Arbeitsmarkt Allgäu – Die Bilanz 2017 fällt hervorragend aus

4. Januar 2018 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Arbeitsmarkt auf Erfolgskurs: Arbeitslosenquote sinkt im Jahresdurchschnitt auf 2,7% – Weniger als 10.000 Menschen arbeitslos – Hoher Arbeitskräftebedarf – Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auf Rekordniveau. Im gesamten Allgäu sank die Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem Vorjahr um 4,8%, in Memmingen sogar um 7,6%. 

„Im Jahr 2017 gehörte der Arbeitsmarkt im Allgäu zu den besten in ganz Deutschland. Sichtbares Ergebnis dieser Entwicklung ist die niedrige Arbeitslosenquote von 2,7 Prozent. Gleichzeitig hat die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einen neuen Höchststand erreicht“, sagt Maria Amtmann, Leiterin der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen in ihrer Arbeitsmarktbilanz.

„Viele Betriebe waren ständig auf der Suche nach weiteren Arbeitskräften, der Bedarf blieb während des gesamten Jahres hoch. Damit verbessern sich auch die Chancen auf einen Arbeitsplatz für Menschen, die sich in der Vergangenheit schwerer taten.“

Noch nie waren in den vergangenen zehn Jahren weniger Menschen arbeitslos

Noch nie waren in den vergangenen zehn Jahren im Allgäu weniger Menschen arbeitslos gemeldet als im zu Ende gegangenen Jahr. Erstmals seit vielen Jahren wurden im Jahresdurchschnitt weniger als 10.000 arbeitslose Menschen von den Vermittlern in den Jobcentern und bei der Agentur für Arbeit betreut. Im Vergleich zum Vorjahr waren gut 1.200 Frauen und Männer weniger arbeitslos. Entsprechend verringerte sich die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt um 0,4 Prozentpunkte auf das aktuelle Ergebnis von 2,7 Prozent.

Bereits zum Jahresauftakt wurde in den Monaten Januar und Februar mit jeweils knapp 12.00 arbeitslosen Menschen die höchste Zahl erreicht. Vor allem Männer, die in Außenberufen arbeiteten, meldeten sich aufgrund der Witterungsverhältnisse für kurze Zeit arbeitslos.

Wie die Grafik zeigt, blieben die monatlichen Ergebnisse auf dem Arbeitsmarkt während des gesamten Jahres unter den Ergebnissen der Vorjahre. Bereits im April verzeichnete die Arbeitslosenquote erstmals eine Zwei vor dem Komma.
Für die restlichen Monate des Jahres änderte sich daran nichts. Der niedrigste Wert wurde im Oktober mit 2,3 Prozent erreicht. Aufgrund des anhaltenden Bedarfs an Arbeitskräften nahm die Arbeitslosigkeit in den beiden Schlussmonaten November und Dezember weniger stark zu als in vorangegangenen Jahren.

Der Arbeitsmarkt ist ständig in Bewegung: Im Verlauf des Jahres kamen gut 42.500 Menschen zu den Mitarbeitern bei der Agentur für Arbeit und in den Jobcentern, knapp 44.000 Personen meldeten sich während des Jahres wieder ab. Im Jahr zuvor waren diese Bewegungen stärker ausgeprägt – ein Indiz dafür, dass Betriebe ihre Mitarbeiter enger binden.

Entwicklung in den Wirtschaftsräumen

Das günstige Gesamtergebnis des Arbeitsmarktes setzte sich auch in allen Wirtschaftsregionen des Agenturbezirks fort. In der überwiegenden Zahl der Regionen war ebenfalls eine Zwei vor dem Komma zu lesen.

So verzeichneten die Wirtschaftsräume Memmingen und Marktoberdorf gemeinsam mit dem Landkreis Lindau eine durchschnittliche Arbeitslosenquote von 2,4 Prozent.

Die Regionen Füssen und Kempten schlossen sich an mit Ergebnissen von 2,8 bzw. 2,9 Prozent.

Markant sind saisonale Einflüsse insbesondere im südlichen Oberallgäu. Als Tourismusregion unterliegt dieser Bereich stärkeren saisonalen Schwankungen. Die  Arbeitslosenquote erreichte dort die niedrigsten Werte in den Monaten Juni bis Oktober während sie in den beiden Schlussmonaten November und Dezember auf deutlich höhere Marken kletterte. Das jahresdurchschnittliche Ergebnis lag schließlich bei 3,1 Prozent.

