Online-Umfrage zu den Memminger Bädern

25. Januar 2018 von Christine Hassler - 2 Comments

Im März dieses Jahres wird sich der Stadtrat unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit dem Thema Bäderfrage nochmals intensiv beschäftigen. Bis dahin möchten wir – auch auf Anfrage von Lesern – hier eine Online-Meinungsumfrage starten, die schnell und einfach online ausgefüllt werden kann. Doch bevor Sie sich eine Meinung bilden, hier nochmals alle verfügbaren Fakten und Infos rund ums Thema für Sie zusammengefasst:

Beschreibung der verschiedenen Optionen, die zur Diskussion stehen

Die verschiedenen Optionen, wie die Bäder in Memmingen zukünftig aussehen könnten und welche Kosten dafür notwendig wären, stellte Fabian Damm, Referatsleiter Bauwesen der Stadt Memmingen, während der Bürgerversammlung am 5. Dezember 2017 öffentlich vor.

Generalsanierung beider Bäder

Hallenbad – Generalsanierung

Eine Variante könnte die Generalsanierung des Hallenbades sein, die in 5 Bauabschnitten mit jeweils einer Schließzeit von zwischen 4 und 6 Monaten ablaufen müsste, um den Badebetrieb nicht völlig einstellen zu müssen.

Die 5 Bauabschnitte würden von einer Sanierung der Umkleiden und Innenausbaumaßnahmen, über eine Erneuerung der Badewasseraufbereitung und Beckendurchströmung, der Beckenauskleidung,

Boden- und Wandbeläge sowie der Sprunganlage reichen und auch die Gebäudehülle müsste ertüchtigt, das Dach saniert, die Fassadenbekleidung sowie die Glasfassade und Fenster erneuert werden.

Auch die Lüftungsanlage sowie die abgehängte Decke am Lehrschwimmbecken müsste erneuert werden, sowie eine Betonsanierung und Beschichtung der Stahlbetondecken erfolgen.

Etwa 7,1 Mio Euro würde die Generalsanierung des Hallenbades kosten, ohne eine weitere Attraktivitätssteigerung bzw. Erweiterung des bestehenden Hallenbades.

Hallenbad – Generalsanierung und Erweiterung

Eine weitere Variante könnte zur Sanierung eine Erweiterung und damit Attraktivitätssteigerung beinhalten in Form von einem zusätzlichen Kleinkinderbecken und einer Saunalandschaft sowie dem Anbau einer Schwimmhalle mit 2-3 Bahnen als 3-fach, oder 4-fach Übungsstätte.

Laut Baureferatsleiter Fabian Damm würde in Puncto Wirtschaftlichkeit die Kosten-Nutzen-Relation für die Lösung mit 3 Bahnen sprechen, die Förderfähigkeit seitens des Freistaates Bayern sei jedoch nur bei Bereitstellung weiterer Umkleiden, Sanitärräumen und 4 Übungseinheiten gegeben.

Zudem sieht er den zur Verfügung stehenden Platz für einen Saunabereich und Gastronomiebereich als schwierig an.

Bei Sanierung plus Erweiterung des Hallenbades muss allerdings mit einer längeren Schließzeit von 8-10 Monaten gerechnet werden, bevor die Schwimmhalle wieder in Betrieb genommen werden könnte.

Die Kosten würden sich bei Sanierung plus Erweiterungen auf etwa 11,6 Mio Euro belaufen und die attraktive Glasfassade nach außen würde dabei jedoch wegfallen – für Fabian Damm eine insgesamt problematische Lösung.

Freibad – Generalsanierung

Dazu käme bei der Variante „Generalsanierung beider Bäder“ eine Generalsanierung des Freibades.

Das Freibad, das in vielen Bereichen nicht mehr der aktuellen Norm entspricht (DIN 18025) und deren Bausubstanz stark in die Jahre gekommen ist, würde bei einer Generalsanierung Kosten von etwa 5,5 – 6 Mio Euro verursachen.

 

Eine Generalsanierung beider Bäder ohne Erweiterung bzw. Attraktivitätssteigerung liege somit bei etwa 7,1 + 5,8 Mio = rund 13 Mio Euro,

eine Generalsanierung mit Erweiterung bzw. Attraktivitätssteigerung liege bei 11,6 + 5,8 Mio = etwa 17,4 Mio Euro.

