„Die Gedanken sind frei“

17. Mai 2018 von Christine Hassler - Keine Kommentare

12 Religionsgemeinschaften, die alle in Memmingen praktiziert werden, stellen sich vor bei der am 13. Mai eröffneten Ausstellung im Stadtmuseum Memmingen „Die Gedanken sind frei. Glaubensfreiheit in Memmingen“. In dieser letzten Themenausstellung von „Zeitmaschine Freiheit“, die auf Basis der 12 Artikel konzipiert wurde, steht die Religionsfreiheit im Mittelpunkt:

Protestanten, Freikirchliche, Katholiken, Reform-Katholiken, Muslime, Aleviten, Buddhisten, syrisch-orthodoxe Christen, Zeugen Jehovas, Neu-Apostolische, Siebenten-Tags-Adventisten und Repräsentanten des Judentums wurde jeweils gleich viel Platz zur Verfügung gestellt, um sich durch Text und Bild zu präsentieren.

Viele davon nehmen wir im alltäglichen Leben nicht wahr oder wissen wenig über einige unter ihnen, doch werden all diese 12 Konfessionen, Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften in Memmingen praktiziert, gelebt oder hatten in der Geschichte Bedeutung.

„Diese Gemeinschaftsausstellung zeigt die spirituelle Vielfalt, wie sie in einer Stadt wie Memmingen zum heutigen Leben gehört. Grundlage des städtischen Miteinanders sind jedoch Kenntnisse über andersgläubige Menschen und Toleranz gegenüber allen Gläubigen“, betonte Projektleiterin Regina Gropper, die zusammen mit Ursula Winkler die Ausstellung kuratiert.

Durch Kinderhand zusammengeführt

Präsentiert werden die 12 Religionsrichtungen bildhaft und durch informative Texte in separaten Vitrinen gleicher Größe in der Halle des Stadtmuseums, doch durch die Hände von Kindern treffen alle in einem weiteren Raum auf friedliche und stille Weise zusammen:

Kinder der „Kursonauten“, einer neuen kultur-pädagogischen Gruppe von Architektur-interessierten Kindern, gegründet durch Architektin Monika Sparakowski in Zusammenarbeit mit Schulen, schufen für diese Themenausstellung einen „interreligiösen Raum“.

„Diese Ecke haben wir mit Ästen umgeben, hier kann man beten oder einfach seine Ruhe haben“, erklärte der kleine Philipp, Mitglied der Kursonauten. Halb verdeckt wird der Bereich von einer Vitrine, mit spiegelnden Elementen darin, davor steht ein Tisch mit jüdischen Kippas darauf. „Da kann man ausprobieren, wie man selbst mit einer Kippa aussieht“, so der aufgeweckte Junge, der einmal Stadtplaner werden möchte.

Daneben befindet sich ein weiterer Bereich mit einem Stehtisch, darüber hängen Papierstreifen mit Worten darauf: „Das ist ein Gebetstisch“, erklärte Philipp, „und auf den Zetteln darüber steht `Frieden´ in verschiedenen Sprachen, die haben wir ausgedruckt und über dem Tisch aufgehängt.“

Auf der anderen Seite des Raumes steht eine niedrige, gedeckte Tafel mit Tellern und Bechern. „Hier essen die Menschen zusammen und auf jeden Teller haben wir aufgemalt, was die verschiedenen Menschen essen“, klärt nun die kleine Sophie auf. Gemeint sind damit die Essensvorschriften verschiedener Religionen: So wurde etwa auf dem Teller von Muslimen symbolisch das Schweinefleisch durchgestrichen, oder bei jüdischen Gläubigen das koschere Essen symbolisiert, der Vorgang des Essens jedoch zu einer friedlichen Tafel zusammengeführt.

„Frieden und Selbstbestimmung sind nicht selbstverständlich“

Zuvor hatte Oberbürgermeister Manfred Schilder bei seinem Grußwort daran erinnert, dass Freiheit und auch Glaubensfreiheit nichts Selbstverständliches ist, sondern hart erarbeitet und manchmal erkämpft werden muss.

Bei seiner vor kurzem erfolgten Reise zur Partnerstadt Tschernihiw in der Ukraine sei ihm dies wieder auf besondere Weise bewusst geworden, als er mit seinen Memminger Reisegefährten und den Gastgebern an einem frischen Soldatengrab stand, dessen jüngster Gefallener im dort noch immer wütenden Krieg, erst im Februar dieses Jahres im Alter von 20 Jahren zu Grabe getragen wurde.

