Guter Februar im Allgäuer Arbeitsmarkt

1. März 2018 von Christine Hassler - Keine Kommentare

1.400 weniger arbeitslose Menschen als im Februar 2017 – Stabile Arbeitslosenquote von 2,9% gegenüber 5,7% im Bundesschnitt – Pendler im Allgäu: Interessanter Blick auf die Pendler-Aktivitäten in Memmingen und dem gesamten Allgäu

Während die Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren zwischen Januar und Februar meist zunahm, waren dieses Mal im bayerischen Teil des Allgäus weniger Menschen arbeitslos gemeldet als im Monat zuvor und die Arbeitslosenquote mit 2,9% lag im Februar deutlich unter der Marke vom Februar 2017, als 3,3% arbeitslos gemeldet waren.

Besonders deutlich wird die Top-Situation in unserer Region im Vergleich zum Bundesdurchschnitt: 5,7% war der Durchschnitt in Deutschland in diesem Februar und dieser Wert ist der niedrigste Wert für einen Februar seit 25 Jahren.

„Der Arbeitsmarkt im Allgäu hat sich bereits im Februar stabil gezeigt. Eine Reihe von Kräften aus Außenberufen ist aus Witterungsgründen weiter arbeitslos, jedoch ist die Entwicklung insgesamt deutlich günstiger als im Vorjahr. Der Vergleich zeigt, dass weniger Menschen arbeitslos sind. Gleichzeitig bestehen insbesondere für Fachkräfte gute Vermittlungsmöglichkeiten, denn in vielen Branchen suchen Arbeitgeber zusätzliches Personal“, so Maria Amtmann, Leiterin der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen.

Stellenangebote gesamt

Der Bedarf an zusätzlichen Arbeitskräften legte indes weiter zu. Insgesamt etwas mehr als 6.900 Stellenangebote stellten Betriebe für Vermittlungsaktivitäten zur Verfügung, 6% mehr als im Februar des vergangenen Jahres.

Arbeitslose Menschen

Neu arbeitslos gemeldet: 1.667 Frauen und Männer sprachen im Februar neu bei den Vermittlern vor, d.h. gut 1.000 weniger als zum Jahresauftakt.

Aktuell meldete sich erneut eine Reihe von Mitarbeitern aus dem Gartenbau und anderen Außenberufen neu bei den Vermittlern. Daneben entließen aber auch der Logistiksektor, der Einzelhandel und weitere Branchen wie das Tourismusgewerbe etliche Mitarbeiter.

Arbeitslosigkeit beendet: Annähernd 1.400 Menschen starteten im selben Zeitraum in eine neue Beschäftigung.

Der Vermittlungsalltag beweist immer wieder aufs Neue, dass es günstig ist, sich bei drohender Arbeitslosigkeit frühzeitig bei der Arbeitsagentur zu melden. Neben weiteren Kräften konnten ein Maurer, mehrere Metallarbeiter und eine Hotelmitarbeiterin einen neuen Arbeitsplatz antreten, ohne dass sie arbeitslos wurden.

Anhaltend gute Entwicklung im mehrjährigen Vergleich

Die anhaltend gute Entwicklung des Arbeitsmarktes ist im mehrjährigen Vergleich der arbeitslos gemeldeten Menschen gut erkennbar.

Pendler im Allgäu: Viel Bewegung aber weniger als die Hälfte des Bundesdurchschnittes

In ganz Deutschland pendelten von gut 32 Mio sozialversicherungspflichtig Beschäftigten rund 12,5 Mio oder 39% zur Arbeit in einen anderen Kreis innerhalb Deutschlands (Stand Ende Juni 2017).

Anmerkung: Dazu zählten auch 188.000 Menschen, die im Ausland wohnen, jedoch zum Arbeiten nach Deutschland einpendelten. Demgegenüber liegen keine Angaben zu in Deutschland wohnhaften Personen vor, die im Ausland einer Beschäftigung nachgehen, weil die Statistik nur Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland erfasst.

Im bayerischen Teil des Allgäus pendelten von insgesamt 264.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen und Männer rund 44.000 im Allgäu wohnhafte Menschen, um zu einem außerhalb liegenden Arbeitsort zu gelangen, d.h. 16,6%.

Gleichzeitig machten sich gut 38.000 Menschen von außerhalb auf den Weg um zu einem Arbeitsplatz im Allgäu.

Differenzierte Ergebnisse zeigt eine Betrachtung der Pendlerbewegungen in den verschiedenen Wirtschaftsräumen des Allgäus.

Auffällig ist dabei der Raum Memmingen, der als Industriestandort aufgrund vieler Arbeitsplätze auch aus dem Umland zahlreiche Menschen zum Pendeln in die Stadt bewegt. Knapp 3.700 Beschäftigte mehr pendeln in die städtisch geprägte Region als diese verlassen.

Der Wirtschaftsraum Kempten hat insgesamt die stärksten Pendlerströme zu bewältigen. Knapp 18.000 Mitarbeiter verlassen die Region zum Arbeiten und etwas mehr als 17.000 pendeln an ihren Arbeitsplatz ein.

Die höchste Zahl an Auspendlern verzeichnet die Region Kaufbeuren. 6.200 mehr Frauen und Männer verlassen den Wirtschaftsraum, um außerhalb einer sozialversicherungs-pflichtigen Beschäftigung nachzugehen, als in die Region zu ihrem Arbeitsplatz einzupendeln.

Wenn man sich die Pendlerströme unter kommunalen Gebietsstrukturen betrachtet wird deutlich, dass größere Städte ein verstärktes Pendleraufkommen verzeichnen, da sie über eine höhere Arbeitsplatzdichte verfügen.

