Wilhelm-Hübsch-Preis für die besten Schulpartnerschaften

9. März 2018 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Zum 175-jährigen IHK-Jubiläum vergaben die elf IHK-Regionalversammlungen im IHK-Bezirk Schwaben den Wilhelm-Hübsch-Preis für die besten IHK-Schulpartnerschaften zwischen Schule und Wirtschaft im Firmengelände vom Memminger Unternehmen Magnet-Schultz. Drei Preise gingen an das Unterallgäu, einer davon nach Memmingen an die Sebastian-Lotzer-Realschule.

2018 feiert die IHK Schwaben ihr 175-jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass vergab die Kammer bundesweit den Wilhelm-Hübsch Preis für die besten Schulpartnerschaften.

Der Preis, der bundesweit in 11 Bezirken an insgesamt 36 Schulen ausgegeben wurde, verdankt seinen Namen „dem 2017 verstorbenen IHK-Präsidenten und Unternehmer Wilhelm Hübsch, der sich besonders für das Ausbildungsleben verdient gemacht hat“, erklärte Gerhard Pfeifer, stv. Präsident der IHK Schwaben und Vorsitzender der Regionalversammlung Memmingen und Unterallgäu bei der Preisverleihung im Firmengelände von Magnet-Schultz in Memmingerberg.

Nach dem Tod des auf vielen Ebenen äußerst beliebten Wilhelm Hübsch haben Unternehmer aus Eigeninitiative einen Fond gegründet, der die Bildungsarbeit in Bayerisch-Schwaben unterstützen soll.

121.000 Euro haben sich darin seither angesammelt, die zum Anlass des 175-jährigen IHK-Jubiläums in Form vom Wilhelm-Hübsch-Preis gerade Schulpartnerschaften mit örtlichen Unternehmen fördern sollen.

Schulpartnerschaften, die 2013 als festes Programm bei der IHK ins Leben gerufen wurden, haben das Ziel, Ausbildungsberufe zu stärken, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, der Akademisierung erfolgreiche duale Ausbildungsmodelle entgegenzustellen und Schülern durch praktische Erfahrungen in Betrieben zu ermöglichen, Einblick in Unternehmen sowie interessante Berufsbilder innerhalb der Unternehmen zu erhalten.

Denn „unsere dualen Ausbildungsmodelle, die bis dato vor allem in den Dach-Ländern (Deutschland, Österreich, Schweiz) große Bedeutung haben, genießen internationale Bewunderung und Anerkennung“, betonte Gerhard Pfeifer, der rund 30 Vertreter von Firmen aus der Region begrüßte, neben Oberbürgermeister Manfred Schilder, Markus Anselment, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Schwaben, Marlene Preißinger in Vertretung von Landrat Hans-Joachim Weirather und weitere Gäste.

Seit 2013 seien bundesweit bereits 260 Schulpartnerschaften ins Leben gerufen worden, 44 allein im Landkreis Unterallgäu und Memmingen, 14 davon haben für den Wilhelm-Hübsch-Preis ihre Projekte eingereicht.

Bundesweit wurden 36 Schulen mit diesem Preis bedacht, drei davon aus dem Bezirk Schwaben mit insgesamt 11.000 Euro für besonders gelungene Kooperationsprojekte.

Neben informativen Ausbildungsveranstaltungen wurden dabei eine Reihe von verschiedenen praktischen Einzelprojekten erdacht und von den Schülerinnen und Schülern zusammen mit den kooperierenden Firmen umgesetzt. Ein Beispiel davon gab es bei der Preisverleihung zu bestaunen, doch dazu später.

