt sich um eine circa 3 Hektar große Fläche, die die bereits vorhandenen Areale verbinden wird. Derzeit liegt dieser Bereich noch in einem nichtzugänglichen Teil. Die gesamte Erweiterung von insgesamt rund 8 Hektar wird sich wie eine Hochebene über das bisherige Museumsgelände erstrecken. Mit dieser Geländeentwicklung rüstet sich der Zweckverband für die Zukunft und baut die Bedeutung des Schwäbischen Bauernhofmuseums Illerbeuren als Freilichtmuseum für den Regierungsbezirk Schwaben aus.

Historische Bebauungsplanung

Das Haus hat in einem Freilichtmuseum eine besondere Rolle – es ist das größte und zugleich schwierigste, sensibelste Sammlungsobjekt zugleich. Mit dem Abtrag eines Gebäudes werden Biografien verpflanzt, werden Gerüche weitergegeben, werden Erinnerungen wachgerüttelt. Die Häuser stiften Identifikation im Räumlichen, Sozialen oder im Wirtschaftlichen. Inzwischen erzählen die Wände von bereits 32 größeren und kleineren Gebäuden Geschichten. Beim Übertreten der Türschwelle kann man die Vergangenheit spüren.

Für die Ausbauplanung sind bereits 8 historische Häuser an ihren Ursprungsstandorten in den letzten Jahren abgetragen worden. Drei Baustellen sind für die Besucher derzeit am Museumsrand sichtbar: Es handelt sich um ein Bauernhaus aus dem Westallgäu, aus der Einöde bei Engenberg, um eine kleine Fachwerkkapelle aus dem Ostallgäu, aus Luttenried und um ein Bauernhaus aus Weicht, ebenfalls aus dem Ostallgäu.

5 weitere Gebäude sind bei einer Spezialfirma für Baudenkmalpflege und Gebäudetranslozierungen eingelagert:

  • Der Wohnteil einer Sölde aus Stölzings bei Kempten (nach Bauforschungsergebnissen das nachweislich älteste Bauernhaus im Allgäu – Balken in der Stubendecke und Wandteilen belegen das Jahr 1467 – damit die Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg)
  • Eine Sennerei aus Unterbetzisried bei Ottobeuren (Der Sennereigenossenschaft gehörten einst sieben Bauern an. Die Käserei war, soweit bekannt, von 1908-1939 in Betrieb; danach als Milchsammelstelle. Das Gebäude ist vollständig eingerichtet und ein herausragendes Dokument der Landwirtschaftsgeschichte des Alpenvorlandes.)
  • Ein Kleinbauernhof aus Gundremmingen, im Landkreis Günzburg (Die Hofstelle besteht aus zwei Gebäuden, dem Wohnhaus und einem separatem Wirtschaftsteil, erbaut am Beginn des 18. Jahrhunderts. Die Gemeinde Gundremmingen wird im frühen 19. Jahrhundert im Rahmen von einer russisch angeworbenen Auswanderungsbewegung bedeutsam; so siedelten Handwerker und Bauern nach Bessarabien/Odessa um.)
  • Wohn- und Wirtschaftssituation im Ries: eine Sölde, ein Kleinbauernhof, aus Deiningen, Lkr. Donau-Ries (bei Nördlingen) erbaut um 1660; im Gebäude wurden insgesamt 16 Fassungsschichten befundet, ein typisches Gebäude für einfache, bescheidene Lebensverhältnisse, Strohdachdeckung
  • Im Kontrast dazu ein stattliches Bauernhaus aus Reimlingen, Lkr. Donau-Ries (bei Nördlingen) – Größendimension des Bauernhauses (rund 20 Meter in der Länge und über 10 Meter in der Breite) typisch für das Ries, erdgeschossig steile Dachneigung von 48° und mehr Grad – so kommt über die gesamte Hauslänge ein enormer und beeindruckender Dachaufbau zusammen.

