Arbeitsmarkt im Januar unter Jahreszeiteinfluss

1. Februar 2018 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Geringerer Zuwachs an arbeitslosen Menschen im Januar als im Vorjahr – Arbeitslosenquote steigt auf 2,9 Prozent, bleibt aber unter dem Wert von 2017 – Mehr als 1.200 neue Stellenangebote – Minijob als Beschäftigungsbrücke im Fokus

Zum Jahresauftakt waren im Allgäu mehr Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen. Vor allem in Außenberufen beschäftigte Menschen und aus saisonalen Gründen nach dem Weihnachtsgeschäft meldeten sich eine ganze Reihe von Kräften vorübergehend bei den Vermittlern neu arbeitslos.

„Auch aufgrund der milden Temperaturen fiel der Zuwachs an vorübergehend arbeitslosen Menschen im Januar niedriger aus als im vergangenen Jahr. Viele Betriebe waren weiter auf der Suche nach Personal, denn sie stellten quer durch viele Branchen zahlreiche Beschäftigungsmöglichkeiten zur Verfügung“, so Maria Amtmann, Leiterin der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen. „Betriebe bieten unterschiedliche Arbeitszeitmodelle um Mitarbeiter zu halten oder neue Beschäftigte zu gewinnen.“

Arbeitslose Menschen im Gesamtbild

Im Januar waren etwas mehr als 10.600 Frauen und Männer im bayerischen Teil des Allgäus arbeitslos gemeldet, gut 1.000 mehr als im Monat zuvor.

Die Arbeitslosenquote ging im Monatsvergleich um 0,3 Prozentpunkte nach oben. Mit einem Wert von 2,9 Prozent lag sie jedoch unterhalb des Wertes von Januar 2017, als die Arbeitslosenquote einen höheren Wert von 3,2 Prozent anzeigte.

Arbeitgeber stellten insgesamt knapp 6.800 Stellenangebote für Vermittlungsaktivitäten zur Verfügung, elf Prozent mehr als im Januar des Vorjahres.

Die anhaltend gute Entwicklung des Arbeitsmarktes wird im mehrjährigen Vergleich der Arbeitslosenquoten sichtbar.

Neu arbeitslos gemeldete Menschen

Aktuell sprachen 2.674 Frauen und Männer neu bei den Vermittlern vor, die zuletzt eine Erwerbstätigkeit ausgeübt hatten.

Schwerpunkte bei Neumeldungen

  • Bereich Garten-/Landschaftsbau: 76 Kräfte meldeten sich neu arbeitslos.
  • Baubereich: 170 Männer sowie 190 Maler, Trockenbauer, Zimmerer und Mitarbeiter aus artverwandten Tätigkeiten sprachen bei den Arbeitsvermittlern vor.
  • Bereich Büro, Sekretariat und Verkauf: 260 Menschen waren neu betroffen.
  • Logistikbranche: 130 Mitarbeiter meldeten sich neu arbeitslos.

Gleichzeitig begannen im Januar 1.600 arbeitslos gemeldete Menschen wieder eine neue Tätigkeit, die höchste Zahl seit Mai des vergangenen Jahres.

Insgesamt hat die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse im Allgäu in den vergangenen Jahren weiter zugenommen. Das gilt für sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse wie auch für geringfügige Beschäftigungen.

Sprungbrett Minijob

Geringfügige Beschäftigungen sind beliebt. Sie können den Weg zurück ins Erwerbsleben ebnen und sorgen für ein zusätzliches Einkommen.

Im Bereich der geringfügigen Tätigkeiten war im Allgäu ein Zuwachs zu verzeichnen. Zuletzt arbeiteten im Juni 2017 gut 2.100 Menschen oder knapp 3 Prozent mehr in einem 450-Euro-Job als ein Jahr zuvor.

Ausschließlich Minijob und zusätzlich zur Hauptbeschäftigung

Während sich die Zahl der ausschließlich geringfügig Beschäftigten kaum veränderte, war das Plus bei Menschen, die zusätzlich zu ihrem Hauptberuf eine Nebenbeschäftigung ausübten, ausgeprägt. Zwischen Juni 2016 und Juni 2017 nahm ihre Zahl um gut 2.000 beschäftigte Minijobber zu.