Neubau eines Kombi-Bades

Als Siegerentwurf des Architektenwettbewerbes von 2008 stellte Fabian Damm den Entwurf für ein kombiniertes Hallen- und Freibad vor, der auf den bisherigen Standort des Freibades zugeschnitten ist.

Mit einem zweigeschossigen Rücken zur Stadt hin wurde darin eine zum Freigelände hin verglaste Badehalle mit einer Verzahnung von innen und außen angedacht. Das Hallenbad wäre darin als markanter Eckpunkt im heterogenen Umfeld der Stadtbad-Alle geplant.

Die Pluspunkte dieses Entwurfs sah das Preisgericht des Architektenwettbewerbes in vielen Punkten:

Die Gebäudesituierung sei überzeugend und die Freiraumgestaltung Baumbestand schonend.

Die Eingangssituation habe eine klare Orientierung, die Anordnung des Gastronomiebereiches habe einen geschickten Bezug zum Foyer wie auch zur Badehalle und dem Außenbereich.

Der Bezug von der Badehalle zum grünen Außenraum sei großzügig durch raumhohe Glasflächen.

Zudem sei der darin vorgesehene Saunabereich im Obergeschoß gut erschlossen, separat nutzbar und erlaube eine großzügige Sicht sowohl in den Bäderbereich als auch zum Außenraum.

Die Anordnung der Wasserflächen wäre in diesem Entwurf kompakt und lässt zusammenhängende Ruhezonen zu.

Insgesamt schaffe dieser Plan eine dynamische Freizeitlandschaft, die allen Besuchern gerecht werde:

Ein Hallenbad mit Sportbecken und acht Bahnen mit 25 Metern, einer 3-Meter-Sprunganlage, einem Lehrschwimmbecken, Kinderplanschbecken, Freizeitbecken und einer Röhrenrutsche. Und dazu ein Freibad mit acht Sportbecken je 50 Meter Länge, einem Nichtschwimmerbecken, Kinderplanschbecken, einem Spielplatz, einer Warmumkleide und einer Gastronomie mit Terrasse.

Kosten eines neuen Kombi-Bades und weitere Faktoren

Kostenpunkt für die Umsetzung dieses Entwurfes eines neuen Kombi-Bades: etwa 33 Mio Euro.

Für die Bauzeit eines Erlebnisbades müssen zwischen 18 und 30 Monaten gerechnet werden, wie die Bauzeiten anderer Erlebnisbäder zeigen.

Die Lebensdauer eines solchen Bades beträgt je nach Qualität des Baus und der verwendeten Baustoffe von 30 bis zu 50 Jahren, wobei einzelne Bereiche meist schon früher Teil-Sanierungen erfordern.

Die Eintrittspreise für ein solches neues Bad würden sich dabei von einem aktuell in Memmingen vergleichsweise sehr niedrigen Preis an das Niveau von vergleichbaren Bädern in der Region anpassen.

Sollte die Entscheidung für den Neubau eines Kombi-Bades fallen, könnte das Hallenbad mit einem Aufwand von ca. 250-600 Tausend Euro so saniert werden, sodass es für weitere ca. fünf Jahre genutzt werden könnte, verdeutlichte Fabian Damm.

Er gab jedoch zu bedenken, dass mit einem deutlich höheren Sanierungsaufwand zu rechnen ist, sollte das Hallenbad im jetzigen Zustand deutlich länger in Betrieb bleiben, denn auch die Notwendigkeit der Erneuerung der Elektroinstallationen etc. sei in etwa fünf Jahren absehbar.

Deshalb sei eine zeitnahe Entscheidung sehr wichtig, betonte auch Oberbürgermeister Manfred Schilder abschließend bei der Bürgerversammlung am 5. Dezember 2017.

Welche Standorte sind im Gespräch?

Drei mögliche Standorte wurden bislang diskutiert:

Der jetzige Standort des Freibades im Memminger Osten würde bedeuten, dass ein Plan (der des Gewinners des Architektenwettbewerbs) bereits fertig vorliegt, das Grundstück der Stadt gehört und die Anbindung bereits gefestigt ist.

