Regionale Experten informieren rund um die Themen Bauen, Leben und Umwelt

12. März 2018 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Von der Planung und Finanzierung des Eigenheimes über die Wahl der Baustoffe, individuelle Lösungen für außen und innen, Wärmedämmung und Heizsystem bis hin zum Rauchmelder, dem neuen Traumbad, einer Grundsanierung oder der passenden Smart Home Lösung – Rund 70 Aussteller aus der Region informierten am vergangenen Wochenende rund um die Themen Bauen – Leben – Umwelt auf der gleichnamigen Messe.

Regionalität und die Kompetenz des heimischen Handwerks ist die Rezeptur der Messe Bauen – Leben – Umwelt, welche nun bereits zum neunten Mal von der Kreishandwerkerschaft Memmingen/Mindelheim erfolgreich veranstaltet wurde.

Ob es dabei um Bauen, Sanieren oder Modernisieren ging, Experten von knapp 70 ausstellenden Firmen stellten sich und ihre Produkte vor, informierten über aktuelle Trends und Neuentwicklungen und boten eine Menge Fachwissen in zahlreichen Vorträgen an.

„Hauptanliegen des regionalen Handwerks ist und muss es auch sein, seine Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen und einer breiten Öffentlichkeit bewusst zu machen“, so Gottfried Voigt, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Memmingen-Mindelheim.

Das Handwerk – vom Meister-Eder-Image längst entstaubt

Die Vorteile des heimischen Handwerks sind Detailliebhabern, Freunden von hochwertiger Verarbeitung und Langlebigkeit bekannt – Faktoren, die so gar nicht mehr in unsere schnelllebige Zeit zu passen scheinen. Ist das so?

Dass das Handwerk sich entstaubt hat und heute mit modernsten Mitteln arbeitet, ohne seine ursprünglichen Werte verloren zu haben, zeigt etwa die Schreinerei Zwölfer, die ich mir beispielhaft herauspickte.

„Was können Sie als Schreiner den heute von Möbelhäusern sehr verwöhnten Kunden bieten?“ frage ich Gunter Zwölfer provokativ, der seine Schreinerei in Memmingerberg betreibt und dort selbst ausbildet.

„Ja, viele denken an den Schreiner, wenn es darum geht, etwas zu reparieren“, antwortet er schmunzelnd, „wenn sie dann erfahren, dass wir ganze Inneneinrichtungen mit dem CAD-Programm entwerfen, fotorealistische 3-D Ansichten davon erstellen und mit modernsten CNC-gesteuerten Maschinen arbeiten, dann horchen sie auf und entdecken, dass das Handwerk sich vom klassischen Meister-Eder-Image längst entstaubt hat“, so der Schreinermeister, der heute viele Aufträge auch durch seine Web-Präsenz generiert.

„Das ist nicht nur für die hohen Ansprüche der Kunden wichtig, sondern auch interessant für meine Lehrlinge und Gesellen, die mit mir arbeiten. Auch wenn der ein- oder andere von ihnen später für ein großes Möbelhaus entwerfen oder arbeiten möchte, muss er das Handwerk beherrschen und auch das Bedienen moderner Programme“.

So ist ein modern ausgerüsteter Schreiner wie er heute bestens ausgerüstet, ebenso exklusive Bar-Einrichtungen für Hotels zu realisieren wie eine individuell gestaltete, moderne Küche, Wohnzimmer oder Schlafzimmer eines Eigenheimbesitzers oder die Büroräume eines Unternehmens.

„Und wie bestehen Sie den finanziellen Vergleich etwa zu Möbelhäusern?“ – „Auch das wird oft völlig falsch eingeschätzt“, antwortet der aufgeschlossene Schreinermeister. „Neben den meisten konventionellen Möbelherstellern sind wir durchaus konkurrenzfähig und das mit individuellen Lösungen.“

„Mit welchen Materialien arbeiten Sie denn am liebsten“, frage ich ihn neugierig. Tropenhölzer versucht er zu meiden, räumt aber ein, dass er auch die natürlich auf Anfrage verwendet.

„Aber wir haben so viele wunderschöne heimische Hölzer, oder zumindest aus Europa, dass man es wirklich vermeiden kann, tropische Hölzer übers Meer zu transportieren und dadurch die Umwelt unnötig zu belasten. Mein Lieblingsholz ist Akazie“, gesteht Gunter Zwölfer und zeigt mit liebevoller Bewunderung auf ein ausgestelltes Muster.

