„Achtung Lebensgefahr“ – Zwei dialektisch verfeindete Freunde in einer Lesung

16. Januar 2018 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Auf ihrer Lese-Tour „Achtung Lebensgefahr“ machten die beiden Erfolgsautoren Volker Klüpfel und Michael Kobr am vergangenen Samstag Station am Landestheater Schwaben. Dass ihre „Lesung“ weit mehr werden würde als „nur“ eine Lesung und äußerst unterhaltsam für das Publikum im prall gefüllten Saal, war dabei schon fast zu erwarten.

Wenn man nicht genau wüsste, dass die Jubiläumstour zu ihrem 15-jährigen Autorenduo-Geburtstag ab April dieses Jahres „Der Sinn des Lebens“ heißen wird, hätte man annehmen können, dass der Titel ihrer aktuellen Lese-Tour „Achtung Lebensgefahr“ auf ihren neuen, 10. Kluftinger-Krimi anspielt, bei dem Kluftinger selbst in Lebensgefahr gerät.

Aber das liegt wohl daran, dass Allgäuer Logik nicht immer schnurgerade verläuft – ebenso wenig, wie das Allgäu homogen ist, ebenso sehr sind die „Sprachbarrieren“ von Klüpfel und Kobr rein „dialektischer“ Natur.

Über den neuen Krimi erfahren wir bei dieser Lesung auf jeden Fall noch nichts, umso mehr aber von den beiden Autoren, dem letzten Kluftinger Krimi „Himmelshorn“ und ihrem letzten Roman „In der ersten Reihe sieht man Meer“.

Wie die beiden Autoren es fertigbringen, ihre Bücher zusammen zu schreiben und homogene Werke zu schaffen, diese Frage stellten sich sicher viele der belustigten Zuschauer im Theatersaal, als die beiden Allgäuer Erfolgsautoren sich auf der Bühne von Beginn an nichts als kibbelten, wenn sie nicht gerade aus ihren letzten Werken vorlasen.

Aber genau da ging es ja schon los: Aus welchem Buch soll zuerst vorgelesen werden? Während Klüpfel Liegestühle und Sonnenschirm aufbaut, warb er für den Roman: „An der Adria ist es so schön!“ – „Kommt drauf an, was man unter schön versteht“, hält Michael Kobr entgegen und steht trotzig beim Biertischset. „Da scheint immer die Sonne!“ versucht es Volker Klüpfel erneut. – „Scheiß Sonne immer, des wellama z´Memminga gar it immer!“

Und so geht es hin und her, bis zum Schweizer Wurstsalat mit Zwiebeln, der im „Himmelshorn“ gleich dreimal vorkommt und der Androhung, sich auf der Bühne zu prügeln. Da entsinnen sich die beiden dem Rat ihrer „Therapeutin“, spielerisch zu Konfliktlösungen zu finden.

„Schnick – Schnack – Schnuck“ sollte das Problem lösen, was es aber nicht wirklich tat. Denn nicht nur der Brunnen ist bei Schnick-Schnack-Schnuck strittig. Wenn dann auch noch Batman alle vier schlägt und Dark Vader gegen Batman antritt, dann sind wir wieder ganz bei Klüpfel und Kobr.

Und da geht es hin und her zwischen Schweizer Wurstsalat im „Himmelshorn“ und Jakobs Krönung und Kochsalami – wie „eine Italienreise noch in den 80er Jahren schmeckte“, der sexy Italienerin an der Adria und der sexy Sekretärin Sandra Henske im Büro von Kommissar Kluftinger. Urlaubsfotos, die schlimmer sind als „Fässerspiele“ und Sprachbarrieren, die sich auch zwischen dem „in Augsburg ausgspuckten Allgäuer“ und dem „richtigen Allgäuer“ aus Memmingen entrollen, denn schließlich war Memmigen vor der „Tertialverschiebung“ im Mittelpunkt des Allgäus…

Nachdem es sich aber um eine „Lesung“ handelte, wurde sogar bei Klüpfl und Kobr tatsächlich auch gelesen. Jedoch nicht ganz ohne Unterbrechungen.