Auch in einem längeren Betrachtungszeitraum hat sich die Zahl der Minijobs im Allgäu deutlich erhöht – dasselbe gilt übrigens auch für sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse.

Waren Ende Juni 2007 insgesamt 61.650 Menschen in einem Minijob tätig, so arbeiteten im Juni 2017 bereits annähernd 76.000 Frauen und Männer auf geringfügiger Basis.

Branchenschwerpunkte bei den Minijobs

Bei Betrachtung der Branchen, in denen Minijobber vorwiegend eingesetzt sind, kristallisieren sich einige Schwerpunkte heraus.

  • Handel: Knapp 12.000 geringfügig Beschäftigte sind im Handel tätig,
  • Gastgewerbe: ähnlich viele Menschen arbeiten auf Minijobbasis im Gastgewerbe. Beide Bereiche umfassen jeweils 15 Prozent aller geringfügig tätigen Menschen im Allgäu.
  • Dienstleistungssektor: Gut 8.000 Frauen arbeiten im Dienstleistungssektor – vorwiegend in privaten Haushalten – auf 450-Euro-Basis.
  • Erziehung, Pflege und allgemeine Dienstleistungen: bilden weitere Branchen für Einsätze auf geringfügiger Basis.

Überwiegend Frauen in Minijobs

Die geringfügige Beschäftigung ist stark weiblich geprägt. Mehr als 60 Prozent im Minijob tätigen Personen sind Frauen.

Ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis kann nach einer familiären Pause einen Einstieg ins Erwerbsleben anbahnen. Insbesondere in Verbindung mit beruflicher Qualifizierung bietet sich die Chance auf eine Stabilisierung in Richtung sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung.

Die derzeit gute Situation auf dem Arbeitsmarkt mit einem hohen Angebot an qualifizierten Stellenangeboten bietet dafür günstige Voraussetzungen.

Unter dem Motto „Minijob- da geht noch mehr“ informiert die Agentur für Arbeit im Februar an ihren Standorten in Kempten, Memmingen und Lindau im Rahmen einer Wanderausstellung über verschiedene Aspekte dieser Beschäftigungsvariante.

Geringfügige Beschäftigung

Eine geringfügige Beschäftigung ist ein Beschäftigungsverhältnis, bei dem das Arbeitsentgelt eine bestimmte Grenze nicht überschreitet (derzeit 450 Euro) oder das nur kurz dauert (im Lauf eines Kalenderjahres nicht mehr als 3 Monate oder 70 Kalendertage).

Aufgrund der aktuellen Verdienstgrenze ist im allgemeinen Sprachgebrauch vielfach von 450-Euro-Jobs oder Minijobs die Rede. Geringfügig Beschäftigte sind selbst nicht versicherungspflichtig in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. In der Rentenversicherung sind Minijobber versicherungspflichtig, sie können sich davon jedoch befreien lassen.

Für eine Beschäftigung im Privathaushalt ist für Arbeitgeber eine niedrige Pauschale von 14,74 Prozent fällig. Bei 450-Euro-Jobs in gewerblichen Betrieben fällt ein höherer Pauschbetrag an.

Minijobber haben dieselben Rechte wie sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (z.B. Urlaub, Fortzahlung im Krankheitsfall). Auch im Minijob gilt der Mindestlohn von z.Zt. 8,84 Euro/Stunde.

Die Minijob-Zentrale ist der kompetente Ansprechpartner für eine Anmeldung und weitere  Fragen (www.minjob-zentrale.de).

Nachfrage nach Arbeitskräften

Der Jahresauftakt zählt meist zu den Zeiträumen, in denen Arbeitgeber einen niedrigeren Bedarf an Arbeitskräften äußern. Betriebe stellten im Januar etwas mehr als 1.200 Stellenangebote neu zur Verfügung, 360 weniger als im Monat zuvor. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das ein Plus von gut 140 neu hereingegebenen Angeboten.