Dass die Preisverleihung beim Memminger Unternehmen Magnet Schultz stattfand, hat einen besonderen Grund: Einer der drei Preise ging an ein erfolgreiches Projekt zwischen der Sebastian-Lotzer-Realschule Memmingen und der Magnet-Schultz GmbH & Co. KG. Doch der Reihe nach:

Israel zu Besuch in Babenhausen – 3. Preis für die Anton-Fugger-Realschule Babenhausen

Der 3. Preis (2.000 Euro) ging an die Anton-Fugger-Realschule Babenhausen, die in einer Schulpartnerschaft mit zwei weiteren Schulen vor Ort, gleich mit drei ortsansässigen Firmen sehr fruchtbar kooperiert und das nun schon seit Jahren.

Mit Dilo Armaturen und Anlagen GmbH (Spezialist für Gashandling und Hochdruck-Rohrverbindungen), der Kößler Technologie GmbH (Präzisionsteile und Baugruppen für die KFZ-Industrie und mobile Hydraulik) und der SFB Schwäbische Formdrehteile GmbH & Co. KG (Anbieter für Prazisionsteile, Hydraulikventile sowie mechanische Baugruppen) organisierte die Schulpartnerschaft Projekte wie „Tag der Ausbildung“, Berufsinformationsabende, Bewerbungs- und Gesprächstrainings sowie Lehreraustausch.

Als besondere Highlights konnte die Realschule gemeinsam mit den Unternehmen auch die Projekte „Robotics“ und „Monitoring“ verwirklichen. Beim Monitoring werden Schüler, die bereits einen Ausbildungsvertrag unterschrieben haben, vom zukünftigen Arbeitgeber schon während der Schulzeit betreut.

Ein besonders schönes, internationales Projekt konnte mit der Unterstützung der SFB GmbH & Co. KG in die Tat umgesetzt werden. Die Firma hatte den Schülern der 9. Klasse die Möglichkeit gegeben, das Unternehmen und die einzelnen Berufe kennenzulernen.

Das Highlight: 19 Austauschschüler aus Israel konnten ebenfalls daran teilnehmen und die komplette Führung wurde auf Englisch gehalten. „Eine Schülerin aus den eigenen Reihen hat hier mitgewirkt und die Vorstellung ebenfalls ausschließlich auf Englisch geführt,“ erklärte Schuldirektor Martin Rister stolz.

Wie es denn so gefallen hat, wurde die Schülerin Anica Fischer gefragt. „Sehr interessant und beeindruckend war die Vorstellung gerade der technischen Berufe“, meinte die Schülerin.

Dass auch die Unternehmen von Schulpartnerschaften profitieren, zeigt die Zahl an Mitarbeitern, die aus den örtlichen Schulen rekrutiert wurden: zwei Drittel ihrer Mitarbeiter wurden in den letzten Jahren von zwei der örtlichen Schulen allein für eine der drei Firmen gewonnen.

Zeugnis-Workshop, angewandte Physik & mehr – 2. Preis für die Seabstain-Lotzer-Realschule Memmingen

Der 2. Preis (3.500 Euro) ging an die Sebastian-Lotzer-Realschule Memmingen. Die Sebastian-Lotzer-Realschule pflegt seit 2016 eine Schulpartnerschaft mit der Magnet-Schultz GmbH & Co. KG, Memmingen, Spezialist für elektromagnetische Aktorik, Sensorik und Ventiltechnik.

Neben klassischen Projekten wie dem Berufsinfoabend, Bewerberworkshop oder Praktikumswoche sind die Highlights Projekte wie der „Techniktag“, bei dem Azubis des Unternehmens den Physiklehrer im Unterricht der sechsten Klassen unterstützen und die Schüler spielerisch an technische Dinge wie Robotik oder physikalische Phänomene heranführen.

Besonders innovativ ist zudem der Workshop „Zeugnisformulierung und Bewerbung“. „Der vielseitig interessierte Schüler…“ – ist das positiv oder negativ zu verstehen? Was formulieren Lehrer, was verstehen Personaler? Wie Zeugnisbeurteilungen interpretiert werden, darüber klärt dieser Workshop auf.