Der Standort im Memminger Westen nahe Möbel Wassermann würde hingegen bedeuten, dass es noch keine Pläne dazu gibt, die Grundstücke nicht der Stadt gehören und die Planungsphase auch durch Grundstückserwerb verlängert würde.

Für den Standort im Norden, Gemarkung Amendingen, würden die gleichen Bedingungen gelten wie im Memminger Westen (kein Plan vorhanden, Grundstücke nicht im Besitz der Stadt).

Positionierung der Partei-Fraktionen im Stadtrat und weitere interessante Inputs

Ein Argument, das bis zu diesem Zeitpunkt in der ganzen Diskussion um die Bäderfrage etwas vernachlässigt wurde, waren Überlegungen zu vernünftigen, auf lange Dauer ausgelegte Energiekonzepte – denkbar allerdings nur im Zusammenhang mit einem neuen Kombi-Bad.

Vor dem Hintergrund, dass das Memminger Freibad laut Sportamt seit Mitte der 50er Jahre existiert und das Hallenbad seit 1968, gehen die Nutzungszeiträume von einem neuen Bad aller Voraussicht nach weit über 30 Jahre hinaus bis zu 50 Jahre und gerade die Energieversorgung wird langfristig ein zentrales Thema sein, sowohl was die Kosten angeht, als auch unseren Umweltauftrag.

Denn unseren Umweltauftrag erfüllen wir in Memmingen bis dato nicht, wie im Energiebericht für 2016 ersichtlich wurde. (Wir berichteten, Bericht hier verlinkt)

Deshalb möchte ich mit einem Input hierzu beginnen, das nicht wie vielleicht erwartet von Seiten der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Stadtrat, sondern in Ansätzen von der SPD, detaillierter noch vom Christlichen Rathausblock (CRB) kam.

CRB

Beim Neujahrsempfang des CRB stellte Helmuth Barth das Erlebnisbad in Bamberg vor. Das Besondere an diesem Bad ist der energietechnische Lösungsansatz: Es handelt sich dabei um ein Passivhaus-Hallenbad mit eigenem BHKW, welches 65 % Energie aus nachwachsenden Rohstoffen bezieht, 75 % weniger Wärmeverlust aufweise und 80 % weniger CO² Emissionen.

Zudem bewirke die energiesparende Gebäude- und Wärmeaufbereitungstechnik große Einsparungen beim Endenergieverbrauch: bei der Wärme 56 %, beim Strom 22 % und beim Wasser 29 % an Einsparungen.

Und das bei in etwa den gleichen Investitionskosten, wie der 2008 erarbeitete Architekten-Entwurf, der bis dato als einziger in der Diskussion im Raum steht.

Beide Modelle belaufen sich auf Kosten von rund 33 Mio Euro, allerdings beinhaltet eine Lösung wie die des Bamberger Bades ein langfristiges, enormes Energieeinsparpotential durch die nachhaltige Energiebewirtschaftung eines Passivhauskonzeptes.

Die CRB-Fraktion bekennt sich zusammenfassend zu einem Neubau eines Ganzjahresbades mit Wellnessbereich, plädiert dafür, nur noch eine Notsanierung der alten Bäder vorzunehmen und idealerweise eine intelligente und nachhaltige Energielösung für ein neues Bad anzustreben.

CSU

Stellvertretend für die CSU-Fraktion sprach sich auch Stefan Gutermann bei einer Stadtratssitzung für den Neubau eines Kombi-Bades aus, hält jedoch an dem 2008 erstellten Architekten-Entwurf fest. Er begründete die Position damit, dass die Zeit mittlerweile dränge:

Weitere Diskussionen oder Entwürfe könnten dazu führen, dass durch den weiteren zeitlichen Aufschub noch mehr Gelder als bisher eingeplant in die Instandhaltung der bestehenden Bäder investiert werden müssten, um sie bis zum Zeitpunkt der Eröffnung eines neuen Bades nutzbar zu erhalten.