Schwerpunkte bei den Stellenangeboten

  • Fahrzeug- und Maschinenbau sowie
  • Metallbearbeitung: 170 Stellen boten Arbeitgeber hier neu zur Besetzung an.
  • Tourismus: 160 zusätzliche Kräfte waren hier gefragt, sei es als Koch oder im Gästeservice.
  • Pflegesektor: bot einige neue Arbeitsplätze für Kranken- bzw. Altenpfleger zur Besetzung an.
  • Erziehung: 30 neue Arbeitsplätze galt es mit Erzieherinnen und Heilerziehungspfleger zu besetzen.

Insgesamt stellten Arbeitgeber im Januar knapp 6.800 Arbeitsstellen zur Verfügung.

Regionale Entwicklungen im Jahresvergleich

Im Vergleich zum Januar des vergangenen Jahres verbesserte sich die Arbeitslosenquote im Agenturbezirk um 0,3 Prozentpunkte auf aktuell 2,9 Prozent. Das bedeutete gleichzeitig den niedrigsten Januarwert der letzten zehn Jahre.

Das günstige Gesamtergebnis setzte sich auch in allen Wirtschaftsräumen des Allgäus fort. Überall lag die Arbeitslosenquote niedriger als im Januar des Vorjahres. Die überwiegende Zahl der Regionen erreichte auch im Januar eine Zwei vor dem Komma.

Den niedrigsten Wert im Agenturbezirk gab es in den Wirtschaftsräumen Memmingen, Mindelheim und Marktoberdorf mit einer Arbeitslosenquote von jeweils 2,5 Prozent.

Es folgten die Region Kempten und der Landkreis Lindau mit Ergebnissen von 2,8 bzw. 2,9 Prozent.

Die im Jahresvergleich beste Entwicklung legte der Wirtschaftsraum Kaufbeuren mit einem Rückgang um 0,6 Prozentpunkte auf eine aktuelle Quote von 3,5 Prozent hin.

Unterschiede in Arbeitslosenversicherung und sozialer Grundsicherung

Seit Einführung der sozialen Grundsicherung („Hartz IV“) werden arbeitslose Menschen von der Agentur für Arbeit und in den Jobcentern betreut. Insbesondere wegen einer Reihe von vorübergehenden Arbeitslosmeldungen aus Außenberufen sowie Tourismus, Logistik und Büroberufen nahm die Zahl arbeitsloser Menschen bei den Dienststellen der Arbeitsagentur im Januar stärker als in den Jobcentern zu.

Die Arbeitsagentur: betreute aktuell 6.643 Kräfte, 765 mehr als im Dezember.

Die sieben Jobcenter: waren im Bereich der sozialen Grundsicherung für knapp 4.000 arbeitslose Frauen und Männer zuständig, gut 250 Menschen mehr als im Vormonat.

In diesem Bereich gilt es zu beachten, dass weitere Personenkreise von den Mitarbeitern des Jobcenters betreut werden. Zahlreiche Menschen gelten als nicht arbeitslos im Sinne des Gesetzgebers, weil sie kleine Kinder betreuen, Angehörige pflegen oder sich in einer Qualifizierung befinden.

Ausblick

Die Entwicklung des Arbeitsmarktes hängt in den nächsten Wochen weiter von Witterungseinflüssen ab. In den vergangenen Jahren waren die ersten beiden Monate des Jahres meist mit mehr arbeitslosen Menschen verbunden.

Falls sich der Winter in diesem Jahr noch mit tieferen Temperaturen zurückmeldet, verhindert das ein reibungsloses Fortsetzen verschiedener Arbeiten im Freien. Einer Reihe von Beschäftigten in Außenberufen droht in diesem Fall eine vorübergehende Entlassung bis mit steigenden Temperaturen die unterbrochenen Arbeiten wiederaufgenommen werden.

Weiter stabilisierend auf den regionalen Arbeitsmarkt wirkt die gute Auftragslage in vielen Betrieben, die für eine anhaltende Nachfrage nach Arbeitskräften sorgt.

Darstellung nach Wirtschaftsräumen/Regionen

Darstellung nach kommunalen Strukturen

Titelbild:
Bildquelle: Pixabay

Grafiken:
Bildquelle: Agentur für Arbeit Kempten – Memmingen.

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