Ein weiteres Projekt sind die „Mädels only“- und „Boys only“-Tage. Hier werden die sechsten Klassen nach Geschlechtern getrennt und dürfen einmal pro Schuljahr in der Lehrwerkstatt des Unternehmens ein Werkstück fertigstellen, welches von Azubis bereits vorgefertigt wurde. Dabei dürfen sie löten, fräsen, bohren und gravieren – je Station begleitet von einem Azubi.

Sogar die Zielgruppe der Eltern kommt bei dieser Schulpartnerschaft nicht zu kurz. Für sie gibt es einen besonderen Elternabend, bei dem Magnet-Schultz als Ansprechpartner auftritt. „Wir treten hier mit den Eltern in einen Austausch und zeigen auf, dass es wichtig ist, auf die Stärken und Neigungen des Kindes zu achten, sowohl bei der Berufs- als auch bei der Schulwahl. Stellvertretend für einen mittelständischen Industriebetrieb werden die Fragen der Eltern aus Sicht der Wirtschaft beantwortet“, so Martina Faulhaber, Leiterin Aus- und Weiterbildung.

„Durch die Schulpartnerschaft werden die Blickwinkel aller Beteiligten erweitert und die Berufsvorbereitung der Schüler verbessert, was unserem Unternehmen im Bewerberprozess und nach Ausbildungsstart zugutekommt.“

Karrierepläne gut verpackt – 1. Preis geht nach Türkheim an die Ludwig-Auerbacher-Mittelschule

Die Ludwig-Auerbacher-Mittelschule, Türkheim, wurde mit dem 1. Preis (5.500 Euro) ausgezeichnet. Nach den Bewertungskriterien der IHK wie Innovation, Intensität, Dynamik der Kollaboration, Maßnahmen bezüglich Berufsorientierung und wie viele Zielgruppen dabei angesprochen wurden, war diese Kooperation für die IHK besonders überzeugend.

Die Partnerschaft mit Toni Maurer GmbH, Türkheim (Sonderfahrzeugbau, Lkw-Spezialbau und Lkw-Modifikationen), steht unter dem Motto Fragen, Feilen, Filmen – denn 51 Achtklässler bereiteten Fragen für die Betriebserkundung vor, feilten dann im anschließenden Workshop unter Anleitung von Azubis und Ausbildern an einem Klebeband-Abroller aus Metall und filmten das Ganze, um den Ausbildungsberuf des KFZ-Mechatronikers für Nutzfahrzeuge anschließend auch mit ihren selbstgedrehten Videoclips darzustellen.

Die zweite Schulpartnerschaft besteht mit der Tricor Packaging & Logistik AG, Bad Wörishofen, die sich auf Verpackungen aus Wellpappe spezialisiert hat. Ob Designmöbel aus Pappe, Verpackungen für selbst gebackene Stollen oder Schreibtischsets mit Handyhalter – die von den Schülerinnen und Schülern ausgeführten Arbeiten gehören zu den Aufgaben eines Packmitteltechnologen, einer der Berufe, die Tricor ausbildet.

Ideensammlung, Entwurf, Umsetzung im CAD-Programm und schließlich auch die Fertigstellung des jeweiligen Produktes konnten die Schüler hierbei erleben und mitgestalten.

„Es war eine tolle und runde Sache, dass die Schüler das, was sie in der Schule mit einem CAD-Programm entworfen haben, im Betrieb dann umsetzen konnten“, resümierte die Schulleiterin.

Eine Schülerin unterstrich das von ihrer Perspektive: „Es war toll, dass wir in die Firmen gehen konnten und direkt sehen konnten, wie das richtige Produkt dann entsteht.“

Bei allen Projekten wurde der Betrieb besichtigt und die Inhalte im Unterricht vor- und nachbereitet. Beim Schülerwettbewerb „Pappfit“ machten Schüler der 9. Jahrgangstufe des M-Zweiges im Rahmen des Kunstunterrichts mit und konnten einen Preis gewinnen, den die Tricor AG gestiftete.