Der Wirtschaftsraum Kaufbeuren wies in den letzten drei Jahren ein kontinuierlich verbessertes Ergebnis aus. Sichtbares Resultat war eine Arbeitslosenquote, die von 4,1 über 3,9 auf zuletzt 3,3 Prozent zurückging.

Im Agenturbezirk führend war der Wirtschaftsraum Mindelheim mit einer Arbeitslosenquote von 2,2 Prozent. Die ausgezeichneten Werte der beiden Vorjahre wurden damit nochmals unterboten.

Und so sahen die Ergebnisse der einzelnen Wirtschaftsräume im Jahresvergleich aus:

Jüngere Menschen unter 25 Jahren

Junge Menschen sind in vielen Fällen deutlich weniger von Arbeitslosigkeit betroffen als andere Personengruppen. Das gilt insbesondere, wenn sie über einen Berufsabschluss verfügen.

Bei den Jüngeren unter 25 Jahren waren zu Jahresbeginn insgesamt knapp 1.200 Kräfte ohne Beschäftigung, gut 200 weniger als im Jahr zuvor. Bis zur Jahresmitte endete für zahlreiche Personen in dieser Altersgruppe die Zeit ohne Beschäftigung, weniger Menschen waren arbeitslos.

Danach erhöhte sich die Arbeitslosigkeit für wenige Wochen, denn in den Sommermonaten endeten zahlreiche schulische und betriebliche Ausbildungen und eine ganze Reihe der jungen Frauen und Männer meldete sich für kurze Zeit arbeitslos.

Bereits ab September konnten viele von ihnen eine neue Arbeitsstelle antreten oder sie besuchten eine weiterführende Schule bzw. starteten in ein Studium. Im Dezember wurde schließlich mit etwas mehr als 930 arbeitslosen Kräften in dieser Altersgruppe der niedrigste Wert des Jahres erreicht.

Ältere (50 Jahre und mehr)

Während des gesamten Jahres 2017 waren weniger ältere Menschen arbeitslos gemeldet als im Jahr zuvor.

Dennoch zählten auch 2017 knapp 40% aller arbeitslosen Menschen zur Gruppe der Älteren.
Nicht zuletzt aufgrund des anhaltenden Bedarfs an zusätzlichen Arbeitskräften waren im Jahresdurchschnitt 375 Frauen und Männer aus dieser Altersgruppe weniger arbeitslos als im Vorjahr. Während zu Beginn des Jahres  noch mehr als 4.500 Ältere ohne Beschäftigung waren, ging diese Zahl im Jahresverlauf nahezu kontinuierlich zurück.

Im Oktober wurde mit etwas weniger als 3.500 Kräften die niedrigste Zahl gezählt. Gerade in diesem Bereich gibt es nach wie vor zahlreiche Menschen, die mit ihrer Berufserfahrung, ihrer Qualifikation und ihrem beruflichen Engagement angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels eine sinnvolle Alternative für die Besetzung vakanter Stellen darstellen können.

Geflüchtete Menschen

In den letzten Monaten ist das Thema Flüchtlinge in der öffentlichen Wahrnehmung etwas in den Hintergrund gerückt, da die Zahl der neu eingereisten geflüchteten Menschen im Vergleich zu den Jahren 2015 und 2016 zurückgegangene ist.

Zuletzt waren im Allgäu im Dezember des vergangenen Jahres 512 Flüchtlinge aus den acht stärksten nichteuropäischen Zugangsländern arbeitslos gemeldet (Syrien, Irak, Iran, Eritrea, Somalia, Nigeria, Afghanistan, Pakistan). Im Ergebnis hat sich diese Zahl im Vergleich zum Dezember des Vorjahres auch aufgrund von weiteren Entscheidungen des Bundsamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) nicht verändert.

Im Bereich der Jobcenter ist die Zahl der Flüchtlinge gestiegen, für die Leistungen der sozialen Grundsicherung gezahlt werden. So haben im September 2017 (aktuellste Daten) insgesamt gut 4.370 Menschen aus nichteuropäischen Asylherkunftsländern Leistungen der Jobcenter erhalten. Im Vergleich zum September des Vorjahres bedeutete das eine Steigerung um mehr als 40%.

Für die Aufnahme einer Beschäftigung in Deutschland sind Deutschkenntnisse und ein Berufsabschluss eine wichtige Voraussetzung. Viele Flüchtlinge können die für eine qualifizierte Tätigkeit in Betrieben geforderten Nachweise nicht vorlegen, weil sie ihre Unterlagen nicht mitnehmen konnten oder es im Heimatland kein Ausbildungssystem gibt, das dem in Deutschland entspricht. Daher üben diese Menschen zumeist Helfertätigkeiten, z.B. in der Gastronomie oder im Baugewerbe aus.

