Frühjahrshoch auf dem Arbeitsmarkt im März

31. März 2018 von Christine Hassler - Keine Kommentare

1.000 Menschen weniger arbeitslos als im März 2017 – Arbeitslosenquote im Wirtschaftsraum Memmingen–Kempten verbessert sich auf 2,7 Prozent, dem niedrigsten Märzwert seit 10 Jahren – Beruflicher Wiedereinstieg unterstützt Fachkräftebedarf

Der Arbeitsmarkt im Wirtschaftsraum Memmingen – Kempten startete fulminant ins Frühjahr. Deutlich weniger arbeitslose Menschen und eine anhaltend starke Nachfrage nach Arbeitskräften bildeten zwei markante Ergebnisse im März.

Die Arbeitslosenquote ging auf 2,7 Prozent zurück und erreichte damit den niedrigsten Märzwert der vergangenen zehn Jahre.

„Zum Frühjahrsauftakt konnten mehr Menschen als in den letzten Monaten eine neue Beschäftigung aufnehmen und dadurch ihre Arbeitslosigkeit beenden. Der Bedarf an weiteren Arbeitskräften bleibt hoch. Die Möglichkeiten für Frauen, die nach einer Familienphase wieder in ihren erlernten Beruf zurückkehren möchten, sind derzeit sehr günstig. Sie stellen ein wichtiges Potenzial zur Sicherung des Fachkräftebedarfs dar“, so Maria Amtmann, Leiterin der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen.

„Es müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die eine Rückkehr in den Arbeitsprozess nach einer Familienphase erleichtern.“

Beruflicher Wiedereinstieg

Im Zeitraum Juni 2007 bis Juni 2017 nahm die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bei Frauen stärker zu als bei Männern. Während bei Männern ein Zuwachs von 21% zu verzeichnen war, bewegte sich das Plus auf Seiten der Frauen bei 28%.

In diesem Zeitraum stieg gleichzeitig die Beschäftigung in Teilzeit deutlich stärker als die in Vollzeit. Arbeiten in Teilzeit ist damit offensichtlich eine Frauendomäne: Zuletzt gingen im Juni 2017 knapp 60.000 Frauen einer Teilzeittätigkeit nach, während dies für 11.500 Männer zutraf.

Die Agentur für Arbeit und die Jobcenter unterstützen Frauen bei der Rückkehr ins Berufsleben. Ansprechpartner sind vor Ort die Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt.

Für den beruflichen Wiedereinstieg gibt es ein besonderes Beratungsangebot, das auch für Personen gilt, die nicht arbeitslos gemeldet sind. Bei der Beratung werden insbesondere auch die Vorteile einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung aufgezeigt. Viele Frauen kehren nämlich nach einer Familien- oder Pflegephase ins Erwerbsleben zurück und arbeiten zunächst in einem Minijob.

Eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist für Frauen sehr wichtig, vor allem im Hinblick auf ihre Eigenständigkeit und die soziale Absicherung sowie die finanzielle Sicherung im Alter.

In den vergangenen Jahren sind jeweils ca. 250 Frauen nach einer Familienphase und Zeit der Arbeitslosigkeit wieder ins Erwerbsleben zurückgekehrt.

Als Berufsrückkehrer werden Frauen und Männer bezeichnet, die ihre Erwerbstätigkeit wegen der Betreuung und Erziehung von aufsichtsbedürftigen Kindern oder der Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger unterbrochen haben und in angemessener Zeit danach in die Erwerbstätigkeit zurückkehren wollen.

In der Statistik sind die Personen erfasst, die unmittelbar vor dem beruflichen Wiedereinstieg bei der Agentur für Arbeit oder einem Jobcenter arbeitslos gemeldet waren.

Noch immer sind es überwiegend Frauen, die sich um Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen kümmern. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für die Aufnahme einer Beschäftigung von zentraler Bedeutung.

Gerade in der aktuellen Arbeitsmarktsituation mit einem starken Bedarf an Arbeitskräften bieten Frauen ein wertvolles Potenzial. Der überwiegende Teil der Wiedereinsteigerinnen kehrte in den vergangenen Jahren als Fachkraft oder mit noch höherer Qualifikation in den Beruf zurück. In den letzten fünf Jahren waren das jeweils 150 Kräfte, die ihre Fachkenntnisse in den betrieblichen Alltag einbrachten.

Sektoren, in denen Frauen wiedereinstiegen

  • Fachkräfte in Büro und Sekretariat: 56 Frauen sind im vergangenen Jahr wieder ins Erwerbsleben eingestiegen.
  • Lebensmittelgewerbe sowie in Handel und Verkauf: auch Berufe in diesem Bereich waren gut vertreten.
  • Erzieherinnen und Mitarbeiter in Gesundheitsberufen: Hier kehrten zuletzt nach einer Familienphase 25 Frauen wieder in ihren erlernten Beruf zurück. Dieser Bereich ist bereits seit Längerem auf dem Arbeitsmarkt gefragt.

Immer wichtiger wird es daher für Betriebe im Allgäu ihre Personalplanung familienorientiert zu gestalten, damit auch in Zukunft eine ausreichende Zahl qualifizierter Arbeitskräfte für den Arbeitsmarkt zur Verfügung steht.

Arbeitslose Menschen

Arbeitslose Menschen insgesamt:

9.960 Menschen waren im März bei den Vermittlern der Agentur für Arbeit und in den sieben Jobcentern arbeitslos gemeldet, 600 Kräfte weniger als im Februar 2018 und 1.000 arbeitslose Frauen und Männer weniger als im März 2017.