Die Schule hat sich anschließend darum gekümmert, dass die Werke des Wettbewerbs in den Schaufenstern eines leer stehenden Geschäftes ausgestellt und somit einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht werden.

Eines ihrer Werkstücke hatten die Schüler bei der Preisverleihung auch mitgebracht:

ein Designer-Sessel aus Wellpappe, den Gerhard Pfeifer auch gleich ausprobierte.

 

 

Zukunftsperspektiven und Ansporn

Für Marlene Preißinger, die Landrat Hans-Joachim Weirather vertrat, hat die IHK mit diesen Schulpartnerschaften „die Zeiten der Zeit erkannt“, leistet einen wichtigen Beitrag zur Beseitigung des Fachkräftemangels und gibt Schülerinnen und Schülern dadurch bereits vorzeitig Zukunftsperspektiven in der Region, gibt einen Ansporn und zeigt einen Weg auf.

„Geburtshilfe“ von Oberbürgermeister Manfred Schilder

Memmingens Oberbürgermeister Manfred Schilder, der 2013 „Geburtshilfe“ bei der IHK leistete für die Etablierung des Programmes der Schulpartnerschaften, sprach vom maßgeblichen Nutzen, den unternehmerischen Alltag als Schülerinnen und Schüler miterleben zu dürfen.

Gerade mit Blick auf die Jugendarbeitslosigkeit in anderen europäischen Ländern seien diese Kooperationen und unsere dualen Modelle vorbildlich, betonte er und dankte den Unternehmen, den Schulen und Schülern sowie der IHK für die erfolgreichen Schulpartnerschaften.

Fotos:

Bild 1: Alle Beteiligten an den erfolgreichen Schulpartnerschaften, von denen im Unterallgäu und Memmingen drei mit dem Wilhelm-Hübsch-Preis ausgezeichnet wurden.

Bild 2: Der 3. Preis ging an die Anton-Fugger-Realschule Babenhausen. Auf dem Bild: Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse zusammen mit Schulleiter Martin Rister, Vertretern der Kooperationsunternehmen Dilo Armaturen und Anlagen GmbH, der Kößler Technologie GmbH und der SFB Schwäbische Formdrehteile GmbH & Co.KG sowie Gerhard Pfeifer, stv. Präsident der IHK Schwaben und Vorsitzender der Regionalversammlung Memmingen und Unterallgäu.

Bild 3 (und Titelbild): Der 2. Preis (3.500 Euro) ging an die Sebastian-Lotzer-Realschule Memmingen mit der Firma Magnet-Schultz GmbH & Co. KG. Auf dem Bild: Schülerinnen und Schüler der Klasse 6a zusammen mit Schulleiter/Rektor Harald Rehklau sowie zwei Lehrkräften, neben Magnet-Schultz Geschäftsführer Dr.Albert W.Schultz, zwei Azubis der Firma Magnet-Schultz, Martina Faulhaber, Leiterin Aus- und Weiterbildung und Gerhard Pfeifer (IHK).

Bild 4: Der 1. Preis geht nach Türkheim an die Ludwig-Auerbacher-Mittelschule. Auf dem Bild: Schülerinnen und Schüler der Ludwig-Auerbacher-Mittelschule zusammen mit Rektorin Barbara Engel, Konrektor Sascha Rauschenbach, Vertretern der Toni Maurer GmbH, Türkheim, sowie der Tricor Packaging & Logistik AG, Bad Wörishofen, neben Gerhard Pfeifer (IHK).

Bild 5: Gerhard Pfeifer probiert eines der Werkstücke aus, die Schülerinnen und Schüler der Ludwig-Auerbacher-Mittelschule, Türkheim, zusammen mit der Tricor Packaging & Logistik AG, Bad Wörishofen entworfen und umgesetzt haben: Ein Designer-Sessel aus Wellpappe.

Fotos aus eigener Quelle (Christine Hassler).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.