Das Gedächtnis der Insel – Christian Buder

Kapitel 1

Früher gab es die Welt nicht. Sie endete an den letzten
Felsen der Insel. Daran glaubte Yann, bis sein Vater ihn
aufs Festland mitnahm. Von den schroffen Felsen am
äußersten Ende der Bretagne konnte er bei gutem Wetter
den Leuchtturm der Insel sehen. Sie blieben nie länger
als ein paar Stunden auf dem Festland…

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Hommage an die Welt der Farben – aus „KunstAusBildung“

Blau

Wie der Fluss im Fall

Wie das Rauschen am Meer

Wie der Fisch im Wasser

Wie die ersten Blaubeeren

Wie die Freiheit

Blau wie meine Seele

Grün

Wie barfuß auf einer Frühlingswiese

Wie das Zwitschern der Vögel am Morgen

Wie der Wind, der durch die Blätter weht

Wie Tiere, die sich vorsichtig am Waldrand zeigen

Wie ein vierblättriges Kleeblatt

Wie die Leere in meinem Kopf

Wie ein letzter Hauch Kälte

Wie Glück, das man mit Freunden teilt

Grün wie meine Seele …

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„Denk dran“ – Rap-Text von Stefan aus Memmingen

Die alten „Dudes“ von früher mal wiedergesehen,

es war Funkstille, Regen in den Augen, Tränen

Wege die sich Trennen mit der Ankunft in der Heimat

jeder auf der Reise einsam, is nich einfach

Kontakte zu pflegen, neue Städte neues Leben

neue Leute, neue Wege – Studieren oder Lehre

ein Jahr im Ausland, was man rausfand, es sind Aufgaben, Auflagen

Verträge schließen – Bausparen

So man kommt man heim …

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Mundartgedicht von Jakob Friedrich Schmidt, 1862

Dürft i mi um Rua bewerba,
Daß ma mi au dät verstau,
Nauche möcht i au n Scherba
Heut zum Ganza gliefret hau.

Also spitzet uire Ohra,
Bis mei Gschäft dau ist verricht,
Denn was na fällt, gaut verlora,
Des ist scho a alta Gschicht.

Fast bei alle Glegenheita,
Wo i no was gsprocha hau,
Haun i gwöhnlich henda detta
Ois und s Ander leaba lau.

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Es war einmal…von Susanne Nestel

Es war einmal, vor langer Zeit
da hat es noch im Winter g´schneit
Schnee fiel vom Himmel in dicken Flocken
um Kinder auf den Holzschlitten zu locken

Die Mutter in der Küche, Kittelschürze
backte hingebungsvoll Plätzchen, süß mit einem zarten Hauch von edler Würze
der Vater derweil in den tiefen Wald dann ging
und einen großen Bären fing…
Nein!! Natürlich um einen Baum zu fällen
um ihn dann in trauter Familienrunde, feierlichst, aufzustellen

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Weihnachtsgedicht von Christine Hassler

Du fragst mich, was ich mir zu Weihnachten wünsche?

Was, wenn es einfacher ist, zu sagen, was ich mir wegwünsche?
Keine lauten Worte wünsch ich mir, keinen Streit, keinen Argwohn, keinen Neid, keine Missgunst, kein Drohen nur Schneid!

Schneid zu lassen, zu achten, zu respektieren, zu warten, zu sehen, zu betrachten und zu würdigen für das, was es ist,

anstatt zu bewerten und ersticken, seiner Schönheit berauben, entwerten und verurteiln für das, was es nicht ist….

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Gesellschaftswirrwarr von Dominik Peller

Fassaden

demonstrieren

Ein verwirrendes

Spiel

im Wandel

der

Veränderung

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Seifenblase von Dominik Peller

Wie in einer Oper
keiner Seifenoper
oder einem Theater
auf einer Freilichtbühne
erblicken wir so manches
was um uns geschieht
unsere Umgebung preisgibt
Der Realismus unserer
Zeit zwingt uns
vieles zu verschleiern
zu verschließen
die Augen zu schließen
hinter einen Spiegel zu treten…

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Der Wandler

Der Wandler
bin ich
weil ich wandle
an Liebe vorbei
und durch Angst hindurch
in Tränen hinein
aber immer weiter
durch die Welt
und das Universum
ohne Weg und Ziel

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Kapitel 2 aus „20 Sekunden Ewigkeit“

Mit dem Rücken lehnte Alex an der Tür.

Sie holte tief Luft und überlegte.

Falls sie dich für tot gehalten haben, dachte sie, würden sie dich sicher nicht sehr lange hier herumliegen lassen.

Und: Falls sie in den Schubladen tatsächlich Leichen aufbewahrten, so müssten sie diese dort auch kühlen können.

Sie streckte den Kopf, um über den Tisch hinwegzusehen.

Tatsächlich, jetzt entdeckte sie ein Control-Panel neben den Schubladen. Damit, vermutete sie, konnte man die Temperatur einstellen.

Sicherlich würde also bald jemand auftauchen, um ihren vermeintlich toten Körper hinüberzutragen und hineinzulegen.

Nur eine Frage der Zeit.

Bis jemand kam, so entschloss sie sich, könnte sie sich den Spind näher ansehen.

Sie stand auf und bemerkte zufrieden, dass sie sich inzwischen schon etwas besser auf den Beinen halten konnte.

Mist!

Ein Zahlenschloss hing an der Spindtür…

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