Formen der Stille – Neue Ausstellung in der Galerie Kirstin Köllner

19. März 2018 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Zur Eröffnung der ersten Gemeinschaftsausstellung mit Fotografien vom Memminger Künstler Uwe Langmann und Skulpturen von Claus Peter Krögler lud die Galerie Kirstin Köllner ein. Auf gelungene Weise ergänzen sich dabei die sehr reduzierten, fotografischen Arbeiten Langmanns mit Kröglers Skulpturen, die Leerräume zulassen und bilden zusammen die Ausstellung „FORMEN DER STILLE”.

Reduktion und Leerräume als ästhetische Mittel

„Reduktion und Leerräume sind die ästhetischen Elemente, die die fotografischen Arbeiten von Uwe Langmann mit den Skulpturen von Claus Peter Krögler verbinden“, sieht Kulturamtsleiter Dr. Hans-Wolfgang Bayer bei seinen Eröffnungsworten die Verknüpfungspunkte zweier Künstler, die mit völlig verschiedenen Mitteln Formen der Stille erzeugen.

So manches Talent kristallisiert sich auf Umwegen heraus. So ging es auch Uwe Langmann, dessen erste Kunstform eigentlich der Film war. Bereits während seiner Schulzeit drehte er Kurzfilme, später waren experimentelle Kurzfilme wie ‚Souvenirs un amour‘ (2006) im Rahmen der Memminger Meile zu sehen und ‚Verfall‘ (2008) hat es sogar in die Kurzfilmsparte des Filmfestivals in Cannes geschafft.

Als er dann einen ersten Spielfilm anvisierte, kam alles anders, erzählte mir der Künstler lächelnd bei der Ausstellungseröffnung: Für die Dreharbeiten machte er Fotos von bzw. für Drehorte und genau die waren es, die eine solch große Resonanz auslösten, dass er sich darauf konzentrierte und Werke schuf, die Uwe Langmann als Fotograf bereits mehrere Preise einbrachten, darunter den Bronze-Award des internationalen Fotografiewettbewerbs Px3 in Paris 2011.

2011 stellte der 1985 in Memmingen geborene Künstler auch das erste Mal in Memmingen im Antoniersaal aus. Mittlerweile sind seine charakteristischen Fotografien, die auf den ersten Blick eher wie Grafiken wirken, in Solo- wie auch Gruppenausstellungen in renommierten Galerien deutschlandweit präsent, die ersten Schritte auf die internationale Bühne sind bereits erfolgt.

Grafische Strukturen auf ruhigen Flächen

Mithilfe von besonderen Licht- und Wetterverhältnissen, auf die der Künstler mitunter lange warten muss, um das gewünschte Resultat zu erzielen und gesteuerter Überbelichtung oder Langzeitbelichtung schafft er feine Werke stark reduzierter Linien und Schraffuren, die viele Freiflächen lassen und eine immense Stille ausstrahlen.

Dabei ist „seine Fotografie nicht arrangiert“, wie Kulturamtsleiter Dr. Hans-Wolfgang Bayer in seiner kurzen Einführung erklärte. „Vielmehr sucht er sich Bildausschnitte. Zusammen mit der Wahl der Jahreszeit und besonderer Wetter- und Lichtverhältnisse formen sie die bildnerischen Elemente. Mit dem Ergebnis äußerst feinsinniger Arbeiten, die in ihrer starken Reduktion und vielen ruhigen Flächen eine magische Stille atmen“.

Ein Leitgedanke bei einer grafischen Serie kam dabei mit aus der japanischen Tuschemalerei, wie mir der Künstler während der Vernissage erklärte. Inspiriert habe ihn daran das Arbeiten mit leeren Flächen, aus denen sich die Kalligrafie hervorhebt und dem Betrachter ermöglicht, sich selbst in diesen Leerräumen mit einzubringen.

Wichtig ist dem Fotokünstler auch das Experimentieren an der Grenze zwischen Fotografie und der bildenden Kunst. „Dieses Bild etwa könnte an Arbeiten von Jackson Pollock erinnern“, so der Künstler und zeigt auf ein riesiges Bild, auf dem auf den ersten Blick zufällig hingeworfene Linien und grünliche Kleckse zu erkennen sind, auf den zweiten Blick jedoch Grashalme aus einer homogen wirkenden Schneedecke hervorragen.

„Ich benutze mehr Zeit, um die Zeit zu entschleunigen“, erläutert Uwe Langmann diese Technik und ergänzt: „Alles, was während der Aufnahme nicht stillsteht, verschwimmt, verschwindet oder es sind nur noch Spuren oder Linien davon zu sehen. Dazu wähle ich Witterungsverhältnisse, in denen der Himmel einheitlich grau ist, keine Sonne scheint und daher keine Schatten produziert werden.“

Eine weitere Serie zeigt ebenfalls stark flächig wirkende, reduzierte Landschaftsaufnahmen in sanften Farben, die an seine fotografischen Ursprünge erinnern, als er Drehorte für einen Film ablichtete. Vereinzelt darin erkennbare Figuren wirken mehr wie kontemplative Betrachter, ohne im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen – vielmehr wirken sie fast wie Besucher in einem stillen Raum.

