Die Green Factory 2.0 der Alois Müller Gruppe nimmt Gestalt an

3. Februar 2018 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Nach einer intensiven, rund sechsmonatigen Bauzeit hat die Green Factory 2.0 der Alois Müller Gruppe in Ungerhausen bereits Gestalt angenommen. Am vergangenen Donnerstag feierte Alois Müller Richtfest des weltweit größten nahezu energieautarken Produktions- und Bürogebäudes.

Ungerhausen/Memmingen (jm/ch). Den Namen „Green Factory“ verdient sich das Produktions- und Dienstleistungsunternehmen für Anlagenbau, Energie- und Gebäudetechnik der Alois Müller Gruppe durch seine nahezu vollständige Energieautarkie mit zusätzlichem Beitrag zur E-Mobilität:

Etwa 90 Prozent der benötigten Energie für Strom, Kälte, Wärme und Druckluft für die Produktions- und Bürogebäude wird von der eigenen Photovoltaikanlage produziert, weitere etwa 10 Prozent deckt ein Blockheizkraftwerk (BHKW) ab. Die Energiekosten und der CO2-Ausstoß sinken damit annähernd auf Null.

Gesteuert wird das Energiemanagement-System von der E-Con AG, den Spezialisten für Energieconsulting und -contracting der Alois Müller Gruppe.

Überschüssige Kälte- und Wärmeenergie geht in ein gemeinsames Netz, so werden die benachbarten Firmen in Ungerhausen gleich mitversorgt. Erzeugter Strom, der in der Green Factory nicht benötigt wird, wird in das allgemeine Stromnetz eingespeist und vergütet.

Als Beitrag zur E-Mobilität werden zudem acht E-Ladesäulen vor Ort zur allgemeinen Nutzung für jedermann zur Verfügung gestellt.

Auf einer Fläche von 18.000 m2 entsteht so derzeit unter Federführung des Memminger Bauunternehmens Josef Hebel GmbH & Co das größte nahezu energieautarke Produktions- und Bürogebäude der Welt.

Schon bald wird produziert

Der Rohbau ist mittlerweile fertig, bereits ab April startet die Fertigung in den neuen Produktionsflächen und bis spätestens Anfang 2019 soll dann auch der Umzug der Verwaltung von Memmingen nach Ungerhausen erfolgen.

„Dass wir bereits gut ein halbes Jahr nach dem offiziellen Spatenstich schon das Richtfest der Green Factory 2.0 feiern können zeigt einmal mehr, wie erstklassig alle Beteiligten an diesem Projekt zusammenarbeiten“, so Geschäftsführer Andreas Müller.

Sein Dank galt neben dem Bauunternehmen Josef Hebel und den verlässlichen Facharbeitern, die er für ihren Arbeitseinsatz lobte, auch der Politik: „Ohne die politischen Rahmenbedingungen wäre ein solches Projekt nicht denkbar“.

Damit richtete er sich an den anwesenden Bayerischen Staatssekretär für Wirtschaft & Medien, Energie & Technologie Franz Josef Pschierer, sowie den Landtagsabgeordneten Klaus Holetschek, Staatsminister a.D. Josef Miller, Landrat Hans-Joachim Weirather und nicht zuletzt an Ungerhausens Bürgermeister Josef Fickler.

Jedoch bat Andreas Müller die politischen Vertreter, sich intensiv mit einem Problem auseinanderzusetzen, welches moderne Unternehmen stark beeinträchtige: „Dass Bayern noch nicht über ein flächendeckendes Internet verfügt, macht das Leben für moderne Unternehmen sehr schwierig. Wie sollen wir digitalisieren, ohne flächendeckende Internetverbindung?“ Um konkurrenzfähig zu bleiben, sei es absolut notwendig, viele Bereiche zu digitalisieren.

Auch kritisierte er die Problematik, die sich durch die letzten Änderungen der EEG-Vergütung für erneuerbare Energien ergeben. Umweltbewusste Unternehmen hätten eigenes Geld investiert, um energietechnisch autonomer zu sein und ihren Umweltbeitrag zu leisten, seien 2-3 Jahre gefördert worden und müssen nun auf diese Anreize verzichten, die sie in die Investitionskosten bereits einkalkuliert hatten – der plötzliche „Full Stop“ bestrafe gerade die Unternehmen, die sich für das Erreichen der Klimaziele einsetzten, betonte der Unternehmer.

Lob und Unterstützung seitens der Politik

Staatssekretär Franz Josef Pschierer lobte das innovative Unternehmen der Alois Müller Gruppe als „Gestalter der Energiewende“, der es zukünftig schaffe, mit weniger und erneuerbarer Energie seine Produktion sogar zu steigern.