Landrat Hans-Joachim Weirather betonte, er sei stolz und freue sich, in einem Land zu leben, in dem Grundrechte und die Freiheit auf Selbstbestimmung garantiert sind. Auch er mahnte, das nicht als etwas Selbstverständliches anzusehen und rief dazu auf, entschieden für die Menschenrechte einzutreten, die auch heute noch vielerorts mit Füßen getreten werden.

Mit unseren Mitteln sollten wir entschlossen dagegenhalten“, motivierte er, rief jedoch ins Bewusstsein, dass Freiheit nicht frei von Gefahren sein kann und es nicht immer einfach ist, den richtigen Weg zu finden – Mut sei dabei ein wichtiger Faktor.

12 Artikel – 12 Teilprojekte – 12 Religionen – eine Freiheit

Projektleiterin Regina Gropper, die zusammen mit Ursula Winkler die Ausstellung kuratiert, erinnerte an die Grundpfeiler dieser Projektreihe: Als Teil von insgesamt 12 Teilprojekten und begleitenden Ausstellungen von „Zeitmaschine Freiheit“, realisiert mit (anfänglich) 12 Kooperationspartnern, basiere auch diese Themenausstellung zur Religionsfreiheit auf den 12 Bauernartikeln.

Die 12 Artikel wurden die Eckpfeiler für Freiheit und Menschenrechte, erinnerte sie und rief Artikel 4 des Grundgesetzbuches ins Gedächtnis über die „Freiheit von Religion, Gewissen und Weltanschauung“.

Die Religionsfreiheit als Grund- und Menschenrecht beinhalte jedoch auch das Recht, keiner Religion anzugehören.

Neben Aspekten der Säkularisation zeigt die Ausstellung zeigt auch zwei Kunstbeiträge, die die Schau ergänzen und vertiefen sollen: Fotografien der Fotografin Alexandra Vogt in die Welt Heinrich Maurers Einsiedelei im Unterallgäu und Arbeiten von Andreas Duscha (Wien), der die Gebetsräume oder Interfaith Chapels an Flughäfen in aller Welt besuchte.

Musikalisch umrahmt wurde die Ausstellungseröffnung von Stefanie Pagnia an der Violine, die unter anderem das Thema von „Die Gedanken sind frei“ musikalisch aufnahm und weitere Stücke vortrug.

Gespräch, Austausch und weitere Aktionen

Alle Besucher sind eingeladen, sich in der Ausstellung zu informieren und miteinander ins Gespräch zu kommen. Ein umfangreiches Begleitprogramm bietet weitere Möglichkeiten der Teilnahme, unter anderem durch die „Kursonauten“, deren Aktionen wir auch im Veranstaltungskalender auf dem Portal ankündigen.

Die „Zeitmaschine“, die am Martin-Luther-Platz als Ort für Kommunikation und Austausch diente, wird übrigens morgen, 18. Mai um 17 Uhr, zu ihrer letzten Etappe ins Stadtmuseum zurückkehren:

Unter dem Titel „Zeitmaschine Freiheit Revisited. Die Rückkehr der Zeitmaschine“ sind alle Interessierten zur Eröffnung eingeladen in die Halle des Stadtmuseums.

Am gleichen Tag findet in der MEWO Kunsthalle eine begleitende Performance statt, um genau zu sein, eine `Performative Äußerung´ (‚Sprachhandlung‘), doch lassen Sie sich überraschen von:

„Hannes Egger: How to do things with Words“, die Eröffnung ist um 19 Uhr in der MEWO Kunsthalle.

Info

Die Ausstellung „Die Gedanken sind frei. Glaubensfreiheit in Memmingen“ wird gefördert im Fonds Stadtgefährten der Kulturstiftung des Bundes im Rahmen des Projekts „Zeitmaschine Freiheit“.

Sie ist im Stadtmuseum vom 13. Mai bis 8. Juli 2018 zu sehen.

Fotos:
Bild 1: (v.li.): Projektleiterin Regina Gropper, Leiterin des Stadtmuseum Memmingen Ute Perlitz und Architektin und Gründerin der „Kursonauten“ Monika Sparakowski bei der Eröffnung der Ausstellung.
Bild 2: Der kleine Philipp (Mitte), Mitglied der Kursonauten und zukünftiger Stadtplaner erklärte den „interreligiösen Raum“.

Bild 3: Insgesamt 12 Konfessionen, Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften werden bei der Ausstellung vorgestellt, die auch zum Dialog zwischen den verschiedenen Glaubensvertretern anregen möchte.

Bild 4: Regina Gropper erklärt einen ergänzenden Kunstbeitrag von Andreas Duscha (Wien), der die Gebetsräume oder Interfaith Chapels an Flughäfen in aller Welt besuchte.

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