In klassischer Rollenverteilung – Klüpfel als Dr. Langhammer und Kobr als Kommissar Kluftinger – lasen die zwei aus dem Himmelshorn die wohl lustigsten Passagen vor: Kluftinger, der Antagonist von moderner Technik, der entgegen der Empfehlung von Dr. Langhammer sein nagelneues E-Bike auf „max“ stellt und den Berg in atemberaubender Geschwindigkeit heruntersaust, um in einem Tobel einen Rucksack und zwei Leichen zu finden und ausgerechnet „Siri“ und eine Videonachricht von Kluftinger an seinen „Lieblingsmitarbeiter“ Maier rettet die beiden vor dem sicheren Hungertod.

Irgendwo dazwischen erfahren wir, warum die Rollenverteilung bei den beiden „klassich“ ist: Die Ideen für Kommissar Kluftinger kommen laut Klüpfel meist von Kobr und der auch körperlich „gestrecktere“ Klüpfel mit der intelligenten Brille auf der Nase ist laut Kobr der „niederträchtige“ Besserwisser.

In einer Zeitreise in die 80er Jahre fährt indes die Familie Klein gerade früh los in Richtung Adria und spätestens am Grenzübergang in Pfronten – den es damals noch gab – gibt es zwischen Klüpfel und Kobr wieder „Sprachbarrieren“.

„Jetzt würde mich doch einmal die Geschichte hinter dem Wiener Dialekt vom Grenzposten in Pfronten interessieren“, wirft Kobr Klüpfel provokativ entgegen, als dieser den Tiroler Dialekt des Grenzers imitiert. Der „Wechseltiroler“ zieht sich jedoch gekonnt aus der Affäre und lässt das Publikum mit (Nach-)Hilfe einer Schleck-Muschel-Bestechung darüber abstimmen, ob seine Geschichte vom „Tiroler mütterlicherseits und Wiener väterlicherseits“ überzeugend ist.

Während dessen kann auch ein abgelaufener Pass von Familienvater Alexander Klein die Familie nicht auf ihrer Fahrt in Richtung Adria mit einer Reisegeschwindigkeit von 105 km/h aufhalten, zumindest solange nicht, bis sie im Stau steckenbleiben.

Zurück am Himmelshorn steigt Kommissar Kluftinger gerade auf Anraten seines Kollegen Strobl in das Börsengeschäft ein mit „Dings-Wertpapieren“, Geld in der „Klaut“, am liebsten einem „Offline-Depot“ und ausgedruckten Aktien – wer das Buch noch nicht kennt, dem sei gesagt, dass es sich allein für dieses Kapitel lohnt, es sich zu kaufen, will man wieder einmal Tränen lachen.

„Cocobello-Coco!“ ruft es da von der Adria, zu der wir wieder durch einen von Klüpfels Dark-Vader-Schnick-Schnack-Trick gelangt sind. Und so geht das den ganzen Abend bei ihrer „Lesung“ – mit sehr viel Spontaneität, sehr authentisch und urkomisch – auch wenn der Schlagabtausch der beiden Autoren an die Hass-Liebe bekannter Figuren erinnert wie Don Camillo und Peppone, Tom und Jerry, Stan Laurel und Oliver Hardy – oder eben Kommissar Kluftinger und sein Lieblingsfeind Dr. Langhammer.

Keiner von Ihnen wäre auch nur die Hälfte des Duos wert, beide zusammen sind jedoch ebenso unzertrennlich wie unschlagbar komisch, brillant und erfolgreich. Und Klüpel und Kobr sind das als Autorenduo nun seit fast 15 Jahren – Reschpekt, Zefix!

Denn schon im April dieses Jahres starten die beiden durch mit ihrer Jubiläumstour zur Feier ihrer 15-jährigen Koexistenz und ihres gemeinsamen 10. Kluftinger Krimis. „Kluftinger“ wird der neue Krimi heißen und dass dabei Kluftinger selbst in Lebensgefahr gerät, kündigt sich allein schon durch das Buchcover an, auf dem ein Holzkreuz abgebildet ist, worauf sein Name steht: „Kluftinger“. Ein makaberer Scherz? Eine Morddrohung? `Nix gnaus weiß ma no it´, also dürfen wir gespannt sein.

Fotos:
Bild 1: Volker Klüpfel
Bild 2: Michael Kobr
Bilder 3&4: Das Autoren-Duo Klüpfel und Kobr.
Fotos aus eigener Quelle (Christine Hassler).

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