Final-Krimi: Die Indians holen sich den Bayerischen Meistertitel

29. März 2018 von Christine Hassler - Keine Kommentare

Über 3000 Zuschauer in der Memminger Eissporthalle wurden Zeuge eines wahren Endspiel-Krimis: Beim 3. und letzten Spiel der BEV-Play-Offs um den Pokal des Bayerischen Meisters siegten die Indians am Ende in einem dramatischen Spiel gegen Lindau mit 2:1 nach Verlängerung.

Memmingen (mfr/ch). Es war ein Endspiel in mehrfachem Sinne und das vor einer tollen Kulisse am Dienstagabend am Memminger Hühnerberg, der mit über 3000 Zuschauern fast schon sensationell gut gefüllt war. Auch rund 500 Fans waren vom Bodensee angereist, die sich das dritte und damit Endspiel der Finalserie nicht entgehen lassen wollten. Nur wenige Minuten vor Ende der regulären Spielzeit konnten die Rot-Weißen hochverdient ausgleichen durch einen Treffer von Lubor Pokovic in ein verplombt scheinendes Tor der Gäste, ehe sie die Partie in der Overtime 50 Sekunden vor Ende für sich entschieden.

Die Gäste erwischten jedoch den besseren Beginn. Die Indianer, bei denen Kapitän Jan Benda den gesperrten Martin Jainz ersetzte, wirkten vor allem im ersten Drittel unkonzentriert und leisteten sich wiederholt Fehler im Spielaufbau wie auch in der Defensive.

So kam der EV Lindau zu einer Vielzahl von guten Gelegenheiten; eine davon konnte Mlynek bereits in der vierten Minute verwerten. Die Maustädter, in dieser Spielphase häufig in Unterzahl, konnten offensiv kaum Akzente setzten und durften mit diesem Spielstand noch zufrieden sein, den sie zu einem großen Teil der erneut souveränen Leistung des starken Memminger Keepers Joey Vollmer zu verdanken haben.

Im zweiten Abschnitt kamen die Indians dann besser aus der Kabine. Nun waren es die Lindauer Islander, die wiederholt auf der Strafbank Platz nehmen mussten und der Sturm aufs gegnerische Tor verlagerte sich in die Gästehälfte.

Doch zahlreiche Gelegenheiten konnten von den Hausherren nicht genutzt werden, die unter „normalen Umständen“ sichere Treffer bedeutet hätten – Nervosität und ein Glanztag des Lindauer Keepers Zabolotny stoppte die letzte Konsequenz in den Angriffen des Memminger Teams.

Währenddessen stieg die Spannung unter den mehr als 3000 Zuschauern derart an, dass die Elektrizität in der Luft spürbar schien – rund 2500 unter ihnen wünschten sich sehnlichst den erlösenden Treffer der Memminger Indians, unter ihnen Oberbürgermeister Manfred Schilder, der sich zu diesem Finale die Zeit für ein gesamtes Spiel nahm.

Im letzten Drittel war die Marschrichtung beider Teams klar: Alles auf Offensive hieß es für die Indians, die nun Lindau im eigenen Drittel einschnürten,aber auch für die Islanders, die unbedingt die Vorentscheidung erzielen wollten.

Dennoch zeigten sich die Maustädter entschlossener und nahmen den Islander Keeper unter Dauerbeschuss. Doch der hielt dem Ansturm stand und packte eine Monster-Parade nach der anderen aus. Nach zwei Zwei-auf-eins-Situationen durch Patrick Beck und Timo Schirrmacher, bei denen wohl jeder den Puck bereits im Tor sah, verdiente sich David Zabolotny, der später auch zum Lindauer Spieler des Abends gewählt wurde, endgültig das Prädikat „Extraklasse“.

Die Indians waren kurz vor dem Verzweifeln und die Zuschauer wagten kaum zu atmen. Als dann der Puck das erste Mal vermeintlich hinter der Linie der Lindauer war, verweigerte der Schiedsrichter die Anerkennung des Treffers.

Davon noch angefacht folgte eine heiße Schlussphase. Rund drei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit kassierte der EV Lindau eine Strafzeit und die Indians nahmen Anlauf für eine letzte Schlussoffensive.

Abwehrspieler Lubor Pokovic war es dann, der den Puck irgendwie am Lindauer Schlussmann vorbeibrachte und die Eissporthall explodierte. Damit hatten die Indians kurz vor Ende den mittlerweile mehr als hochverdienten Ausgleich erzielt und konnten nun in der Verlängerung weiter um den Pokal des Bayerischen Meisters kämpfen.

In der Overtime, die maximal fünf Minuten im Modus 3 gegen 3 Spieler ausgespielt wurde, waren dann ebenfalls die Indians am Drücker. Es dauerte aber erneut bis kurz vor Ende der Verlängerung (50 Sekunden!), bis der erlösende Treffer fallen sollte: Antti Miettinen ging mit vollem Tempo an seinem Gegenspieler vorbei und legte den Puck kurz vor dem Tor quer, wo erneut Lubor Pokovic nur noch zum Titelgewinn einschieben musste.

Die Indians hatten sich damit, nach dem Bayernliga-Titel im letzten Jahr, den Pokal des Bayerischen Meisters 2018 gesichert. Nach Worten der Anerkennung von Oberbürgermeister Manfred Schilder und der offiziellen Aushändigung des ersehnten Pokals feierten die Eishockey-Helden des Tages mit ihren Anhängern noch eine ganze Weile ausgelassen im Stadion und auf der Eisfläche.

Dabei fehlen durfte weder der Indianertanz um den Pokal, noch Joey Vollmers Zigarre, noch Bierregen aufs Eis – zu groß war die Anspannung im Vorfeld und ebenso groß die Freude im Nachhinein über den Sieg des Pokals.

27.03.2018 ECDC Memmingen – EV Lindau 2:1 n.V. (0:1/0:0/1:0/1:0)

Tore:
0:1 (4.) Mlynek (Cech),
1:1 (58.) Pokovic (Galoha, 5-4),
2:1 (65.) Pokovic (Miettinen)

Strafminuten: Memmingen 12 – Lindau 16
Zuschauer: 3011

Fotos:
aus eigener Quelle (Christine Hassler)

Ein Album vom Spiel und der ausgelassenen Feier auf dem Eis gibt es auf unserer Facebookseite.

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