Auf Biegen und Brechen

22. März 2018 von Christine Hassler - Keine Kommentare

In Sachen Termingestaltung stehen der Bayerische Fußball-Verband (BFV) und die Vereine in der Regionalliga angesichts der zahlreichen Spielausfälle mit dem Rücken zur Wand. Sportlich gilt dies auch für den FC Memmingen, der nach wie vor auf dem vorletzten Tabellenplatz verharrt, erst ein Spiel nach der Winterpause bestreiten konnte und deshalb alles daran setzt, dass am Freitagabend (19.30 Uhr) das Heimspiel gegen den FC Pipinsried ausgetragen werden kann.

Memmingen (ass). „Von Vereinsseite wird es keine Absage mehr geben“, stellt der FCM-Vorsitzende Armin Buchmann unmissverständlich klar. Bei zweifelhaften Verhältnissen wird die letzte Entscheidung somit der Schiedsrichter treffen müssen. Die Vereine sind angehalten die Spiele mit allen Mitteln durchzuziehen, die Unparteiischen vermutlich auch.

Am Donnerstag sah es in Memmingen gut aus, die geschlossene Schneedecke vom Mittwoch war zumindest auf dem Platz in der Arena komplett verschwunden, das Spielfeld wurde vom Stadionpersonal präpariert und vorsorglich mit roten statt weißen Begrenzungslinien versehen – denn es soll(te) in der Nacht auf den Spieltag noch einmal ergiebig schneien. Somit bleibt die Hoffnung, dass es dann erneut genauso schnell wieder abtaut. Mit ein paar Sonnenstrahlen am Freitag könnte es gelingen und auch der Rasen hat von unten auch schon wärmende Kräfte.

Schlimmstes Szenario

Die langfristigen Wetterprognosen über Ostern sind weiterhin „kalt und winterlich“. Falls weitere Spiele abgesagt werden, lautet der Notfallplan des BFV ab sofort: Neuansetzung am nächsten Tag oder zwei Tage später oder Heimrechttausch. Eine Saisonverlängerung über den 12. Mai hinaus ist ausgeschlossen. Im schlimmsten Fall müssen die Vereine nach 48 Stunden wieder ran, es müsste im Rhythmus „Samstag – Dienstag – Donnerstag – Samstag“ gespielt werden, kündigte BFV-Spielleiter Josef Janker an. Ob dies Amateuren zuzumuten ist, steht auf einem anderen Blatt.

Wenn das Spiel gegen Pipinsried tatsächlich nicht möglich wäre, dann müsste der FCM schon am Samstag oder Sonntag den nächsten Versuch starten. Ob die Logistik vom Catering über Sicherheitsdienst und vorgeschriebenen Sanitätsdienst dann gewährleistet werden kann, ist äußerst fraglich. Von den vielen benötigten ehrenamtlichen Helfern ganz abgesehen.

In der Terminnot lässt der Verband jetzt sogar die Austragung auf anderen Plätzen auch auf Kunstrasen zu, sofern die Sicherheit gewährleistet ist. Für Memmingen kommt dies kaum in Frage, denn der Kunstrasen im Stadion hat keine Spielfeldumrandung. Abgesehen davon wären auch Konflikte mit Sponsoren (Bandenwerbung) und Sitzplatz-Dauerkarten-Besitzern vorprogrammiert. Der organisatorische und finanzielle Mehraufwand ist jetzt schon deutlich höher.

Die SpVgg Oberfranken Bayreuth hat den Vorschlag abgelehnt, dass ausnahmsweise noch zwischen dem letzten und vorletzten Spieltag Nachholbegnungen ausgetragen werden können, weil nicht zu Unrecht eine Wettbewerbsverzerrung befürchtet wird. Vereine für die es dann um nichts mehr geht, könnten die Zügel schleifen lassen.

Nicht nur logistisch, sondern auch sportlich sind die kommenden Wochen für den FC Memmingen eine große Herausforderung. Zuletzt musste zugeschaut werden, wie die Abstiegskonkurrenz gepunktet hat. Der Rückstand auf den Relegationsplatz beträgt damit zwei Punkte, auf einen Nichtabstiegsplatz sind es neun Zähler. Realistisch gesehen kann das Ziel momentan nur lauten, zumindest schnell einen Rang gutzmachen und dann über die „Verlängerung“ den Klassenerhalt zu meistern.

FCM-Trainer Stephan Baierl hat aufgrund der Absagen zweimal vergeblich den Spannungsbogen auf die Gegner Eichstätt und Fürth II ausgerichtet. Nun also Pipinsried – hoffentlich am Freitag und hoffentlich mit drei Punkten.