Auch für seine modernen Ausbildungs- und Arbeitsplätze lobte er den „Pionier“. Insgesamt sei ihres ein „Vorzeigeunternehmen“, das sich in drei Generationen aus einem traditionellen Familienunternehmen zu einem sehr modernen Unternehmen mit 350 Mitarbeitern entwickelt hat.

Auch der Standort sei top gewählt, so Staatssekretär Franz Josef Pschierer, ebenso wie der Zeitpunkt der Investition. Im Zuge der Politik gegen Flächenversiegelung im Freistaat würden in Zukunft Baumaßnahmen mehr unter die Lupe genommen, erklärte Franz Josef Pschierer. Die Entwicklung der Industrie solle vernünftig gestaltet werden, ohne sie jedoch zu hindern – die Zusammenarbeit mit der Kommunalpolitik sei daher wichtiger denn je.

In Puncto flächendeckendes Internet gab Franz Josef Pschierer dem Unternehmer recht: „Wir haben in Bayern nun rund 80 Mio Euro in die Hand genommen und wollen damit die Infrastruktur ausbauen – unter anderem Funkmasten errichten. 80% der Kosten dafür wird der Freistaat übernehmen, 20% fallen auf die Kommunen“.

Er appellierte in Richtung Bürgermeister Josef Fickler stellvertretend an alle Bürgermeister, dafür ihrerseits die Mittel zur Verfügung zu stellen – schließlich erhielten sie im Anschluss Miete der Mobilfunkbetreiber, sodass sich die Investitionskosten amortisierten.

Landtagsabgeordneter Klaus Holetschek lobte den „Mut zur Verantwortung“, sowohl was die Umwelt betreffe, als auch seinen Auftrag als Arbeitgeber. Die Politik sei darum bemüht, die Voraussetzungen für derart innovative und vorausschauende Unternehmen zu schaffen und zu gewährleisten, denn „Unternehmen wie dieses sind die Zukunft“.

Auch im Namen des anwesenden Staatssekretärs a.D. Josef Miller wünschte er dem Unternehmen weiterhin gutes Gelingen und versicherte, sich auch in Sachen Fernnetz-Modelle auf kommunaler Ebene einzubringen.

Landrat Hans-Joachim Weirather zeigte sich tief beeindruckt über die Entwicklung der Alois Müller Gruppe, die sich innerhalb von 45 Jahren von einem kleinen „Start-Up“ zu einem innovativen, mittelständischen Unternehmen entwickelt habe, welches unternehmerische Effizienz mit umwelttechnischem Nachhaltigkeitsgedanken zu verbinden vermag.

Ungerhausens Bürgermeister Josef Fickler sagte dem Unternehmen auch weiterhin Unterstützung seitens der Kommune zu und wies darauf hin, dass Ungerhausen einen neuen Funkmast plane, der Vertrag der Deutschen Telekom liege bereits vor.

Die neue Green Factory 2.0

Die bereits seit 2012 bestehende ca. 4.000 m2 große Green Factory der Alois Müller Gruppe wird im Zuge der aktuellen Baumaßnahmen nochmals um 10.000 m2 an weiteren Produktions- und Lagerflächen sowie weiteren 4.000 m2 für Büro, Verwaltung, Schulung und Kantine erweitert.

In der neuen Fabrik, die schrittweise ab Frühjahr 2018 in Betrieb genommen wird und deren Bau von der Europäischen Union finanziell gefördert wird, fertigt die Alois Müller GmbH in Zukunft hauptsächlich Energiemodulsysteme und weitere versorgungstechnische Komponenten des Anlagenbaus, wie zum Beispiel Rohrleitungssysteme aus Stahl und Edelstahl.

Bereits vor sechs Jahren hat die Alois Müller GmbH die erste Green Factory gebaut, um den Grad der Vorfertigung deutlich zu erhöhen und den Kunden so eine deutlich höhere Qualität anbieten zu können.

„Diese Strategie ist voll aufgegangen und so war es für uns nur folgerichtig, den nächsten Schritt in diese Richtung zu gehen, damit wir diesen Wachstumsmarkt auch in Zukunft bedienen können. Dazu mussten wir selbst weiterwachsen und in modernste Technologien investieren“, erklärte Andreas Müller.

Ressourcenschonende Produktionsumgebung in Vorbildfunkton

Der Blick geht dabei in zwei Richtungen: Auf der einen Seite will Müller der Industrie am eigenen Beispiel vorleben, wie sich nachhaltige, ressourcenschonende Produktionsumgebungen in der Praxis realisieren lassen.