Traditioneller Baustoff Ziegel im Aktualitätscheck

Natürlich gibt es auch in unserer Region sehr wertige Systemanbieter, die etwa ein weiteres Geschoß, einen Anbau, komplette Wohnhäuser und sogar Wohnkomplexe in hochwertigem Systembau anbieten, wovon auch auf dieser Messe einige Unternehmen vertreten waren.

Doch besonders zog es mich an diesem Tag zu den eher traditionellen Herstellern oder traditionellen Baustoffen, auch um herauszufinden, wie „heutig“ diese Sektoren sind und ob, oder wie sie sich gegenüber neueren Verfahren oder Systemen bewähren.

`Ziegelsteine ist so ein Kandidat´, dachte ich mir und steuerte auf das ehemalige Ziegelwerk Klosterbeuren zu, welches sich nun als Hörl & Hartmann präsentiert. Denn die beiden bisherigen Gesellschafter, die Brüder Hubert und Thomas Thater, werden zum 1. April dieses Jahres ihre Anteile zur Sicherung der Nachfolge an die Hörl & Hartmann Ziegeltechnik GmbH & Co. KG mit Sitz in Dachau übertragen, erfahre ich dort.

Auf meine Frage, wie sich der traditionelle Baustoff Ziegel auch heute gegenüber anderen Baustoffen bewährt, antwortet Prokurist Maximilian Demler: „Ziegel ist ein traditioneller Baustoff, aber ebenso ein zukunftsfähiger Baustoff: Aus Ziegeln lässt sich ein Zuhause nach Wunsch bauen – Wohlfühlklima, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz inklusive. Eine repräsentative Umfrage bei Architekten und Bauunternehmern zeigt, dass der Ziegel aufgrund seiner positiven Eigenschaften der Nummer 1 Baustoff der Zukunft ist.“

Warum ist das so?“, frage ich. „Ziegel ist ein Zehnkämpfer“, erläutert der Prokurist. „Auf allen bauphysikalischen Gebieten wie Schallschutz, Wärmedämmung und Wärmespeicherung, Brandschutz, Druckfestigkeit, Putzhärtung, Diffusionsverhalten, aber auch in ökologischer und ökonomischer Hinsicht schneidet Ziegel gerade heute sehr gut ab“, betonte der Ziegelexperte.

Auch aus ökonomischen Gesichtspunkten sei Ziegel gerade heute interessant, habe eine lange Lebensdauer und sei ein gesunder Baustoff. Ein Ziegelhaus komme zudem ohne zusätzliche Außendämmung aus, was Diffusionsprobleme ausschließe und Platz spare.

Stein, Sand und Ton als Grundbausteine des Ziegels seien eine dauerhafte regionale Ressource und daher auch Transport-Öko-Sieger in Puncto Anlieferung und Ressourcenschonung.

Um mir zu demonstrieren, wie moderne Ziegel sich weiterentwickelt haben, zeigte mir Max Demler einen mit Holzfaser gefüllten Ziegel, der sich neben der Steinwollfüllung heute großer Beliebtheit erfreut.

„Und der modernen Formgebung von Gebäuden sind durch einen traditionsreichen Baustoff ja keine Grenzen gesetzt“, gibt er zu bedenken, wenn es darum geht, wie modern man damit bauen kann.

Auch das Unternehmen selbst habe sich maßgeblich weiterentwickelt: In den vergangenen fünf Jahren investierte das Ziegelwerk Klosterbeuren mehr als 2,5 Mio Euro in Energiesparmaßnahmen und die größtenteils robotergesteuerte Fertigung in Klosterbeuren zählt heute zu den modernsten Anlagen der Ziegelindustrie in Europa.

Dämmstoffe im Visier

„Was sind denn häufige Fragen von Kunden“, frage ich den jungen Kevin Kartheininger, der die Dämmstoffspezialisten von JOMA aus Holzgünz auf dem Messestand repräsentiert, den sich JOMA mit dem Kooperationspartner MANG Wohnbau & Bauunternehmen teilt.