Die Gebäude werden zunächst bauhistorisch untersucht und entsprechend des Präsentationszeitraums wiederaufgebaut, eingerichtet und pädagogisch zugänglich gemacht. Aktuelle Fragen der Museumsarbeit wie Barrierefreiheit und Besucherpartizipation stehen dabei ebenfalls im Fokus.

Infos zum Schwäbischen Bauernhohmuseum im Überblick

Das Schwäbische Bauernhofmuseum wurde 1955 gegründet. Es ist ein dreidimensionaler Speicher der vergangenen ländlichen Kultur in Schwaben. Das bisherige Museumsgelände umfasst 12 Hektar.

Dargestellte Regionen, bereits zugänglich:

  • „Altes Museumsdorf“ (erstes Freilichtmuseum in Süddeutschland, Gestaltung und räumliche Ausrichtung der Häuser entspricht den Anfängen der Museumsgeschichte, zwischen 1955 und 1985 gewachsen, 19 Gebäude, teilweise In-Situ-Häuser)
  • „Technik auf dem Land“ ( große Landmaschinenausstellung, Technisierung in der Landwirtschaft: Maschinenwerkstatt, Pumphaus zur Wasserversorgung und Windrad zeigen techn. Fortschritt, funktionsfähig)
  • „Baugruppe Mittelschwaben“ (7 Gebäude zeigen verschiedene Zeitschnitte und Bauformen in Mittelschwaben, mit Feldern, Gärten und Weiden, Baugruppe seit der Geländeerweiterung im Jahr 2000 zugänglich)
  • Torfwirtschaft (Folgen der Industrialisierung und des Eisenbahnzeitalters zwischen Ulm und Augsburg)

Im Museumsausbauplan sind weitere Baugruppen/Regionen vorgesehen:

  • Baugruppe „Nordschwaben“ mit dem Rieser Land
  • Baugruppe „Alpenvorland“
  • Baugruppe „Alpine Region“
  • Baugruppe „Bodensee“

Die dafür notwendige Erweiterungsfläche beträgt circa 8 Hektar (ohne Waldstücke). Das fehlende Verbindungsstück in diesem Gebiet von circa 3 Hektar konnte Ende November 2017 erworben werden.

Träger:

Der Träger des Schwäbischen Bauernhofmuseums Illerbeuren ist ein Zweckverband, dem der Bezirk Schwaben, der Landkreis Unterallgäu und der Heimatdienst Illertal e.V. als Mitglieder angehören.

Weitere Informationen unter www.bauernhofmuseum.de.

Fotos:

Titelbild: Die Vorsitzenden des Zweckverbandes Schwäbisches Bauernhofmuseum Illerbeuren gaben gemeinsam mit Landwirt Anton Gregg die Einigung und damit erreichte Geländeerweiterung des SBIs bekannt. (V. li): Simone Zehnpfennig-Wörle, Vorsitzende des Heimatdienstes Illertal e.V., Anton Gregg, Landwirt aus Illerbeuren, Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert, Museumsleiter Wolfgang Ott, Landrat Hans-Joachim Weirather.

Bild 1: Familie Gregg gemeinsamt mit Bezirsktagspräsident Jürgen Reichet, Museumsleiter Wolfgang Ott, Landrat Hans-Joachim Weirather und Simone Zehnpfennig-Wörle bei der Bekanntgabe des weitere Ausbaus des Schwäbischen Bauernhofmuseums Illerbeurens.

Bild 2: SBI Lageplan, Entwurf 2017

Bild 3: Bauernhaus Engenberg, Allgäu (noch nicht zugänglich)

Bild 4: (li. Foto): Bauernhaus Weicht, Bauzelt. (Re. Foto): Stölzings_Bauforschung.

Bild 5: beim Pressegespräch zur Geländeerweiterung des Bauernhofmuseums.

Fotoquelle: Tanja Kutter/ Schwäbisches Bauernhofmuseum Illerbeuren.

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