„Für viele Unternehmen wird es in Zukunft darum gehen, dezentrale Kraftwärmekopplung und Photovoltaikanlagen miteinander zu kombinieren, damit sie den PV-Strom bestmöglich selbst nutzen können. Das ist die neue Art der Nachhaltigkeit, die sich in den kommenden Jahren in der Industrie durchsetzen wird. Unser Konzept der Green Factory geht da bereits zu 100 Prozent auf. Wenn jede Fabrik auf der Welt eine Green Factory wäre, hätten wir die Energiewende längst abgeschlossen“, so Müller.

Innovativer Arbeitgeber

Auf der anderen Seite positioniert sich die Alois Müller Gruppe mit der Neuinvestition auch als innovativer Arbeitgeber mit Top-Arbeitsbedingungen.

„Wir arbeiten als Dienstleister für bedeutende Unternehmen der deutschen Wirtschaft. Dafür brauchen wir die besten Mitarbeiter. Und die bekommen wir nur, wenn wir ihnen die besten Arbeitsbedingungen bieten“, so Müller.

So werden in der Green Factory 2.0 nicht nur modernste High-Tech-Anlagen installiert, auch das Büro- und Verwaltungsgebäude wird wie ein Campus gestaltet und mit modernen Schulungsräumen sowie einer Kantine für die Mitarbeiter der Müller-Gruppe ausgestattet.

Besonderer Fokus liegt dabei auch auf der Ausbildung des Nachwuchses und so ist die Produktionshalle gleichzeitig auch Ausbildungshalle. Am Standort in Ungerhausen erlernen die Auszubildenden ihre Berufe in einer der modernsten und gleichzeitig energiesparendsten Ausbildungshallen des SHK-Handwerks überhaupt.

Produktion von Memmingen nach außen verlegt

Im Zuge der Erweiterung der „Green Factory“ wird der gesamte Anlagenbau der Alois Müller GmbH stückweise von Memmingen nach Ungerhausen verlegt. Lärm- und verkehrsintensive Arbeiten werden so vorausschauend an die Autobahn verlagert.

Die Hauptverwaltung der Alois Müller GmbH sowie die Schwerpunkte „Engineering“ und „Service“ bleiben weiterhin am Standort in Memmingen. „Durch das Splitting schaffen wir die optimalen Bedingungen für die unterschiedlichen Arbeitsfelder. So schaffen wir den Raum, dass wir langfristig in allen Bereichen nachhaltig wachsen können. Und das ist dringend nötig“, so Müller.

Vom traditionellen Familienbetrieb zum innovativen, mittelständischen Unternehmen

Die Alois-Müller-Firmengruppe ist innerhalb der vergangenen 44 Jahre vom traditionellen Familienbetrieb zum mittelständischen inhabergeführten Unternehmen mit ca. 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an zehn Standorten gewachsen.

Das Unternehmen gilt als Spezialist für Anlagenbau, Energie- und Gebäudetechnik (Heizung, Lüftung, Sanitär und Klimatechnik) und stellte sein Know-how bereits bei vielen interessanten Projekten unter Beweis. So waren die Spezialisten der Alois Müller GmbH unter anderem am Neubau der Allianz Arena in München sowie europaweit an vielen Industrie-Großprojekten beteiligt.

Weitere Infos

Alois Müller GmbH, www.alois-mueller.com.

Fotos:

Bild 1:  Richtfest der Green Factory 2.0 der Alois Müller Gruppes: Zimmerer Markus Heel von der Firma Rampp Flachdach aus Erkheim beim Richtspruch.

Bild 2: Geschäftsführer Andreas Müller beim Hebauf.

Bild 3: Viel Lob gab es von Seiten der Politik. Hier im Bild (v. li.): Staatssekretär Franz Josef Pschierer, Landtagsabgeordneter Klaus Holetschek und Landrat Hans-Joachim Weirather.

Bild 4: Als Ehrengäste kamen zum Hebauf (v. li.): Josef Fickler, Bürgermeister von Ungerhausen, Bayerns Ex-Landwirtschaftsminister Josef Miller, die beiden Geschäftsführer Steffen und Andreas Müller, Staatssekretär Franz Josef Pschierer, Landtagsabgeordneter Klaus Holetschek, Hebel-Geschäftsführer Wolfgang Dorn sowie der Unterallgäuer Landrat Hans-Joachim Weirather.

Bild 5: Drei Generationen der Familie Müller waren beim feierlichen Richtfest vor Ort: Geschäftsführer Andreas Müller (Mitte) mit Familie und Vater und Firmengründer Alois Müller (2. v. re.)

Fotos aus eigener Quelle (Christine Hassler).

 

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