„Wenn zum Beispiel ein Dachgeschoss später ausgebaut wird oder ein Keller nicht mehr zur Lagerung, sondern etwa zum Arbeitsraum, Fitnessbereich oder Partykeller umgebaut wird, sind typische Fragen, was für eine Dämmstärke eingesetzt werden kann“, klärt mich der junge Berater auf.

Gerade beim Thema Dach sei vielen nicht bewusst, dass unzureichende Wärmedämmung der Dachbodendecke wärmetechnisch wie ein Riesenloch wirke. „Der Wärmeverlust liegt oft bei 40 % und mehr“. Deshalb werde der JOMA-Thermoboden dort verlegt, wo die Wärmedämmung am sinnvollsten ist: auf der obersten Geschossdecke, unmittelbar über dem Wohnbereich, erfahre ich weiter.

Doch die Anwendungen von JOMA-Dämmstoffen sind vielfältig, wie Kevin Kartheininger weiß. Je nach Feuchtigkeitsempfindlichkeit, Belastbarkeit und Stabilität kommen unterschiedliche Platten zum Einsatz, auch abhängig davon ob die Dämmung für das Dach, die Kelleraußenwand, in Verbindung mit der Fassade und Jalousiekästen, als Trockenestrich im Keller oder etwa als Akustikdämmung benötigt wird.

Gerade der Jalousiekasten aus dem Hause JOMA hat ein Alleinstellungsmerkmal: Seit 2010 erhielt ihrer als erster und einziger Jalousiekasten in Deutschland ein Passivhauszertifikat des Passivhausinstitutes (PHI).

„Auch Fragen wie welche Art von Böden auf die Dämmplatten aufgebracht werden können werden häufig gestellt, denn „viele wissen nicht, dass man auf unseren Platten auch Parkettböden verlegen kann“, so der junge Mitarbeiter, „oder dass man mit unseren Dämmplatten etwa auf Dampfbremsfolien verzichten kann“.

Aufklärungsarbeit sei überhaupt ein wichtiger Bestandteil der Messearbeit, so der junge JOMA-Repräsentant „und der direkte Kontakt zum Kunden. Für ein mittelständisches Unternehmen wie unseres ist das sehr wichtig. Das ist auch toll an dieser Art von regionaler Messe – viele kennen uns schon, da bildet sich ein ganz anderes Vertrauensverhältnis“.

Viele interessante Fachvorträge

Eine Vielzahl an interessanten Fachvorträgen an beiden Messetagen rundeten die Messe Bauen – leben – Umwelt als große Informationsplattform des heimischen Handwerks ab.

„Eine ideale Verbindung von Messe-Profi und handwerklicher Interessensvertretung, die den großen Charme hat, regionales, leistungsfähiges Handwerk auf einer perfekt organisierten Leistungsschau zu präsentieren“, resümiert Gottfried Voigt, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Memmingen-Mindelheim das große Plus dieser Messe.

Gut vorbereitete Besucher

Besonders auffällig war für Messeorganisator Manfred Künstle, dass die Zahl der Besucher zwar mit rund 3.000 Besuchern etwas unter den Erwartungen lag, jedoch der Mammuntanteil der Messebesucher mit sehr gezielten und konkreten Anliegen den fachkundigen Rat der Experten suchten.

„Es wurden sehr viele Termine vereinbart, viele Besucher kamen mit dem Plan ihrer Küche, ihres Badezimmers, ihrer Wohnung, oder ihres Hauses, waren bereits gut vorinformiert, oder traten mit konkreten Ideen gezielt an ausstellende Firmen heran“, resümierte Manfred Künstle über die „hohe Qualität der Besucher“.

Das Konzept der regionalen Messe bestätige sich hier bestens, denn wenn es ums Eigenheim gehe, vertraue man sich am liebsten kompetenten Firmen aus der Region an – Kundennähe sei neben der Kompetenz ausschlaggebend.

Insgesamt wertet der Messeorganisator die Messe „Bauen, Leben, Umwelt“ trotz leichtem Besucherrückgang als einen großen Erfolg, was auch das Ausstellerverhalten unterstreiche: Die allermeisten Aussteller haben bereits wieder für das nächste Jahr gebucht, weiß Manfred Künstle, der sich zusammen mit den ausstellenden Firmen sehr über das ernsthafte Interesse der Besucher und volle Terminkalender freute.

Fotos:
aus eigener Quelle (Christine Hassler)

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