SPD/FDP

Auch Matthias Ressler plädierte im Namen der SPD- und der FDP-Fraktion im Stadtrat gegen weitere Sanierungen und für den Neubau eines Kombi-Bades. Ein „selbstbewusstes Oberzentrum wie Memmingen“ brauche ein modernes Bad, in dem gebadet, relaxed und Sport getrieben werden könne, betonte er beim Dreikönigstreffen. Die SPD wolle auf eine Grundsatzentscheidung in der ersten Jahreshälfte drängen.

Beim Infostand der SPD am Weinmarkt im November 2017 wurden als Vorteile eines Neubaus mehr Besucher und Mehreinnahmen durch die Steigerung der Attraktivität genannt, die mögliche Umsetzung eines modernen Energiekonzeptes, geringere Unterhaltskosten pro Quadratmeter und die Bademöglichkeit im Sommer.

Unter Nachteile wurden die höheren Kosten, die dadurch vermehrte Mittelbindung für die Stadt und eine Steigerung der Eintrittspreise verbucht. Allerdings wurde unter der Listung von Vor- und Nachteilen darauf hingewiesen, dass sich die Eintrittspreise auch bei einer aufwendigen Generalsanierung, die mindestens weitere 20 Jahre Badebetrieb gewährleisten müsste, erhöhen würden.

Bündnis 90/Die Grünen

Eben die Eintrittspreise sind aus Sicht von Corinna Steiger, stellvertretend für die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Stadtrat, der Grund, warum sie für eine Sanierung der Bäder einstehe. Sie befürchtet, dass sich durch eine Preissteigerung viele finanziell weniger gut situierte Bürger/innen und Familien den Besuch im öffentlichen Bad nicht mehr leisten könnten. Das könnte nach ihren Einschätzungen bis zu 20 % der Memminger Bevölkerung ausmachen, argumentierte sie.

ÖDP

Dieter Buchberger vertrat bei der ÖDP-Dreikönigsversammlung ebenfalls die Meinung „Neu muss nicht unbedingt sein“, zumal man bereits 1,5 Millionen in die Sanierung des Hallenbades gesteckt habe. Ein neues Kombi-Bad würde mit gut 30 Millionen doppelt so teuer zu Buche schlagen als die Generalsanierung von Hallen- und Freibad zusammen. Viel wichtiger sei es, mehr Personal einzustellen, um die Öffnungszeiten auszubauen.

Zudem sei der städtische Haushalt durch „einen Stapel großer Vorhaben gefordert“. Hier nannte Buchberger die Generalsanierung mehrerer Memminger Schulen.

Ihre Meinung dazu

Im März dieses Jahres wird sich der Stadtrat unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit diesem Thema nochmals intensiv beschäftigen. Bis dahin möchten wir – auch auf Anfrage von Lesern – hier eine Online-Meinungsumfrage starten.

Das Online Formular finden Sie auf unserer Facebookseite.

2 Antworten zu “Online-Umfrage zu den Memminger Bädern”

  1. Die sinnvollste Option ist m.E. der Neubau eines Kombi-Bads im Memminger Westen. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich bereits zahlreiche Sportstätten, sodass in diesem „Sport-Quartier“ sämtliche Sportarten ausgeübt werden könnten.
    Die Nähe zur Eissporthalle wäre die Basis für ein cleveres Energiekonzept (Abwärme der Kühlung für die Erwärmung des Bades). Durch diese Kombination wäre eine deutliche Ausweitung der Eiszeiten in die Sommermonate sinnvoll und finanzierbar. Durch die Einbettung ins Sportquartier wäre Memmingen ein Ort mit optimalen Rahmenbedingungen für den Eissport und ließe sich künftig als Kompetenzzentrum vermarkten. Die Attraktivität der Region sowie die hervorragende Verkehrsanbindung durch Autobahnkreuz und Flughafen sind in diesem Zusammenhang Erfolgsgaranten.
    Eishockey-Trainingslager, Vorbereitungsspiele, Turniere, etc. wären die logische Folge.
    Durch die Ansiedlung des Bades gilt das beschriebene Szenario beinahe für alle Sportarten.
    Die Attraktivität der Sportstadt Memmingen würde deutlich gestärkt. Die Effekte für die Gastronomie, Hotelerie und Einzelhandel wären enorm.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.