Stadtmuseum

Stadtmuseum im Hermansbau

Adresse
Zangmeisterstr. 8, (Eingang Hermansgasse)
87700 Memmingen
Tel./Fax: 08331/850-134

Öffnungszeiten:
von Mai bis Oktober
Di – Sa: 10 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr
Sonn- und Feiertage: 10 bis 16 Uhr

Eintritt:
Erwachsene 3,30 €
Ermäßigung 2,20 € (Rentner, Studenten, Schwerbehinderte)
Jugendliche (13-18 Jahre) 2,00 €
Familienkarte 5,50 € (Kinder bis 18 Jahre frei)

Stadtmuseum Memmingen

Das Stadtmuseum zeigt in verschiedenen Sektionen die Geschichte der Stadt Memmingen und zeigt ein Gemeinwesen, das über Jahrhunderte hinweg eine bedeutende Rolle in Gewerbe und Handel aber auch in Politik und Religion spielte. Kunst und Kultur, Alltagssorgen und Obrigkeit werden mit einer Vielzahl von Ausstellungsstücken lebendig dokumentiert. Sehenswert sind auch die Barockgalerie mit Gemälden von Johann Heiss  (1640-1704) und die edle Feinkeramik der Memminger Fayencemanufaktur „Künersberg“. Angeschlossen ist das Heimatmuseum Freudenthal/Altvater mit einer Spezialsammlung zur sudetendeutschen Stadt Freudenthal.

Das Stadtmuseum Memmingen befindet sich in einem spätbarocken Stadtpalais, das 1766 im Auftrag des Patriziers Benedikt von Herman erbaut und nach ihm benannt wurde. Der Hermansbau beeindruckt durch seine Rokokofassade und erinnert mit seinem schönen Innenhof und dem barocken Treppenhaus mit allegorischer Deckenmalerei an einen südländischen Palazzo.

Die städtischen Sammlungen, die 1885 begonnen wurden, sind seit 1936 im Hermansbau aufbewahrt und spiegeln Geschichte und Kultur der ehemals evangelischen Reichsstadt Memmingen wieder.

Wohnkultur der Memminger Patrizier

Großzügige Zimmerfluchten in zum Teil originaler Ausstattung vermitteln einen Eindruck von der patrizischen Wohnkultur und führen den Besucher von der Vor- und Frühgeschichte zur Rechts-, Kirchen- und Zunftgeschichte Memmingens.

Die Sammlung „Memminger Bildnisse aus drei Jahrhunderten“ reflektiert das bürgerliche Selbstbewußtsein in der ehemaligen Freien Reichsstadt, ebenso wie die Wappentafel des Memminger Patriziats.

Höhepunkte der Ausstellung sind die Bilder des Memminger Barockmalers Johann Heiß und die Stücke der Fayencemanufaktur Künersberg, die im 18. Jh von dem Memminger Patrizier Jakob v. Küner betrieben wurde. Diese besonders hochwertigen Fayencen zählen heute zu den begehrtesten Beispielen der europäischen Feinkeramik. Im Museum wird zudem ihr schwieriger Produktionsgang erläutert.

Wechselausstellungen im Themenbereich der Stadt- und Kunstgeschichte und Umstrukturierung der Memminger Museumslandschaft

In den vergangenen Jahren hat die Memminger Museumslandschaft weitreichende Neuerungen erfahren. Nach der Ausweitung der Fayence-Abteilung im Stadtmuseum im Hermansbau 1995, eröffnete das Strigel-Museums und das Antoniter-Museums neu im sanierten und zum kommunalen Kulturzentrum gewandelten Antonierhaus im Jahre 1996.

Damit präsentierte sich erstmalig und in neuer Pracht in Memmingen eine historische Dokumentation zum Leben und zur geschichtlichen Bedeutung des Hospitalordens der Antoniter, die über 300 Jahre hinweg wirkten und der Stadt spätmittelalterliche Hospitalanlage hinterließen. Mit dem ebenfalls im Antonierhaus eröffneten Strigel-Museum wurde eine Sammlung alter Kunst, die bis dahin im Stadtmuseum untergebrachte Tafelbilder und Skulpturen der Memminger Künstlerfamilie Strigel enthielt, mit bedeutenden Neuanschaffungen der Kunststiftung der Sparkasse Memmingen-Mindelheim zusammengeführt.

Hermansbau und Antonierhaus, ergänzt durch die Max-Unold-Galerie im Parishaus bieten seitdem ein deutlich ausgeweitetes Museumsangebot, das gerade dem traditionsreichen Stadtmuseum vielfältige neue Möglichkeiten und Zielsetzungen ermöglichte.

Das Stadtmuseum sollte sich zukünftig seinen Besuchern mit klaren inhaltlichen Themenstellungen präsentieren und damit den Weg fortsetzen, der bereits mit der Neuordnung der „Künersberger Fayencen“ 1995 eingeleitet worden war.