Deutlich zu sehen an den beiden Städten Kempten und Memmingen: In Summe ergibt sich in Kempten ein Plus von 10.000 Einpendlern, in der Stadt Memmingen sind es sogar 12.500 mehr Menschen, die ins Stadtgebiet hineinpendeln.

Aufgrund der engen Verflechtungen verlassen viele Menschen die Landkreise Oberallgäu und Unterallgäu um in einer der beiden Städte einer Arbeit nachzugehen.

Mehr Aus- als Einpendler in der Region

Das Allgäu ist insgesamt eine Region, aus der bereits seit Jahren mehr Menschen hinauspendeln um eine Beschäftigung auszuüben. Seit 2010 sind es per Saldo zwischen 5.000 und knapp 6.000 mehr Menschen, die außerhalb des Bezirks einer beruflichen Tätigkeit nachgehen.

Die höchste Zahl an Auspendlern gibt es in die Nachbarregion Ravensburg, gefolgt von Weilheim, München und Augsburg. Gleichzeitig pendeln von außerhalb aus dem Bereich Ravensburg die meisten Menschen ins Allgäu ein. Auf den nächsten Plätzen folgen Weilheim und Ulm.

Die in der Grafik dargestellten Werte für die Regionen sind niedriger als der „Insgesamt-Wert“, da lediglich die wichtigsten Regionen herausgegriffen wurden.

Hinweis:

Pendler sind in der Beschäftigungsstatistik alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, deren Arbeitsgemeinde sich von der Wohngemeinde unterscheidet. Ob und wie häufig gependelt wird, ist unerheblich. Pendlerergebnisse stehen jährlich jeweils zum Stichtag 30.06. zur Verfügung.

Einpendler sind Personen, die in ihrer Arbeitsgemeinde nicht wohnen

Auspendler sind Personen, die in ihrer Wohngemeinde nicht arbeiten

Die Wohnortgemeinde kann auch im Ausland liegen. Einpendler aus dem Ausland können also statistisch dargestellt werden. Für Auspendler in das Ausland gilt dies jedoch nicht, da keine Meldungen der Betriebe im Ausland zur deutschen Sozialversicherung erfolgen. Das führt insbesondere in Grenzregionen zu keiner vollständigen Darstellung der Pendlerbewegungen.

Ein- und Auspendler Stadt Memmingen

Höhere Kräftenachfrage in der Region

Neue Stellenangebote: Knapp 2.000 Stellenangebote stellten Betriebe im Februar neu zur Verfügung, das sind 980 mehr als im Januar. Der Kräftebedarf ging dabei quer durch viele Branchen:

  • Kunststoffverarbeitung: 60 neue Beschäftigungsmöglichkeiten wurden hier angeboten.
  • Metallbearbeitung sowie Fahrzeug- und Maschinenbau: 260 Stellen galt es neu zu besetzen.
  • Hotellerie und Gastronomie: gut 260 weitere Jobs waren hier zu vergeben, vor allem im südlichen Oberallgäu und am Bodensee.
  • Baugewerbe: Annähernd 80 zusätzliche Stellen für Eisenflechter, Maurer, Baugeräteführer und artverwandte Berufe wurden angeboten. Spätestens mit steigenden Temperaturen ergibt sich ein höherer Bedarf an Fachkräften in diesem Sektor.
  • Berufskraftfahrern und Führern von Bau- und Transportgeräten: Auch hier herrschte zusätzlicher Bedarf.
  • Sozialer Bereich: Es gab Beschäftigungsangebote für Erzieherinnen und Kinderpfleger sowie im Bereich der Altenpflege.

Stellenangebot insgesamt: Insgesamt 6.900 Arbeitsstellen standen Arbeitssuchenden im Februar zur Verfügung.

Regionale Entwicklungen im Jahresvergleich

Der Jahresvergleich zeigt, dass in allen Wirtschaftsräumen des Allgäus weniger Menschen arbeitslos gemeldet sind als im vergangenen Jahr.

Die überwiegende Zahl der Regionen erreichte bereits im Februar bei der Arbeitslosenquote eine Zwei vor dem Komma.

Den niedrigsten Wert im Agenturbezirk gab es im Wirtschaftsraum Memmingen mit 2,4 Prozent, dicht gefolgt von Mindelheim und Marktoberdorf mit einer Arbeitslosenquote von jeweils 2,5 Prozent.

Es folgten die Region Kempten und der Landkreis Lindau mit einem Ergebnis von jeweils 2,8 Prozent.

Die im Jahresvergleich beste Entwicklung verzeichneten die Regionen  Kaufbeuren, Füssen und Memmingen mit einem Rückgang um jeweils 0,5 Prozentpunkte.

Im Jahresvergleich erreichten die Regionen Memmingen, Füssen und Marktoberdorf mit 14 bzw. 13 Prozent die stärksten Rückgänge bei arbeitslosen Menschen.

Ausblick

In den beiden ersten Monaten des laufenden Jahres war der Arbeitsmarkt auch von Witterungseinflüssen geprägt. Die tiefen Temperaturen der letzten Tage verhinderten vielfach die Aufnahme oder Fortführung von Arbeiten in Außenberufen.

Mit steigendem Thermometer sind in den nächsten Wochen zahlreiche Arbeitsaufnahmen zu erwarten. Die Situation wird sich dann auf dem Arbeitsmarkt im Allgäu weiter entspannen. Ein Indiz ist auch die hohe Zahl von Stellenangeboten, die Arbeitgeber zur Besetzung hereingegeben haben.

Darstellung nach Wirtschaftsräumen/Regionen

Darstellung nach kommunalen Strukturen

Titelbild:
Bildquelle: Pixabay

Grafiken:
Bildquelle: Agentur für Arbeit Kempten – Memmingen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.