Symbolischer Spatenstich in Memmingen für Bahnausbau im Allgäu

24. März 2018 von Christine Hassler - 1 Kommentar

Mit einem symbolischen Spatenstich in Memmingen startete nun der Ausbau von 155 Kilometern Bahnstrecke im Allgäu, der den Zugverkehr zwischen München, Lindau und Zürich beschleunigen wird und durch Elektrifizierung den Bahnverkehr zudem umweltfreundlicher gestalten wird. Drei Jahre Bauzeit sind geplant, Ende 2020 soll eine Fahrt von München nach Zürich nur noch dreieinhalb Stunden dauern.

Vier Fliegen mit einer Klappe: Nicht nur schneller, sondern auch leiser und sicherer soll es ab Ende 2020 mit der Bahn von München über Memmingen und Lindau nach Zürich gehen und zudem umweltfreundlicher: Durch Modernisierung und Elektrifizierung der Strecke wird der Dieselverbrauch durch E-Mobilität auf der Schiene ersetzt und trägt somit auch zur Reinhaltung der Umwelt bei.

Doch um dieses noble Ziel zu erreichen, fließen in den kommenden drei Jahren 440 Mio Euro allein aus Bayern in den Ausbau und die Elektrifizierung, weitere 220 Mio Euro aus Baden-Württemberg und ein Darlehen von 50 Mio Euro aus der Schweiz.

Den Startschuss gaben gestern in Memmingen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, Hans-Peter Böhner als Vertreter des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bauen und Verkehr, Winfried Hermann, Minister für Verkehr des Landes Baden-Württemberg, und Ronald Pofalla, Infrastrukturvorstand der Deutschen Bahn.

Mehr Verkehr auf der Schiene und doppelt so viel Halt in Memmingen

DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla dankte dem Bund, dem Freistaat Bayern und der Schweizer Eidgenossenschaft für die finanzielle Unterstützung des Ausbauprojektes und begrüßte unter den Gästen auch den Schweizer Generalkonsul in München Markus Thür.

„Wir starten gut vorbereitet in ein Projekt mit großem Nutzen. Wir schaffen mit der Elektrifizierung die Voraussetzungen für schnellere Fahrzeiten und mehr Verkehr auf der Schiene. Das ist ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz“, betonte Ronald Pofalla. Zentraler Punkt sei bei diesem Projekt zudem die Anbindung an die Schweiz.

Das Projekt reihe sich ein in die Modernisierungs- und Investitionsoffensive der deutschen Bahn ein mit der Rekordsumme von 9,3 Milliarden Euro, die in diesem Jahr für die Erhaltung, Modernisierung sowie den Ausbau von Bahnhöfen und Bahnstrecken fließen sollen. „Das sind 800 Mio Euro mehr als im Vorjahr.“

Die Fahrzeit von München nach Zürich wird sich damit ab Dezember 2020 um rund eine Stunde auf nur noch dreieinhalb Stunden verkürzen.

Spezielles Plus für Memmingen: Die Schnellzüge, die ab der Fertigstellung München mit Zürich verbinden, werden doppelt so oft in Memmingen halten, insgesamt werden es sechs täglich in beiden Richtungen sein.

Einer der modernen Schweizer Schnellzüge stand gestern zum symbolischen Spatenstich am Gleis zur Besichtigung bereit. Beim Spatenstich fehlen durfte auch nicht das  Maskottchen der Bauarbeiten der Bahn, der Maulwurf, der als sympathischer Wegweiser die Bahnreisenden im Netz und im gesamten Informationssystem anleitet.

Jeder fünfte Euro Investitionen entlang der Strecke fließt in den Lärmschutz

„25 Kilometer Lärmschutzwände werden gebaut, für 2.700 Gebäude entlang der Strecke sind Schallschutzfenster geplant. Jeder fünfte Euro – insgesamt rund 100 Millionen – fließt in den Lärmschutz“, erfahren wir weiter von DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla.

Der Ausbau im Allgäu zwischen München und Lindau umfasst auf 155 Kilometer Länge zahlreiche Arbeiten an den Gleisen und Bahnstationen sowie Oberleitungen:

3.500 Masten für die elektrische Oberleitung müssen gesetzt werden, 47 Straßenbrücken sind an die Oberleitung anzupassen, viele Bahnübergänge ebenfalls. Gleise müssen abgesenkt oder Brücken aufgeweitet werden, 17 Stellwerke müssen umgebaut und mehrere Kilometer Gleis erneuert werden. Zwei Bahnhöfe entlang der Strecke werden im Zuge dessen barrierefrei ausgebaut und in Lindau entsteht zeitgleich ein ganz neuer Fernbahnhof.

„Dabei kommen wir nicht um Streckensperrungen drumherum und ohne Baulärm und Staub wird es auch nicht gehen. Daher danken wir schon jetzt den Anwohnern für ihr Verständnis. Für die Streckensperrungen wird ein breites Netz an Ersatzbussen zum Einsatz kommen, um auch in dieser Zeit die Bahnnutzer an ihre Destinationen zu bringen“, versichert der DB-Infrastrukturvorstand. Der Ersatzbusverkehr starte bereits heute.

„Fit für den wachsenden Personennahverkehr“

Andreas Scheuer, der am Vormittag noch bei der Regierungserklärung von Horst Seehofer in Berlin zugegen war, freute sich trotz aller Bemühungen um Elektrifizierung der Bahn darüber, dass es in Memmingen einen Flughafen gibt, denn „sonst wäre ich jetzt nicht hier“, betonte der erst vor kurzem zum Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur im Kabinett Merkel IV ernannte Andreas Scheuer nicht ohne Humor.