Skulpturen ohne Zeit, doch mit viel Raum

Die Arbeit von dem in Memmingen aufgewachsenen Claus Peter Krögler konzentriert sich auf Skulpturen überwiegend aus Alabasterstuck: „Ein Material, mit dem man schon in der Antike arbeitete. Zum Einsatz kam es bei Skulpturen und auch als Baumaterial, oft als Ersatz für Marmor, wie etwa bei Säulen“, klärte Dr. Hans-Wolfgang Bayer über das Material auf, das sehr stark aushärtet, mit Farbpigmenten bereichert werden kann und einen Steincharakter ausbildet.

Doch bevor der Alabasterstuck zum Einsatz kommt erarbeitet Künstler Claus Peter Krögler vorab ein Wachsmodell, denn „Alabasterstuck kann nur 25-30 Minuten bearbeitet werden, bevor es zu hart wird“, erklärt mir der seit seiner Rente hauptberufliche Künstler bei der Ausstellungseröffnung.

„Bevor ich mich ganz der Kunst gewidmet habe, hatte ich das Glück, einen Beruf zu haben, der es mir erlaubte, ein erfolgreiches Doppelleben zu führen“, so der studierte Sozialpädagoge, der seine künstlerische Ader auch in zahlreiche pädagogische Kunstprojekte erfolgreich einbrachte.

Auch er entdeckte die Skulptur als Ausdrucksform über Umwege: Mit 12 Jahren begann er zu zeichnen, später zu malen, bis er das Bedürfnis bekam, die Leinwand und mit ihr die Zweidimensionalität zu verlassen.

„Das stellt einen Künstler plötzlich wieder vor ganz andere Herausforderungen: Eine Skulptur kann nicht `ungefähr´ sein, sie muss von allen Seiten funktionieren. Man muss drumherum laufen können und von allen Seiten muss sie ästhetisch und sinngebend sein“, stellte er dabei fest.

Deshalb wählte er als Mittel für seine Entwürfe ein ebenfalls dreidimensionales Material: Wachs. Sobald er mit der Form einverstanden ist, entsteht nach dem maßstabsgetreuen Wachsmodell zunächst ein inneres Gestell aus Stahl, auf dem der Künstler dann den mit Farbpigment bereicherten Alabasterstuck aufbaut.

Unter Claus Peter Kröglers Hand entstehen ruhige Formen, die Leerräume nicht nur zulassen, sondern oftmals fast schützend zu umfassen scheinen. Die Formen sind dabei abstrakt gehalten, mal symmetrisch, mal organisch anmutend, mal figürlich und lassen eine Vielfalt an Assoziationen zu, ohne sich aufzudrängen.

Dass er jedoch nicht ausschließlich mit Alabasterstuck, sondern auch mit anderen Materialien arbeitet, zeigt in dieser Ausstellung ein symmetrisches Exponat, welches aus Holz gearbeitet und anschließend mit Hitze behandelt wurde, wodurch es schwarz wie Kohle wurde.

Als ich vor dem entfernt an eine Kapsel erinnernden Objekt stehe, das anmutet, als wäre es aus Steinkohle geritzt worden, las ich, dass es „ohne Titel“ ist und gab ihm zwischen mir und mir den Titel „Zeitkapsel“.

Denn darin sind sich beide Künstler einig: Ihre Kunst soll auch dem Betrachter Raum bieten.

Infos

Die Ausstellung „Formen der Stille“ ist noch bis 28. April 2018 in der Galerie Kirstin Köllner, Ulmer Straße 6 in Memmingen zu besichtigen.

Die Öffnungszeiten sind Di 13 – 18 Uhr, Mi bis Fr 11 – 18 Uhr, Sa 11 – 13 Uhr.

Weitere Infos über die Galerie Kirstin Köllner auf www.kirstinkoellner.com.

Mehr Infos über den Memminger Fine Art Fotokünstler Uwe Langmann auf www.uwelangmann.com.

Mehr Infos über den in Memmingen aufgewachsenen Skulpturenkünstler Claus Peter Krögler auf cpkroegler.de.

Fotos:
Bild 1: Fine Art Photography von Uwe Langmann und eine Skulptur von Claus Peter Krögler. Li. Foto: Fotoquelle: Uwe Langmann, re. Foto: aus eigener Quelle (Christine Hassler)
Bild 2: „New Grass“, Uwe Langmann. Foto: aus eigener Quelle (Christine Hassler)
Bild 3: „Dream“, Uwe Langmann, Fotoquelle: Uwe Langmann
Bild 4: „Liegende“, Claus Peter Krögler. Stuck, Stahl, Pigment.
Bild 5:  Claus Peter Krögler (Titel leider unbekannt). Fotos 4 & 5: aus eigener Quelle (Christine Hassler)

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