Die Ausgangssituation im Spiel gegen Pipinsried

Nur in Eichstätt ist am vergangenen Wochenende nicht gespielt worden. Die Memminger Abstiegskonkurrenz hat teilweise voll gepunktet, so dass im schiefen Tabellenbild der Rückstand auf den ersten Relegationsplatz auf zwei Punkte, ans rettende Ufer auf neun Zähler angewachsen ist. Ein Sieg ist somit eigentlich Pflichtsache, aber auch Pipinsried ist durch eine 1:3 Heimniederlage gegen die SpVgg Oberfranken Bayreuth der Gefahrenzone wieder gefährlich nahegekommen.

Die gegnerische Mannschaft

Eigentlich könnte beim Dorfclub im Dachauer Land die Welt in Ordnung sein. Der Neuling liegt ordentlich im Rennen und kann den Klassenerhalt schaffen. Der Regionalliga-Aufstieg war die Krönung des Lebenswerks von Gründer und Dauer-Präsident Konrad Höß. Nun ist der Patriarch, der von Spielerverpflichtungen über Sponsorengewinnung bis zur Rasenpflege alles gemacht hat, vor wenigen Woche nach 51 Jahren planmäßig zurückgetreten.

Präsidenten-Nachfolger Roman Küspert ließ auf der Mitgliederversammlung die Weichen stellen, dass der FCP ab Mai als GmbH fungiert. Der Hauptverein soll hier 51 Prozent der Anteile halten. Als Investoren sind der künftige kaufmännische Geschäftsführer Uli Bergmann und der Sohn von Höß im Gespräch. Die Mannschaft ist von je her ein Sammelsurium von Spielern, die es im Münchner Dunstkreis nicht nach ganz oben geschafft haben. Mit einer Hire-and-Fire-Politik wurde bisher von Jahr zu Jahr oft fast der gesamte Kader ausgetauscht. Das soll sich ändern, auch wird künftig dreimal statt nur zweimal trainiert und die Platzpflege übernimmt anstelle von Höß eine Fremdfirma.

Das FCM-Personal

Zweimal hat Trainer Stephan Baierl in den vergangenen Tagen den Spannungsbogen hochgefahren und wurde jäh ausgebremst. Der Kader wird voraussichtlich der gleiche wie vor zwei Wochen gegen Schweinfurt sein. Philipp Boyer trainiert wieder. Auch ein Comeback von Dennis Hoffmann deutet sich an, vielleicht nimmt er auf der Ersatzbank Platz.

Das Hinspiel

Durch Treffer von Fabian Lutz und Furkan Kircicek gewann der FCM noch unter Stefan Anderl überzeugend mit 3:0.

Nachholtermine

Der dritte Anlauf gegen die SpVgg Greuther Fürth wird nun am Dienstag, 24. April, um 19.30 Uhr gemacht. In Eichstätt wird am Feiertag, 1. Mai, um 14 Uhr gespielt.

Rund ums Spiel

Zeitgleich findet nebenan in der Eissporthalle das erste Finalspiel des ECDC Memmingen gegen Lindau statt. Konkurrenz gibt es auch im TV mit dem Länderspiel der Nationalmannschaft gegen Spanien. Eine kurzfristige Verlegung war dennoch kein Thema. „Wir können nicht alle zwei Tage den gesamten Apparat rauf und runter fahren“, so Buchmann.

Das voraussichtliche Aufgebot des FC Memmingen

Tor: Martin Gruber – Abwehr: Michael Heilig, Sebastian Schmeiser, David Anzenhofer, Tim Buchmann – Mittelfeld: Furkan Kircicek, Stefan Heger, Lukas Rietzler, Burak Coban – Angriff: Muriz Salemovic, Jannick Rochelt.
Auswechselbank: Pascal Maier, Fabian Krogler, Marco Schad, Dennis Hoffmann, Fabian Lutz, Jamey Hayse, Amar Cekic, Fabio Zeche (Tor).

Schiedsrichter: Markus Huber (Wurmannsquick/Oberbayern); Assistenten: Vinzenz Pfister (Oberbergkirchen), Stefan Klerner (Lichtenfels).

Fotos:
Bild 1: angespannte Situation beim FC Memmingen
Bilder 3 & 4: Fabian Lutz und Furkan Kircicek erzielten die Treffer für den FCM beim Hinspiel.
Fotos aus eigener Quelle (Christine Hassler).

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