Es erfolgte der Ausbau einer Abteilung zur Geschichte der Reichsstadt von den Anfängen im 11. Jahrhundert bis zum Ende der Reichsstadt 1803 und zum anderen eine Dokumentation jüdischen Lebens in unserer Stadt von frühen Jahren der Emanzipation um 1860 bis zum tödlichen Ende in der NS-Zeit.

Leben in der Reichsstadt Memmingen

Eine erlebnishafte Begegnung mit der Geschichte ermöglicht der Schaubereich „Leben in der Reichsstadt Memmingen“, der seit Mai 1999 zum Anfassen, Anhören und Mitmachen einlädt. Die Arbeit an diesem Konzept wurde angeregt und unterstützt vom „Haus der Bayerischen Geschichte“ in Augsburg, das ein Jahr zuvor in Memmingen und Kempten die Bayerische Landesausstellung „Geld und Glaube. Leben in evangelischen Reichsstädten“ durchgeführt hatte.

Anschaulich, konkret und lebendig werden dabei in der südlichen Zimmerflucht des Hermansbaus die Besonderheiten der reichsstädtischen Jahrhunderte dargestellt und der persönliche Lebenszyklus eines Bürgers oder einer Bürgerin einer Reichsstadt von der Geburt bis zum Tod visualisiert. Bereiche aus Schule und Beruf, aber auch aus vielen wirtschaftlichen und sozialen Aspekten und den kulturellen und künstlerischen Leistungen in Musik und Theater, die das Leben der Stadtbewohner charakterisierten, werden dabei behandelt.

Die ereignisgeschichtlichen Schwerpunkte Stadtentstehung und Stadtrechtsentwicklung, Reformation und Bauernkrieg, Dreissigjähriger Krieg sowie die Aufhebung der Reichsfreiheit im Jahre 1802/03 werden in einem mehr chronologisch geordneten Blick erläutert. Von entscheidender Bedeutung für das geschichtliche Verständnis ist dabei die religiösen bzw. konfessionelle Thematik. Denn das Leben in der Stadt Memmingen bewegte sich über Jahrhunderte hinweg zwischen evangelischer Glaubenslehre und der Minderheitenrolle der Katholiken. Die bestimmende Rolle der geistlichen und weltlichen Obrigkeit schließt ab mit den Themen Gerichtsbarkeit, Almosen- und Spitalwesen.

Jüdisches Leben in Memmingen (1862-1942)

Der im Mai 2000 eröffnete Ausstellungsbereich „Jüdisches Leben in Memmingen (1862-1942)“ bildet die zweite Neuerung im Stadtmuseum.

In den Jahren nach 1860 entwickelte sich in Memmingen eine aufstrebende jüdische Gemeinde, beginnend mit der Zuwanderung jüdischer Landbevölkerung, die um die Jahrhundertwende über 200 Mitglieder zählte. Mit der Einweihung der Synagoge 1909 erreichte sie einen nie wieder erreichten Grad der Anerkennung in dieser Stadt. Als wirtschaftlich initiative Neubürger trugen Sie in Handel und Herstellung, aber auch in akademischen Berufen als Ärzte und Anwälte zur wirtschaftlichen Blüte der Stadt bei. Erfolg im Beruf, Anerkennung im Vereinsleben und Achtung in der Gesellschaft waren Bausteine einer insgesamt hoffnungsvollen Entwicklung, die das Zusammenleben von Juden und Christen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Memmingen kennzeichneten. In der Hoffnung, den formal erreichten Bürgerrechten auch die volle gesellschaftliche Akzeptanz hinzufügen zu können.

Zu Beginn der 1920er Jahre zeichneten sich allerdings erste Vorboten einer gegenläufigen Entwicklung ab, die in Ausgrenzung und Antisemitismus mündeten und sich bis zum Ende des 2. Weltkrieges in einer bisher ungekannten Radikalität gipfelten.

Mit historischen Dokumenten und Fotos aus dem Stadtarchiv Memmingen, mit Zeitzeugeninterviews auf Video und bedeutenden Erinnerungsstücken zur jüdischen Kultur in unserer Region wird in dieser Abteilung ein Bild gezeichnet, das die Möglichkeit zu einem friedvollen Zusammenleben genauso dokumentiert, wie das leidvolle Ende dieses friedlichen Miteinander und letztlich der gesamten jüdischen Bevölkerung in der Stadt.

Sieben Stationen das Leben der Juden in Memmingen werden darin in inhaltlich und chronologisch geordneten Themenfeldern dokumentiert. Die Darstellung der gewerblichen, gesellschaftlichen und politischen Integration vor 1933 und die Maßnahmen der Entrechtung und Ermordung in den Jahren nach 1933 machen deutlich, dass die Wertschätzung eines jüdischen Deutschtums keine tragfähige gesellschaftliche Basis hatte. Mit dieser anschaulichen Dokumentation soll auch an die vergebene historische Chance erinnert werden.

Wechselnde Ausstellungen innerhalb des Stadtmuseums werden auf unserem Portal unter Stadtinfos – Laufende Kulturveranstaltungen gelistet.

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