Vor allem der Bundestag zusammen mit dem Landtag habe die Grundlage geschaffen für die Megainvestition zum Ausbau der Bahnstrecke München – Zürich, die allein den Bundesstaat Bayern 440 Mio Euro kostet:

„Mit einem 440 Mio Euro schweren Spatenstich machen wir uns fit für den wachsenden Personennahverkehr,“ denn „eine gute Infrastruktur ist die Grundlage für den Wohlstand.“ Das Geld der Steuerzahler käme mit dieser Investition in die Zukunft den Bürgern wieder direkt zugute, so der neue Bundesminister Andreas Scheuer.

Erfreut habe er Nachrichten über einen Zuwachs an Bahnreisenden entgegengenommen. Der Streckenausbau sei nun ein wichtiger Schritt nicht nur für die Region, sondern für ein transeuropäisches Netz, das Metropolen verbindet und zugleich den Bahnverkehr in Deutschland sauberer und moderner gestalte. Ziel sei es, bis 2020 70 Prozent des deutschen Schienennetzes zu elektrifizieren.

„Die längste Baustelle Bayerns“

Auch Hans-Peter Böhner als Vertreter des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bauen und Verkehr freute sich über die gute „Nachbarschaftshilfe“ bei der Finanzierung „der längsten Baustelle Bayerns“.

„Eine große Dieselinsel“ werde durch die Elektrifizierung abgebaut. Ziel sei es, langfristig komplett von Diesel auf Elektro-Mobilität auf der Schiene umzustellen.

Besonderen Dank sprach er auch den Akteuren gegenüber aus, die sich jahrelang im Vorfeld mit dem Thema auseinandergesetzt und dafür gefochten haben wie MdL a.D. Herbert Müller und der ehemalige Oberbürgermeister Memmingens, heute Altoberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger, der dem Gremium lange angehörte.

Drei Jahre intensives Bauen

Ab jetzt beginnen also die umfangreichen Bauarbeiten. In diesem Jahr 2018 wird vor allem im Abschnitt zwischen Memmingen und München gearbeitet, im kommenden Jahr geht es dann auch im westlichen Abschnitt Richtung Bodensee los.

Seit gestern, 22.00 Uhr bis zum 10. September fahren Busse statt Bahnen zwischen Buchloe, Memmingen und Leutkirch sowie Türkheim und Bad Wörishofen, vom 11. Juni bis 2. Juli zusätzlich zwischen Geltendorf und Buchloe. Vom 10. September bis zum 15. Oktober wird Ersatzverkehr zwischen Mindelheim und Sontheim eingerichtet.

Die EuroCity-Züge München-Lindau-Zürich werden in den verschiedenen Bauphasen über Kempten umgeleitet oder müssen komplett ausfallen.

Am Nachmittag fand ein zweiter Spatenstich im angrenzenden Niederbiegen statt. Dieser ist Auftakt für die Elektrifizierung der 120 Kilometer langen württembergischen Südbahn zwischen Ulm, Friedrichshafen und Lindau.

Infos

Informationen zum Ersatzverkehr finden sich auf bauinfos.deutschebahn.com.

Informationen zum Bauprojekt gibt es auf www.abs48.com.

Fotos:
Bild 1: Den Startschuss für den Streckenausbau gaben gestern in Memmingen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, Hans-Peter Böhner als Vertreter des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bauen und Verkehr, Winfried Hermann, Minister für Verkehr des Landes Baden-Württemberg, und Ronald Pofalla, Infrastrukturvorstand der Deutschen Bahn in Anwesenheit von zahlreichen Ehrengästen aus der Politik.

Bild 2: (li. Bild): Ronald Pofalla, Infrastrukturvorstand der Deutschen Bahn. (Mitte:) Hans-Peter Böhner als Vertreter des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bauen und Verkehr. (Re. Bild): Winfried Hermann, Minister für Verkehr des Landes Baden-Württemberg.

Bild 3: Andreas Scheuer, neuer Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur im Kabinett Merkel IV

Bild 4: Freuen sich über den Start zur Modernisierung und Elektirfizierung der Bahnstrecke, auf der ab 2021 jeweils sechs Schnellzüge täglich in Memmingen Halt machen: v.li.: Bundestagsabgeordneter  Stephan Stracke, Memmingens Oberbürgermeister Manfred Schilder, Staatsminister a. D. Josef Miller, Alt-Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger, Zweite Bürgermeisterin Margareta Böckh, Dritter Bürgermeister Dr. Hans-Martin Steiger und Landtagsabgeordneter Klaus Holetschek.

Bild 5: Das  Maskottchen der Bauarbeiten der Bahn: Der Maulwurf, der als sympathischer Wegweiser die Bahnreisenden im Netz und im gesamten Informationssystem anleitet.

Fotos aus eigener Quelle (Christine Hassler)

Eine Antwort zu “Symbolischer Spatenstich in Memmingen für Bahnausbau im Allgäu”

  1. Alles Wunderbar, aber auf der Strecke zwischen Kaufering und Geltendorf wurde der Zugverkehr auf unter 30000 Zugbewegungen pro Jahr heruntergerechnet. Wir bekommen praktisch gar nichts für den aktiven Lärmschutz. Nicht mal eine Lärmkatierung mit Lärmschutzmassnahmen findet statt. Da werden Millionen an Steuergeldern rausgeschmissen, aber die Bürger von kleinen Orten werden übergangen. Unsere Lebensqualität geht runter, wie auch die Werte der Immobilien. Und dann hat man noch einen Bürgermeister und einen Gemeinderat in der Gemeinde Penzing der vor Unfähigkeit strotzt.

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