Neu arbeitslos gemeldet:

Rund 1.400 Frauen und Männer sprachen aktuell als neu bei den Vermittlern vor, die zuletzt eine Erwerbstätigkeit ausgeübt hatten. Das waren sowohl weniger Menschen als im Vormonat wie auch weniger als im März des vergangenen Jahres.

Arbeitsaufnahmen:

1.721 Frauen und Männer beendeten gleichzeitig ihre Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer neuen Tätigkeit – mehr als in den letzten Monaten. Unter ihnen befand sich ein Koch, der im Alter von 57 Jahren eine neue Arbeitsstelle antrat, mehrere CNC-Fachkräfte und Fachlageristen sind in neuen Betrieben beschäftigt.

Der Start ins Frühjahr führte zu ersten Rückrufen in Außenberufen. Im Garten-/Landschaftsbau und im Baugewerbe nahm eine ganze Reihe von Kräften in dem Betrieb, in dem sie zuletzt gearbeitet hatte, wieder ihre Arbeit auf. In den nächsten Wochen sind in diesen Bereichen weitere Arbeitsaufnahmen fest eingeplant.

Die anhaltend gute Entwicklung des Arbeitsmarktes ist im mehrjährigen Vergleich der arbeitslos gemeldeten Menschen gut erkennbar.

Kräftebedarf der Wirtschaft hält an

Stellenangebote insgesamt:

Gut 6.900 Stellenangebote standen insgesamt aus der Region zur Verfügung, ähnlich viele wie im Monat zuvor.

Neue Stellenangebote:

Rund 1.800 Beschäftigungsmöglichkeiten meldeten Arbeitgeber im März neu zur Besetzung.

Gesuchte Berufsbilder

  • Rund um den Werkstoff Metall: Hier herrschte mit 270 zusätzlich gemeldeten Jobangeboten ein ausgeprägter Bedarf. Industriemechaniker, Schweißer und ähnliche Fachkräfte waren gefragt.
  • Elektro- und Energietechnik: 90 neue Arbeitsstellen galt es hier zu besetzen.
  • Hotellerie und Gastronomie: 210 Stellenangebote gaben Betriebe neu zur Besetzung herein.
  • Logistiksektor: 150 neue Mitarbeiter wurden hier gesucht, sei es als Lagerfachkraft, Verkehrskaufmann oder Kraftfahrer für den Gütertransport.
  • Bauhaupt- und Nebengewerbe: auch hier herrschte ein höherer Bedarf an Fachkräften wie Maurer, Maler, Anlagenmechaniker und artverwandte Berufe.
  • Sozialer Bereich und Pflege: Einige Beschäftigungsangebote für Erzieher, Altenpfleger sowie medizinische Fachangestellte kamen in diesem Bereich herein.

Regionale Entwicklungen im Jahresvergleich

Im Allgäu lag die Arbeitslosenquote bei 2,7 Prozent und damit 0,3 Prozentpunkte unter dem Wert des Vorjahres. Diese Entwicklung setzte sich in allen Regionen des Agenturbezirks fort.

Besonders günstig sah es auf dem Arbeitsmarkt in den Wirtschaftsräumen Mindelheim, Memmingen, Marktoberdorf, Lindau und Kempten aus.

In den genannten Regionen war bei der Arbeitslosenquote im März eine Zwei vor dem Komma zu verzeichnen.

Im Jahresvergleich erzielte der Wirtschaftsraum Marktoberdorf die stärkste Verbesserung. Dort erreichte die Arbeitslosenquote aktuell den Wert von 2,4 Prozent, sie lag damit um 0,5 Prozentpunkte unter dem Ergebnis aus dem März des Vorjahres.

Unterschiede in Arbeitslosenversicherung und sozialer Grundsicherung

Seit Einführung der sozialen Grundsicherung („Hartz IV“) werden arbeitslose Menschen von der Agentur für Arbeit und in den Jobcentern betreut. In beiden Bereichen entwickelte sich die Zahl der arbeitslosen Menschen unterschiedlich.

Agentur für Arbeit: der Rückgang von gut 600 arbeitslos gemeldeten Frauen und Männern im Monatsvergleich fiel auf Seiten der Agentur für Arbeit deutlich stärker ins Gewicht. Insgesamt war die Agentur für Arbeit im März für rund 5.900 Menschen zuständig.

Jobcenter: Hier blieb die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen im Ergebnis nahezu unverändert. Die Jobcenter betreuten insgesamt gut 4.000 arbeitslose Kräfte.

Ausblick

Aufgrund der wenig frühlingshaften Witterung der letzten Wochen ist mit steigenden Temperaturen nach Ostern mit zahlreichen weiteren Arbeitsaufnahmen für Tätigkeiten im Freien zu rechnen.

Die Situation wird sich dann auf dem Arbeitsmarkt im Allgäu weiter entspannen. Dafür spricht auch der anhaltend hohe Kräftebedarf quer durch viele Branchen. In einigen Bereichen wird sich eine zeitnahe Besetzung von Arbeitsplätzen schwieriger gestalten.

Darstellung nach Wirtschaftsräumen/Regionen

Darstellung nach kommunalen Strukturen

Bilder:
Titelebild: Fotoquelle: Pixabay
Grafiken: Bildquelle: Agentur für Arbeit Kempten – Memmingen

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