Ende Juni 2017 (aktuellste Daten) arbeiteten knapp 1.350 Flüchtlinge aus nichteuropäischen Asylherkunftsländern sozialversicherungspflichtig. Im Vergleich zum Juni des Vorjahres bedeutete das einen Zuwachs um mehr als 500 Beschäftigte bzw. eine Steigerung um über 60%.

Der Zuwachs zeigt, dass die Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen begonnen hat, jedoch noch eine längere Zeitspanne einzuplanen ist, bis sich durchgreifende Erfolge einstellen. Der dynamische Arbeitsmarkt im Allgäu mit seinem hohen Bedarf an Arbeitskräften bietet den Menschen gute Perspektiven, die eine hohe Bleibeperspektive haben und engagiert ihre eigene Zukunft durch Ausbildung und Arbeit sichern möchten.

Nachfrage nach Arbeitskräften boomt

Während des gesamten Jahres suchten Betreibe intensiv nach weiteren Arbeitskräften. Das zeigt der Vergleich der beiden Jahre 2016 und 2017. Während bereits das Jahr 2016 durch eine kräftige Nachfrage gezeichnet war, intensivierte sich das Angebot an zusätzlichen Arbeitsstellen in 2017 nochmals.

In allen zwölf Monaten lag der von Arbeitgebern geäußerte Kräftebedarf über dem Vergleichswert des Vorjahres. Im Jahresdurchschnitt standen für Vermittlungsaktivitäten mehr als 7.100 Stellenangebote zur Verfügung, annähernd 20% mehr als im Jahr zuvor.

Schwergewicht der Stellenangebote

Im Bereich der industriell-gewerblichen Produktion: hier insbesondere rund um den Werkstoff Metall lag der Schwerpunkt der Stellenangebote. Metallbearbeitung sowie Maschinen- und Fahrzeugbau waren als Branchen stark vertreten. Dreher, Fräser, Industriemechaniker und artverwandte Tätigkeiten blieben während des gesamten Jahres gesuchte Fachkräfte.

Logistikbereich: Eine ganze Reihe von Betrieben ist im Agenturbezirk im Logistiksektor tätig. Entsprechend boten sich ausgezeichnete Chancen für qualifiziertes Lagerfachpersonal, ebenso für Berufskraftfahrer.

Tourismus: Nach Angaben des bayerischen statistischen Landesamtes haben zuletzt mehr Menschen ihren Urlaub im Allgäu verbracht. Insbesondere im südlichen Oberallgäu und am Bodensee bildete der Tourismus ein weiteres starkes Standbein für den Arbeitsmarkt. Hotellerie und  Gastronomie boten zahlreiche Arbeitsplätze in Küche, Housekeeping und Service zur Besetzung an.

Handwerk: Auch hier galt es zahllose Arbeitsplätze zu besetzen. Insbesondere im Baugewerbe führte der Investitionsboom („Betongold“) zu einem anhaltenden Bedarf an weiteren Fachkräften. Maurer, Zimmerer und Elektriker waren während vieler Monate gefragte Fachleute.

Altenpflege: Der demografische Wandel wirkte im Bereich der Altenpflege beschäftigungsfördernd. Über das gesamte Jahr herrschte kontinuierlicher Bedarf an Fachkräften für Betreuung und Pflege in Altenheimen, ebenso in Krankenhäusern.

Personaldienstleister: Des Weiteren suchten Personaldienstleister kontinuierlich nach weiteren Kräften.

Arbeitslosenversicherung und soziale Grundsicherung

Seit Einführung der sozialen Grundsicherung werden arbeitslose Menschen von der Agentur für Arbeit und in den Jobcentern betreut. In beiden Bereichen waren 2017 im Jahresdurchschnitt weniger Menschen arbeitslos gemeldet als Im Jahr zuvor.

Auf Seiten der Menschen, die im vergangenen Jahr im Bereich der Arbeitslosenversicherung betreut wurden, erfolgte ein Rückgang um gut 300 arbeitslose Menschen.
In der sozialen Grundsicherung fiel der Abbau noch stärker aus. Die Mitarbeiter in den sieben Jobcentern des Agenturbezirks waren jahresdurchschnittlich für 900 arbeitslose Personen weniger zuständig als im Jahr zuvor. Insbesondere die Zahl der beschäftigungslosen Älteren, Langzeitarbeitslosen und Ausländer ging zurück.
In Teilen hat dort der stärkere Rückgang auch damit zu tun, dass seit dem 1. Januar 2017 sogenannte „Aufstocker“ durch die Agentur für Arbeit betreut werden. Bis Dezember 2016 wurden diese Personen in der sozialen Grundsicherung gezählt. Als „Aufstocker“ werden in der Statistik Personen bezeichnet, die aufgrund von Hilfebedürftigkeit neben dem Arbeitslosengeld aufstockend auch Arbeitslosengeld II beziehen.

Die Arbeitsagentur betreute im zurückliegenden Jahr knapp 5.900 Menschen, die Jobcenter waren für annähernd 4.100 arbeitslose Menschen zuständig.

Wichtig ist bei dieser Betrachtung auch, dass ein erheblicher Teil der bei den Jobcentern betreuten Menschen nicht arbeitslos ist. Diese Menschen betreuen kleine Kinder, pflegen Angehörige oder befinden sich in einer Ausbildung, insbesondere auch in einer sprachlichen Qualifizierung.

Rekord bei Beschäftigungsverhältnissen

Die Zahl der Beschäftigten erreichte im Allgäu im zurückliegenden Jahr einen neuen Höchststand. Nach den aktuellsten Daten vom Juni 2017 standen zu diesem Zeitpunkt knapp 264.000 Frauen und Männer in einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung.

Zum Juni des Vorjahres bedeutete das einen Zuwachs um gut 6.400 Arbeitsverhältnisse. Einen starken Anstieg verzeichnete das verarbeitende Gewerbe mit einem Plus von 1.580 neuen Mitarbeitern. Allein in der Metall-, Elektro- und Stahlbranche ergab sich innerhalb eines Jahres ein Plus von knapp 1.500 Kräften.

Im Baugewerbe arbeiteten annähernd 500 Mitarbeiter mehr, der Logistiksektor steuerte knapp 300 weitere Beschäftigungsverhältnisse bei. In der Arbeitnehmerüberlassung waren mehr als 600 Menschen zusätzlich beschäftigt. Der Bereich Heime und Sozialwesen verzeichnete einen Mitarbeiterzuwachs um 350 Frauen und Männer, im Erziehungswesen waren 300 Menschen zusätzlich tätig.

Sowohl Tätigkeiten in Vollzeit wie auch in Teilzeit legten zu. Beachtenswert ist auch der Zuwachs bei Ausländern. Im Juni 2017 lag das Beschäftigungsplus bei dieser Personengruppe im Vorjahresvergleich bei zehn Prozent, bei Deutschen erreichte der Zuwachs 1,5 Prozent.

Der Ausbildungsmarkt 2016/2017 – Chancen und Risiken

Im Ausbildungsmarktjahr 2016/2017 (Zeitraum: 01.10.2016 bis 30.09.2017) setzte sich die für junge Menschen günstige Entwicklung aus den Vorjahren fort. Erneut standen mehr betriebliche Ausbildungsstellen zur Verfügung als jugendliche Bewerber um einen Ausbildungsplatz.

Betriebe stellten dem Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur insgesamt knapp 6.200 Ausbildungsplätze zur Verfügung. Gleichzeitig meldeten sich bei den Berufsberatern mit etwas mehr als 4.600 ähnlich viele junge Menschen, die eine betriebliche Ausbildung anstrebten wie im Jahr zuvor.

Wenn man es aus Sicht jugendlicher Ausbildungsbewerber sieht, ist die Situation auf dem Ausbildungsmarkt ausgezeichnet.

Die betriebliche Betrachtungsweise sieht anders aus, denn vor allem kleine Betriebe haben es zunehmend schwerer, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen: So waren Ende September mehr als 750 Ausbildungsstellen frei, 81 junge Menschen hatten zum Stichtag noch keine Ausbildungsmöglichkeit, die ihren Wünschen entsprach. Vor allem in der Hotellerie und Gastronomie sowie im Verkauf blieben viele Stellen vakant. Aber auch in Büro und Sekretariat sowie im Handwerk gab es noch freie Plätze.

Wirtschaftsraum Allgäu gesamt:

Wirtschaftsraum Memmingen:

Titelbild:
Bildquelle: Pixabay

Grafiken:
Bildquelle: Agentur für Arbeit Kempten – Memmingen.

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